29.09.2018 06:00 |

Anrainer im Ennstal:

„Sie sollen endlich mit der Arbeit anfangen!“

Am Unteren Wörschachberg riskieren die Anrainer bei jedem Wegfahren und Heimkommen ihr Leben. Eine Begleitstraße könnte diesen Familien ihre Lebensqualität zurückgeben, wie wir bei einem Besuch im Wörschacher Gasthaus Poschenhof erfuhren.

30 Jahre lang hat Monika Peissl, einstige ÖVP-Gemeinderätin aus Wörschach, um die Ennsnahe Trasse gekämpft. Zu Zeiten der mörderischen Gastarbeiter-Route lagen die Unfall-Toten sprichwörtlich in ihrem Garten, erzählt sie. Dank Überholverbot und 80 km/h-Limit sei es mit den Unfällen besser geworden.

Dennoch ereilte die streitbare Frau ein furchtbarer Schicksalsschlag: 2002 starb ihr Sohn Rudolf bei einem Unfall auf der B 320. „Es hat ihn aus der Kurve ausgetragen. Angeblich hat ihn ein Lkw abgedrängt“, erzählt Monika Peissl, die nach wie vor direkt an der Ennstalstraße lebt.

Ennstal-Streit entzweite Familien
Beim „Krone“-Besuch im Gasthaus Poschenhof wird schnell klar, dass von der großen Lösung „Ennsnahe Trasse“ niemand mehr ernsthaft redet. Der Streit um dieses Thema habe damals selbst Familien entzweit, erinnert sich die Wirtin Heidemaria Schwaiger.

Worauf sich aber alle einigen können: Der Durchzugs-Schwerverkehr muss weg. Und die kleinen Lösungen, die das Leben der Anrainer erträglich machen, gehören endlich umgesetzt.

Wörschacher brauchen dringend Begleitstraße
Im Fall von Wörschach ist das eine seit Langem geforderte Begleitstraße im Bereich des Unteren Wörschachbergs. Dort ist neben Monika Peissl auch Ursula Lux, Köchin im Poschenhof, dem täglichen Wahnsinn der B 320 ausgesetzt. Das Heimkommen und Wegfahren sei jedes Mal lebensgefährlich, schildern die Frauen. Für die 19 Anrainer-Familien wäre es eine große Erleichterung, wenn die Kinder einmal zu Fuß in die Schule gehen könnten.

„Wenn die Politiker das Geld nicht auf einmal haben, sollen sie eben jedes Jahr einen anderen Ort dran nehmen“, gibt sich Heidemaria Schwaiger realistisch. „Aber sie sollen endlich mit der Arbeit anfangen - und uns nicht mehr vertrösten.“

Absage an Zyniker
Jenen Zynikern, die meinen, man müsse gar nichts tun, weil die Autofahrer selbst verantwortlich seien, erteilt Straßenmeister Wilhelm Schwaiger eine klare Absage: „Das lasse ich nicht gelten. So viele Menschen sind gestorben, weil andere Fahrfehler gemacht haben.“

Matthias Wagner
Matthias Wagner
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