Do, 18. Oktober 2018

Übung in Norwegen

27.09.2018 07:29

NATO plant größtes Manöver seit dem Kalten Krieg

Das in vier Wochen beginnende NATO-Manöver „Trident Juncture 2018“ soll das größte des Bündnisses seit dem Ende des Kalten Krieges werden. Nach dem jüngsten Planungsstand werden an der Übung in Norwegen mehr als 44.000 Soldaten aus etwa 30 NATO- und Partnerstaaten teilnehmen, wie Militärkreise in Brüssel bestätigten. Erst vor Kurzem - vom 11. bis 15. September - hatte Russland 300.000 Soldaten ins größten Manöver seit sowjetischen Zeiten geschickt.

Mit dem Großmanöver in Norwegen will die NATO vom 25. Oktober bis zum 23. November für den sogenannten Bündnisfall trainieren. Dieser könnte ausgerufen werden, wenn einer oder mehrere der 29 Mitgliedsstaaten von einem Gegner angegriffen würde. In der Folge müssten dann die anderen Alliierten Beistand leisten.

Baltische Staaten fühlen sich von Russland bedroht
Für den Bündnisfall war nach dem Ende des Kalten Krieges lange Zeit weniger intensiv geübt worden. Nachdem Russland sich 2014 die ukrainische Halbinsel Krim einverleibte, änderte die NATO jedoch ihre Strategie. Vor allem Polen sowie die baltischen Alliierten Litauen, Lettland und Estland fühlen sich von der aktuellen Politik des großen Nachbarn verstärkt bedroht und fordern Aufrüstung und mehr Abschreckung.

In der NATO-Zentrale in Brüssel wird unterdessen betont, dass bei „Trident Juncture“ (Dreizackiger Verbindungspunkt) nicht konkret für das Szenario eines russischen Angriffs geübt werde. Mit dem Manöver solle die gemeinsame Abwehr eines fiktiven Gegners trainiert werden, sagte eine Sprecherin. „Das Szenario und die Übung richten sich gegen kein bestimmtes Land.“

300.000 Soldaten bei Putins Mega-Manöver
Hinter vorgehaltener Hand bestätigen NATO-Diplomaten allerdings zugleich, dass es natürlich kein Zufall sei, dass die Übung in einem Land ausgerichtet wird, das an Russland grenzt. Sie verweisen dabei auch darauf, dass das Kernland der früheren Sowjetunion zuletzt wieder intensiv für großformatige Konflikte trainiert habe. An dem jüngsten russischen Großmanöver „Wostok“ (Osten) sollen nach Angaben aus Moskau beispielsweise fast 300.000 Soldaten teilgenommen haben.

In der ersten Runde des bevorstehenden NATO-Manövers werden nach Bündnisangaben von Ländern wie Deutschland, Italien und Großbritannien gebildete „südliche Kräfte“ einen Angriff von „nördlichen Kräften“ abwehren. Letztgenannte sollen unter anderem aus Truppen der USA, Kanadas und Norwegens bestehen. In der zweiten Runde sieht das Szenario dann einen Gegenangriff der „südlichen Kräfte“ auf die „nördlichen Kräfte“ vor.

Die letzten NATO-Manöver, die größer waren als die bevorstehende Ausgabe von „Trident Juncture“, fanden nach Angaben von NATO-Diplomaten vor der Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991 statt. Damals gab es unter anderem noch die „Reforger“ abgekürzte Manöverreihe „Return of Forces to Germany“ (Rückkehr von Streitkräften nach Deutschland). An ihr waren bis zu 125.000 Soldaten beteiligt. Als das bisher größte NATO-Manöver nach dem Ende des Kalten Krieges gilt die Übung „Strong Resolve“ im Jahr 2002. Bei ihr waren rund 40.000 Soldaten im Einsatz.

Schweden und Finnland als Partnerländer dabei
Als Partnerländer der NATO sind bei „Trident Juncture 2018“ Schweden und Finnland mit dabei. Insgesamt werden neben mehr als 44.000 Soldaten derzeit etwa 130 Flugzeuge, 70 Schiffe und mehr als 10.000 Fahrzeuge erwartet. Für Gastgeber Norwegen ist die Übung mit enormem logistischem Aufwand verbunden. Die Streitkräfte rechnen zum Beispiel damit, dass 1,8 Millionen Mahlzeiten ausgegeben werden müssen und 660 Tonnen Schmutzwäsche anfallen.

 krone.at
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