Flugshow-Katastrophe

Als in Ramstein der Tod vom Himmel fiel

Ausland
28.08.2018 06:00

Volksfeststimmung herrschte am 28. August 1988 auf der deutschen US-Air-Base Ramstein. Hunderttausende waren gekommen, um die Flugshow zu sehen. Um 15.44 Uhr kam es zur Katastrophe: Drei Maschinen der italienischen Staffel kollidierten. Ein Jet stürzte in die Menge und tötete Dutzende Frauen, Männer und Kinder.

Seit den 1950er-Jahren hatten sich die Tore des US-Stützpunktes Ramstein bei Kaiserslautern einmal im Jahr für die Besucher geöffnet. Beim „Flugtag“ gab es amerikanisches Lebensgefühl für die Gäste aus den USA, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und aus Österreich. So auch an diesem Sonntag im August 1988. Höhepunkt der Veranstaltung waren die Flugvorführungen. Staffeln aus den USA und Europa zeigten ihr Können.

(Bild: AFP)

Als letztes starteten um 15.40 Uhr die zehn Flugzeuge der italienischen Frecce Tricolori. Vier Minuten später dann die Tragödie: Als der Pilot Ivo Nutarelli zwischen den übrigen neun Maschinen durchfliegen wollte, kollidierte er mit zwei Jets seiner Kameraden. Zwei Flugzeuge stürzten auf die Landebahn, das dritte aber raste direkt in die Zuschauermenge - weil das US-Militär und die deutschen Behörden das hochriskante Flugmanöver direkt in Richtung des Publikums genehmigt hatten.

Dutzende Tote, mehr als 1000 Verletzte
Beim Aufprall gab es einen infernalischen Feuerball - 31 Zuseher starben sofort. Mehr als 1000 Menschen erlitten Verbrennungen. Die US-Soldaten ließen zunächst keine deutschen Notärzte auf die Basis und transportierten Verletzte völlig unversorgt mit Bussen in umliegende Krankenhäuser ab. Dieses chaotische Vorgehen kostete Dutzende weitere Menschenleben. Insgesamt fanden neben den drei Piloten mindestens 68 Airshow-Besucher, darunter zwei ungeborene Babies und elf Kinder im Alter von fünf bis 17 Jahren, den Tod. Von den Überlebenden leiden Hunderte bis heute an den körperlichen und seelischen Folgen des Unglücks.

„In Österreich gehen wir auf Nummer sicher“
Die „Krone“ sprach mit Generalmajor Karl Gruber, Oberbefehlshaber der österreichischen Luftstreitkräfte. Er war Kommandant einer Helikopterstaffel des Bundesheeres und organisierte auch die Airpower.

„Krone“: Herr Generalmajor, Sie waren in Ramstein Augenzeuge. Wie haben Sie das Geschehen erlebt?
Karl Gruber: Ich war mit Freunden dort. Kurz vor der Vorführung der Italiener sind wir in Richtung Auto gegangen. Das hat uns das Leben gerettet, denn wir standen genau an der späteren Absturzstelle.

Karl Gruber, Kommandant der österreichischen Luftstreitkräfte (Bild: APA/HANS KLAUS TECHT)
Karl Gruber, Kommandant der österreichischen Luftstreitkräfte

Was geschah dann?
Wir saßen im Stau fest und sahen wie die Schwerverletzten abtransportiert wurden. Das war ein schrecklicher Anblick.

Sie haben mehrfach die Airpower in Zeltweg organisiert. Wie wird sichergestellt, dass sich eine solche Tragödie dort nicht ereignen kann?
Durch viele Maßnahmen. Das Überfliegen des Publikums ist verboten, der Sicherheitsabstand sehr groß. Jeder Pilot, der sich nicht an die Regeln hält, wird verwarnt oder erhält Flugverbot. Zudem haben wir ein ausgeklügeltes medizinisches Notfallkonzept mit fast 100 Notärzten und Sanitätern sowie Rettungsfahrzeugen.

Patrick Huber, Kronen Zeitung

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