Di, 25. September 2018

Tiroler verurteilt

13.08.2018 18:27

Toter wegen Sekundenschlaf: Gefängnisstrafe

Ein „beträchtlicher Aufmerksamkeitsfehler“ kostete einem Menschen das Leben, betonte die Richterin im Landesgericht Salzburg als sie die nicht rechtskräftige Haftstrafe aussprach: Drei Monate muss der Tiroler absitzen, der Rest auf Bewährung.

Der 20. Juni 2017 auf der B168 in Piesendorf. Ein sonniger Nachmittag. Der Angeklagte wollte seine Frau abholen, war damals komplett nüchtern. „Ich fühlte mich ganz gut.“  Mit 100 am Tacho geriet er in seinem schwarzen VW Tiguan in den Gegenverkehr, prallte mit der linken Front gegen den silbernen BMW eines Deutschen (42). Der Mann starb, seine Beifahrerin erlitt schwere Verletzungen. Der Todeslenker selbst aber nur eine Prellung. Ein dritter Lenker konnte nicht bremsen: Blechschaden.

Plötzlich ohnmächtig oder Sekundenschlaf?

Erinnern kann sich der Tiroler an den Crash nicht: „Ich bin nur gerade aus und dann hat es Knall gemacht.“ Nein, er habe auch nicht mit dem Handy oder dem Radio gespielt, antwortete er auf Nachfrage von Richterin Anna-Sophia Geisselhofer: „Können sie mir sonst erklären, warum sie 3,5 Sekunden reaktionslos auf der Gegenfahrbahn fuhren?“ Der Angestellte, der täglich fährt und noch nie einen Unfall hatte, verneint. Dass er vor der Kollision „nicht mehr aktiv das Lenkrad betätigte“, unterstrich Unfall-Experte Gerhard Kronreif.  Sein Verteidiger meinte, er könnte plötzlich ohnmächtig geworden sein. „Spontanes Eintreten einer völligen Absenz ist verkehrstechnisch nicht bekannt“, entgegnete Kronreif. „Höchst unwahrscheinlich“, meinte auch Neuro-Psychiaterin Gabriele Wörgötter: „Der Mann war vor und nach dem Unfall völlig gesund.“

Tiroler bat um Bedenkzeit

Für Staatsanwalt Mathias Haidinger stand damit fest: „Wenn der Angeklagte nicht ein medizinisches Phänomen ist, sagt er die Unwahrheit und war damals einfach nur müde.“ Sekundenschlaf, davon ging auch Frau Rat aus und verurteilte den Tiroler wegen grob fahrlässiger Tötung. „Weil ein Mensch tot ist und ein weiterer schwer verletzt wurde, war ein unbedingter Teil auszusprechen.“

Antonio Lovric
Antonio Lovric

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