Mi, 15. August 2018

Lynchjustiz in Türkei

27.07.2018 13:24

Versuchte Kindesentführung: Mob tötet Verdächtigen

Ein unfassbarer Fall von Lynchjustiz hat sich am Donnerstagabend in der Türkei ereignet. Ein aufgebrachter Mob tötete in Istanbul einen Mann, der versucht hatte, ein sechsjähriges Mädchen auf offener Straße zu entführen. Eine Gruppe von Anrainern stürzte sich auf ihn und prügelte laut Augenzeugen „lange Zeit“ auf ihn ein. Polizisten befreiten den Mann zwar, er starb aber an den Folgen seiner schweren Verletzungen auf dem Weg in ein Krankenhaus.

Auf Videoaufnahmen (siehe oben) ist zu sehen, wie wütende Männer versuchen, den angeblichen Täter noch aus den Händen der Polizisten zu reißen. Die einschreitenden Beamten tun sich schwer, den Verdächtigen abzuschirmen und ins Streifenauto zu eskortieren. Als sie es schließlich schaffen, wird das Auto belagert und kann nur sehr langsam davonfahren. Diese verlorene Zeit dürfte den Verhafteten schließlich das Leben gekostet haben.

Türkische Bevölkerung in Sorge
Selbstjustiz ist in der Türkei keine Seltenheit. Viele Türken sind derzeit besonders sensibel, was möglichen Kindesmissbrauch oder Entführungen angeht, denn seit Monaten laufen in den Medien besonders viele große Berichte über verschwundene und ermordete Kinder. Es ist allerdings nicht klar, ob die Zahl der Fälle gestiegen ist oder ob sich nur die Berichterstattung geändert hat.

Rufe nach Todesstrafe werden lauter
In einer Analyse der Online-Plattform Al-Monitor zum Thema heißt es, dass in der Türkei „Nachrichten über soziale Probleme“ mehr Gewicht bekämen, weil sie politisch wenig riskant seien. Die Regierung hat türkische Medien nach dem Putschversuch von 2016 weitgehend auf Linie gebracht. Kritische Stimmen werden verfolgt, wie Menschenrechtsaktivisten kritisieren. Die jüngsten Missbrauchs- und Entführungsfälle haben in der Bevölkerung Rufe nach der Todesstrafe wieder laut werden lassen.

 krone.at
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