Wettskandal

Ärzte und Köche sollten Spieler vergiften

Fußball
27.11.2009 08:16
Immer brisantere Ausmaße nimmt der europaweite Fußball-Wettskandal an. Nach Einsicht in die Ermittlungsunterlagen seines Mandanten Deniz C. sagte Rechtsanwalt Burkhard Benecken, dass es nach Erkenntnissen der Ermittler auch Einwirkungen auf Mannschaftsärzte und Köche von Luxushotels gegeben haben soll. Einzelne Spieler sollten "im Sinne russischer Methoden" sogar "vergiftet werden, damit diese für einzelne Partien ausfallen", sagte Benecken.

Laut Ermittlungsakten sei die Wettaffäre ein Fall für die Abteilung "Organisierte Kriminalität", da die Verdächtigen sich nicht wie andere Wett-Betrüger zuvor darauf beschränkt hätten, mit List und Täuschung vorzugehen. Das entscheidende Kriterium dieses weltweiten Netzwerks sei die Gewalt. Man schrecke nicht mehr davor zurück, Leute in Keller einzusperren oder Spieler zu betäuben. Es seien Geldflüsse von vielen Millionen Euro im Spiel, sodass auch Vermögenswerte verschleiert werden sollten.

Beneckens seit vergangenem Donnerstag in Untersuchungshaft sitzendem Mandanten wird erpresserischer Menschenraub und gewerbsmäßiger Bandenbetrug in acht Fällen vorgeworfen. Laut Ermittlungsakten soll der 30-Jährige eine der zentralen Figuren der europaweit tätigen Wettmafia sein. C. soll bei Manipulationen entscheidenden Druck ausgeübt haben.

Deniz C. wird darüber hinaus nach Aussage Beneckens zur Last gelegt, Rechtsanwälte von anderen Beschuldigten und Geschädigten bezahlt zu haben, damit diese keine oder eine gewünschte Aussage machen. C. soll mit sechs anderen Verdächtigen auf manipulierte Partien in der Schweiz, Belgien, Türkei, Slowenien und Kroatien gewettet haben. Dabei habe C. einen Gewinn von 990.275 Euro gemacht.

Größter Wettskandal der Fußball-Geschichte
Die Staatsanwaltschaft Bochum war Ende voriger Woche mit dem jüngsten Skandal um internationalen Wettbetrug im Fußball an die Öffentlichkeit gegangen: Neben Deutschland sind in Österreich (elf Spiele), Kroatien, Slowenien, der Türkei, Ungarn und Bosnien mehrere Begegnungen im Fokus der Ermittler. 17 Verdächtige in Deutschland, Großbritannien und der Schweiz wurden verhaftet. Ins Fadenkreuz geriet auch der albanische Verein Vlaznia Schkodra, Gegner von Rapid Wien in den EL-Qualifikationsspielen.

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(Bild: KMM)



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