Wettskandal

Zwei Büros und Privatwohnung in Graz durchsucht

Fußball
26.11.2009 15:27
Nach drei Hausdurchsuchungen beim Grazer Unternehmen "Runningball Sports Information GmbH" im Zusammenhang mit dem Fußball-Wettskandal hat der Geschäftsführer am Donnerstag erklärt, dass das Unternehmen nicht Gegenstand der Ermittlungen sei. Das beschlagnahmte Material diene lediglich zur Ausforschung von Dritten, so Gerhard Pittner, der jegliche Verwicklung in den Betrug abstreitet.

Pittners Rechtsanwalt Peter Bartl verweist auf die behördlichen Schriftstücke für die Hausdurchsuchungen im Büro der Runningball, in jenem von Pittner und dem Privathaus des zweiten Geschäftsführers Hans Thomas Gross, wonach sich das Verfahren bisher gegen drei Männer richte.

Pittner kenne keinen der drei Verdächtigen, zumal die Runningball sich nicht mit Wetten, sondern ausschließlich mit der Erhebung von Spieldaten befasse, die anschließend in Echtzeit an Buchmacher weitergeleitet werden. Rund 60 sogenannte Scouts seien damit in Graz beschäftigt.

"Manipulationen von Spielen sind gegen das Interesse der Runningball," versicherte der Geschäftsführer. Die korrekte Erfassung der Daten durch die Scouts werde mit mehreren Kontrollmechanismen gewährleistet. Zudem werde jedes Spiel per Video aufgezeichnet, wodurch eine Kontrolle der unmittelbaren Eingabe von zum Beispiel Gelben Karten oder Eckbällen jederzeit möglich sei. Der Grund, weshalb die Ermittlungen der deutschen Behörden in ihr Unternehmen geführt haben, sucht Pittner in den Kontakten zu den Buchmachern, die Runningball pflege.

Geschäftsführer spricht von Verwechslung
Der zweite Geschäftsführer Gross, der seine Funktion laut Pittner wegen umfangreichen Aufgaben bei der Mutterfirma in der Schweiz mit Ende Oktober zurücklegte, sei der "Kopf" des Unternehmens. Auf seine technischen Kenntnisse würde die Software zur Datenerfassung zurückgehen. Einem "Format"-Bericht zufolge soll einer der Verdächtigen intensive Geschäftsbeziehungen mit Gross gehabt haben. Telefonüberwachungsprotokolle würden dies belegen. Pittner schließt aus, dass Gross die Verdächtigen gekannt hat und in jeglichen Wettbetrug verwickelt sein könnte. Er spricht von einer Verwechslung.

Wolfgang Genser vom Landeskriminalamt war bei den Hausdurchsuchungen in Graz dabei und bestätigte, dass Gegenstände beschlagnahmt worden seien, unter anderem ein Computer sowie diverse "Schmierzettel". Die Beweisstücke seien an die Staatsanwaltschaft Bochum weitergeleitet worden. Ermittlungen gegen die beiden Geschäftsführer würden "noch nicht" geführt. Man müsse nun abwarten, wie die deutschen Behörden nach Auswertung der beschlagnahmten Beweise weiter vorgehen.

Die Runningball Sports Information GmbH ist eine Tochter der Schweizer Runningball AG. Insgesamt hat das Unternehmen rund 1.000 Scouts auf der ganzen Welt, die Spielinformationen erheben. Seit der Gründung 2007 hat die Firma mehr als 50.000 Spiele mit jeweils rund 1.000 einzelnen Daten erfasst. Monatlich beobachten die Scouts etwa 3.000 Spiele.

Größter Wettskandal der Fußball-Geschichte
Die Staatsanwaltschaft Bochum war Ende voriger Woche mit dem jüngsten Skandal um internationalen Wettbetrug im Fußball an die Öffentlichkeit gegangen: Neben Deutschland sind in Österreich (elf Spiele), Kroatien, Slowenien, der Türkei, Ungarn und Bosnien mehrere Begegnungen im Fokus der Ermittler. 17 Verdächtige in Deutschland, Großbritannien und der Schweiz wurden verhaftet. Ins Fadenkreuz geriet auch der albanische Verein Vlaznia Schkodra, Gegner von Rapid Wien in den EL-Qualifikationsspielen.

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(Bild: KMM)



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