So, 18. November 2018

Hunger und Gewalt

24.06.2018 07:00

Burundi: Ein Paradies, das zur Hölle wurde

In Burundi, dem fünftärmsten Land der Welt, hungern die Menschen zwischen grünen Feldern. Es herrschen Gewalt und Korruption. Auf den ersten Blick wirkt Burundi wie ein Paradies, alles grünt und gedeiht, Wasser ist reichlich vorhanden, die Landschaft gleicht Bildern in einem Urlaubsprospekt. Doch das kleine Land in Zentralafrika, das nur ein Drittel der Fläche Österreichs, aber elf Millionen Einwohner hat, ist der fünftärmste Staat der Welt. Das liegt vor allem an der korrupten und diktatorischen Regierung.

Die Kinder husten, ihre Augen starren ins Leere, kein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Viola Nkurunziza und ihre fünf Kinder sitzen in der trostlosen Hütte, die ihr Heim ist. Ohne Strom, ohne Wasser, nur mit zwei wackeligen Brettergestellen, die als Betten dienen. Die junge Frau musste einst vor kriegerischen Auseinandersetzungen in eine andere Provinz Burundis fliehen, dort verliebte sie sich in einen Soldaten, heiratete und bekam Kinder.

Vor zwei Jahren starb der Ehemann an einer Lungenentzündung. Viola Nkurunziza hat nun in der Hütte ihres Bruders Unterschlupf gefunden. Ihre älteste Tochter (15) geht seit dem Tod des Vaters nicht mehr zur Schule, als Tagelöhnerin am Bau erhält sie die Familie. Mehr schlecht als recht. Eine Perspektive oder Zukunftsträume hat sie nicht.

Ein Land in der Dauerkrise
Burundi steckt in der Dauerkrise, die Folgen des zwölfjährigen Bürgerkriegs sind noch allerorts zu spüren, die Wirtschaft kollabiert. Seit dem Jahr 2015 hat sich die Lage wieder zugespitzt. Denn die korrupte Regierung unter Präsident Pierre Nkurunziza verbreitet Angst und Schrecken, das Geld fließt in die eigene Tasche, die Bevölkerung geht leer aus. In den vergangenen Jahren sind rund 430.000 Menschen vor dem Terror ins Ausland geflohen.

Im Flüchtlingscamp Mahama im Nachbarstaat Ruanda leben mittlerweile 57.000 Menschen. Auch Midizeye Fides musste mit ihrer Familie aus der burundischen Hauptstadt Bujumbura fliehen. „Wir hatten ein gutes Leben, ich habe als Lehrerin gearbeitet, mein Mann war Manager im Krankenhaus. Doch überall gab es Neid und Hass, wir wurden denunziert, viele kamen ins Gefängnis, die Lage war instabil“, schildert die 40-Jährige. Zurück in ihre Heimat würde sie gern wieder, aber erst wenn es sicher sei. „Gehen wir jetzt zurück, werden wir getötet“, ist sie sich sicher.

Diktator in der Politik und auch im Fußball
Der Präsident und ehemalige Rebellenführer lässt sich mittlerweile „ewiger oberster Führer“ nennen. Was nicht passt, wird unter der burundischen Schreckensherrschaft schlicht passend gemacht. So hätte Nkurunziza 2015 nach zwei Amtszeiten eigentlich schon nicht mehr antreten dürfen, doch das scherte den Diktator wenig. Und am 17. Mai ließ er das Volk schließlich darüber abstimmen, ob die Verfassung so geändert werden sollte, damit er bis 2034 im Amt bleiben könne.

Die Regierung machte im Vorfeld des Referendums gewaltsam deutlich, welches Ergebnis man erwarte - und so kam es dann auch. Unter diesen Umständen ist das Ergebnis - nur 73 Prozent sprachen sich für eine weitere Festigung der Machtposition des Präsidenten aus - schon fast eine Rebellion. Nun will Nkurunziza aber angeblich im Jahr 2020 zurücktreten. Was davon zu halten ist, weiß niemand so recht.

Wie weit die Allmacht des Präsidenten und gleichzeitig die Angst der Bevölkerung vor ihm geht, zeigt sich auch im Fußball. Nkurunziza ist leidenschaftlicher Fußballer und kickt mit seinem Verein Halleluya FC im ganzen Land. Die Gegner wissen, wie sie sich zu verhalten haben, sie lassen dem prominenten Mittelstürmer meist viel Platz, sodass dieser ein Tor nach dem anderen schießen kann. Verhalten sich Spieler in den Augen des Präsidenten ungebührlich - also foulen sie ihn vielleicht einmal - wandern diese ins Gefängnis.

Mangelnde Bildung im streng gläubigen Land
Ein weiteres großes Problem Burundis, an dem die Regierung natürlich auch nicht unbeteiligt ist, ist die mangelnde Bildung. Es gibt lediglich eine Grundschulpflicht, doch auch diese wird oft nicht eingehalten. Familienplanung und Sexualität sind ein absolutes Tabu - mitverantwortlich dafür ist in dem streng gläubigen Land auch die katholische Kirche. Durchschnittlich bekommt eine Frau hier sechs Kinder. Längst ist erwiesen, dass es einen Zusammenhang zwischen der Bildung der Mädchen und der Geburtenrate gibt - je ungebildeter, desto mehr Kinder, die oft gar nicht ernährt werden können.

Die Hilfe kommt bei den Betroffenen an
Die Caritas unterstützt die Ärmsten der Armen. Etwa in einem Ernährungs- und Gesundheitszentrum sowie einem Waisenhaus in der Provinz Gitega. Die Kinder, die hierherkommen, sind meist keine echten Waisen, sondern weggelegte Kinder, auf der Straße oder in der Toilette entsorgt. Und so schlimm es klingt, das Waisenhaus ist das Beste, was ihnen passieren kann. Hier werden sie versorgt und erhalten eine Schulbildung.

Ein einfach klingendes, aber sehr wirksames Hilfsprojekt ist die Ziegenverteilung. Eine Ziege kann eine gesamte Familie ernähren - das Tier produziert Dünger, welcher die Felder fruchtbarer macht, der Nachwuchs wird verkauft. Nur das erste weibliche Kitz muss an eine Frau aus der anderen Ethnie verschenkt werden. So sollen die Ziegen zur Versöhnung zwischen den lange verfeindeten Hutus und Tutsis beitragen. Je nach Alter und Größe bringt ein Tier einen Erlös in der Höhe von rund 40 bis 50 Euro. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Jahreseinkommen liegt bei 200 US-Dollar. „Die Ausweitung der humanitären Hilfe ist notwendig. Die heimische Regierung kann mehr tun“, appelliert Caritas-Präsident Michael Landau. Die viel zitierte Hilfe vor Ort sei der große Schlüssel, nicht nur in Burundi.

Doris Vettermann & Klemens Groh (Fotos), Kronen Zeitung

Die Caritas bittet um Spenden:
Konto: BAWAG P.S.K.
IBAN: AT92 6000 0000 0770 0004
BIC: BAWAATWW
Kennwort: Hungerhilfe

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