Do, 16. August 2018

Mit Trockeneis

24.06.2018 07:00

New York macht seine Ratten kalt

Eine Schnauze und zwei kleine schwarze Augen blicken aus dem Erdloch heraus. Zu spät: Schon wird Trockeneis in den Rattentunnel geschaufelt und der Nager erstickt. Trockeneis - das ist die neuste Waffe der New Yorker Gesundheitsbehörden gegen die Rattenplage.

Gerade ist Schädlingsbekämpfung-Chef Rick Simeone mit seinem Team im Sara D. Roosevelt Park an der Lower East Side in Manhattan unterwegs. Am Vortag haben die Männer drei Stunden lang alle Eingänge zu den unterirdischen Höhlen der Nager ausfindig gemacht. 67 haben sie gefunden. Das bedeutet, dass mehr als 250 Rattus norvegicus, so der lateinische Name der Wanderratte, in dem Park zu Hause sind.

Loch für Loch arbeitet sich der Trupp voran und füllt es mit weißen Brocken, die wie Schneeklumpen aussehen. Es ist Trockeneis, Kohlenstoffdioxid in fester Form. Die Lufttemperatur sorgt dafür, dass sich die Brocken in Gas verwandeln, das in das Tunnelsystem der Nager eindringt. Die Ratten, die zu dieser Tageszeit gewöhnlich schlafen, ersticken. Erfolgsquote für die Schädlingsbekämpfer: 90 bis 100 Prozent. „Die Methode ist in Grünanlagen sehr effektiv“, sagt Simeone. „Sonst heißt es immer, dass die Ratten den Kampf gewinnen. Aber damit ist es andersherum.“

Zwei Millionen Ratten leben in New York
Laut einer Studie eines Doktoranden an der Columbia University gibt es in der 8,5-Millionen-Metropole etwa zwei Millionen Ratten. Die Nager überleben meist nur sechs bis sieben Monate in der Großstadt. Dennoch vermehren sie sich rasend schnell. Ein Weibchen kann pro Jahr bis zu hundert Junge zur Welt bringen.

2012 experimentierte der Schädlingsbekämpfer John Stellberger als erster mit Trockeneis gegen Ratten, seit Sommer vergangenen Jahres ist es in den USA offiziell zugelassen. Nach ausgiebigen Tests hat sich New York Anfang des Jahres entschlossen, genauso wie Boston, Chicago und Washington, die Methode anzuwenden.

Mistkübel bekommen nun Deckel
In New York ist die neue Methode aber nicht die Lösung für alle Rattenprobleme. Auf bebauten und zubetonierten Flächen sei es zu schwierig, die Rattenlöcher ausfindig zu machen, sagt Simeone. Im Juli stellte Bürgermeister Bill de Blasio einen 32 Millionen Dollar (27,6 Mio. Euro) teuren Plan gegen die Nagetiere vor. Der wichtigste Ansatzpunkt: Die Ratten vom Futter abschneiden. Mistkübel bekommen Deckel und sollen öfter geleert werden.

Robert Corrigan, Chef einer Firma für Schädlingsbekämpfung, bekannt als New Yorker „Rattenzar“, unterstützt den Plan. „Wenn ich viele Ratten in einem Wohnblock sehe, frage ich nicht: ,Wo soll ich das Gift ausbringen?‘ Sondern: ,Woher bekommen die Ratten ihr Futter?‘“, beschreibt Corrigan den neuen Ansatz. Oder wie es Simeone formuliert: Beseitige den Müll, dann brauchst du kein Gift.

 krone.at
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