So, 21. Oktober 2018

Am Ufer des Inns

12.06.2018 08:45

Streit am Strand: Gast baut sein eigenes Reich

In den Kranebitter Auen bei Innsbruck wird seit Jahren der Freikörperkultur gefrönt. Der Strandbereich am Ufer gehört zum öffentlichen Wassergut, ist für alle zugänglich und kann zur Erholung genützt werden. Was passiert aber, wenn Besucher den Wohlfühlfaktor ausbauen und sich ihr eigenes Reich schaffen? Die „Krone“ war vor Ort.

Im Sommer des vergangenen Jahres beobachteten Besucher des „Hawaii-Strandes“, wie das Inn-Ufer auch genannt wird, zum ersten Mal Veränderungen am Ufer. Ein bisschen Holz, ein paar Steine - nach und nach entstand eine Hütte. Vier Wände, ein Dach und eine kleine Tür. Idyllisch eingerahmt vom satten Grün der Bäume - mit Blick zum Inn.

Öffentliches Wassergut
Die Behörden wurden von anderen Inn-Besuchern informiert, denn der unbekannte Handwerker soll angeblich keine Gäste in „seinem“ Reich toleriert haben. Mitarbeiter des Landes Tirol kontrollierten die Lage und stoppten den Ausbau. Die Hütte musste sogar wieder abgebaut werden. „Das wurde auch sofort akzeptiert und umgesetzt“, schildert Alfred Weber, Verwalter des öffentlichen Wassergutes Tirol. „Wir haben den Mann außerdem aufgeklärt, dass er natürlich niemanden vom Platz verweisen darf - das ist öffentliches Gut und dort gilt gleiches Recht für alle.“

Aussage gegen Aussage
Der Handwerker selbst wies im Gespräch mit den Behörden jegliche Platzverweise zurück. Seine Bauten würden lediglich dem Sichtschutz dienen. Freikörperkultur mit Grenzen - aber ohne Mauern. Gleichzeitig berichtete ein anderer „Hawaii“-Besucher im Gespräch mit der „Krone“ von liegen gebliebenem Müll, rauen Tönen und gar einem „Wachhund“. Es stand also Aussage gegen Aussage.

Die „Krone“ begab sich mit Alfred Weber zum Lokalaugenschein. Was von der Hütte noch übrig ist, ist eine Art „Umkleide“-Kabine, die mit zwei zugedrückten Augen, stehen bleiben darf. Denn das verbaute Schwemmholz darf verwendet werden, solange es nicht gewerblich genützt wird. „Abholzen darf man natürlich nichts. Schon gar nicht im Naturschutzgebiet“, erklärt Weber.

Im Auftrag des Friedens
Die Besucher wirkten entspannt, Müll war keiner zu entdecken. „Ich habe den Eindruck, hier ist es sogar sauberer geworden“, so Weber. „Grundsätzlich sind alle Landes- und bundesrechtlichen Bestimmungen einzuhalten - Fakt ist, man darf auf einem öffentlichen Grund nicht bauen.“ Der kleine Holzbau zählt nun sozusagen zum Gemeingut - in und für die Öffentlichkeit. Die Behörden behalten den Ort aber im Auge, im Sinne der Rechtmäßigkeit - und für den allgemeinen Frieden.

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Tirol

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.