So, 21. Oktober 2018

Prozess in Innsbruck

12.04.2018 23:56

Höllenqualen für mehr als 150 Schafe und Ziegen

Ein sehr emotionaler Prozess rund um 150 zum Teil abgemagerte, verwahrloste und bereits verendete Schafe und Ziegen fand am Donnerstag am Innsbrucker Landesgericht statt. Ein Wipptaler (61), der den Tieren unnötige Qualen zugefügt haben soll, beschimpfte bereits vor der Verhandlung Zeugen als „Betrüger“. Zwei Polizisten wurden sicherheitshalber hinzugezogen. Der Mann wurde verurteilt.

Eine anonyme Anzeige vor gut einem Jahr brachte den Fall ins Rollen. Auf einer Hof- und einer angrenzenden Ziegenweide im Wipptal bot sich dem alarmierten Amtstierarzt dann offenbar ein Bild des Schreckens. Völlig abgemagerte Ziegen sowie Schafe mit viel zu langen Klauen waren auf der Weide oder im Stall zu finden - und mehrere verendete Tiere lagen im Gelände.

Hausmittel statt Tierarzt
„Die Ziegen hatten zwar dank eines Baches Wasser, aber kein Futter. Und sie waren aufgrund eines chronischen Durchfalls extrem abgemagert“, sagte der Amtstierarzt gestern als Zeuge. Anstatt aber einen Tierarzt zu rufen, setzte der Angeklagte auf sein altbewährtes Hausmittel mit Johannisöl.

Die Schafe hingegen wurden laut dem Veterinär zwar gefüttert, hatten aber trotz sommerlicher Temperaturen keinen Zugang zum Wasser. Außerdem wiesen einige Tiere bereits Lähmungserscheinungen auf, die auf die langen Stallklauen zurückzuführen waren.

Zeugen wüst beschimpft
Der Tierhalter, der die Schafen und Ziegen einige Monate zuvor von seinem Sohn übernommen hatte, war sich aber keiner Schuld bewusst. Im Gegenteil: Er sah sich als Opfer einer Intrige des Amtstierarztes, den er auch während der Verhandlung immer wieder wüst beschimpfte und beleidigte. „Von den Schafen waren die meisten in einem top Zustand. Leider passierte dann ein Missgeschick. Einige der Tiere erwischten zu viel Kraftfutter, überfraßen sich und starben - darunter fünf Vorzeigeschafe. Das hat mich mental mitgenommen“, meinte der Wipptaler. „Möglich, dass ich dann die anderen Tiere etwas vernachlässigt habe“, gestand der Mann dann doch noch.

Dass er dann wegen Tierquälerei aber zu 1440 Euro Geldstrafe verurteilt wurde, wollte der Wipptaler nicht wahrhaben. „Ich bekämpfe das Urteil!“

Samuel Thurner
Samuel Thurner

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Tirol

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.