Krone-Interview

Im Gespräch mit dem erfolgreichsten Kriminalisten Tirols

Tirol
25.10.2009 17:46
Am 1. Oktober ging mit Oberst Erwin Mayerl einer der profiliertesten und erfolgreichsten Kriminalisten Tirols in Pension. In einem Gespräch mit Werner Kriess von der Tiroler Krone schildert er, was ihn mit Stolz auf seine Karriere zurückblicken lässt. Aber auch jene Momente, die ihn schwer erschütterten.

"Krone": Ihre Karriere wird von vielen als absolute Bilderbuchlaufbahn angesehen. Sehen Sie es auch so?
Erwin Mayerl: Ja, zweifellos. Sie begann am 1. September 1969 mit dem Dienstantritt als Gendarm in Wörgl. Dank ständiger Weiterbildung kam ich dann zur Kriminalabteilung, wo ich 1985 zum stellvertretenden Leiter avancierte. Von 1995 bis 2005 war ich dann der Chef der Kriminalabteilung der Gendarmerie. Nach der Zusammenlegung von Gendarmerie und Polizei wechselte ich in eine Abteilung des Bundeskriminalamtes und leitete die Observation in Westösterreich bis zu meiner Pensionierung.

"Krone": War es für Sie keine Enttäuschung, dass Sie letztlich doch nicht zum Chef des neuen Landeskriminalamtes ernannt wurden?
Erwin Mayerl:
Anfangs schon etwas, aber das hat sich schnell gelegt. Denn die Leitung der Observationsgruppe, die ja ausschließlich im Hintergrund tätig ist, brachte viele neue Erfahrungen, für die ich sehr dankbar bin. Ich hatte viele internationale Kontakte, besonders mit unseren Nachbarländern Italien, Deutschland und der Schweiz, aber auch mit Holland und noch weiter entfernten Staaten. Und ich muss sagen, die Zusammenarbeit war immer hervorragend und führte auch zu vielen Erfolgen meiner Kollegen, die an der "Front" arbeiteten.

"Krone": Apropos Erfolge - welche würden Sie als ihre spektakulärsten bezeichnen?
Erwin Mayerl: Die stammen zweifellos aus der Zeit bei der Kriminalabteilung. Zum Beispiel die Verhaftung der Leitner-Bande 1992 aus Südtirol. Eine vierköpfige, schwerst bewaffnete Gang, wollte bei uns einen Geldtransporter überfallen. Es kam zu einer wilden Schießerei auf der Autobahn, bei der die Gangster mit Maschinenpistolen und wir mit Sturmgewehren feuerten. Die beiden Jeeps der Täter wurden von mehr als 400 Kugeln getroffen. Leitner selbst blieb mit einem Steckschuss im Hintern auf der Strecke. Von uns wurden glücklicherweise nur zwei Wagen im Kugelhagel beschädigt. Auch bei der Festnahme der Quatella-Gang, fünf Italienern, die in Volders die Raika überfallen hatten, kam es zu einer heftigen Schießerei. In beiden Fällen konnten aber alle Täter verhaftet und schließlich auch verurteilt werden.

"Krone": Was waren Ihre schockierendsten Fälle?
Erwin Mayerl: Zweifellos der Mord in Langkampfen, wo ein Vater seine Frau und vier Kinder geradezu hingemetzelt hatte. Die ganze Wohnung war blutverschmiert. Es war ein Anblick, den man nie vergessen kann. Und dann noch der Mord an dem kleinen Patrick in Münster, den wir tot in einem Kleiderschrank fanden. Das ging uns allen extrem nahe und war für alle ungeheuer belastend. Auch die Härtesten mussten dabei schon mehr als einige Male schlucken.

"Krone": In den 20 Jahren, die sie an der Spitze der Kriminalabteilung standen, war die Aufklärungsquote bei Bluttaten und Banküberfällen geradezu sensationell. Bei Morden in Ihrem Arbeitsbereich blieb überhaupt nur der an einem Hotelportier in Kitzbühel ungeklärt. Heute sieht die Bilanz Ihrer Nachfolger lange nicht so gut aus. Wie sehen Sie das?
Erwin Mayerl: Das möchte ich absolut nicht beurteilen. Denn man muss bedenken, dass sich die Kriminalität in der jüngsten Vergangenheit enorm verändert hat. Die Täter wurden immer internationaler, aggressiver und leider auch mobiler.

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