Böse Botschafter
So lästern britische Diplomaten über ihre Gastländer ab
Ob das britische Außenministerium diesen Schritt bereits bereut hat? Anlässlich einer BBC-Serie gab die Behörde Dokumente frei, die Botschafter in verschiedenen Ländern zum Ende ihres Dienstes verfasst haben. Die Berichte sind so manches, aber sicherlich nicht das, was man gemeinhin als "diplomatisch" bezeichnet. Rassismus, Beschimpfungen und Herabwürdigungen sind in den Schriftstücken keine Seltenheit.
"Die Minister hier in Kanada sind ziemlich merkwürdig"
Richtig in die Vollen geht beispielsweise Lord Moran, der 1984 seinen Posten in Kanada verließ, gleichzeitig in Pension ging und somit nicht mehr viel zu befürchten hatte. "Die kanadischen Politiker sind keine besonders großen Kaliber. Die meisten Minister sind unscheinbar, manche, offen gesagt, sogar ziemlich merkwürdig", beginnt er seine Tirade. "Aber die Politiker in Kanada passen aufeinander auf", so Moran und führt einige Beispiele von Vorteilsnahmen im Amt an, die alle Politiker nutzen - und die deswegen keiner enthüllt. "Selbst Minister, die nach krassem Fehlverhalten zurücktreten müssen, kommen nach kürzester Zeit wieder zurück", stellt Moran fest.
Auch für die Bürger des Landes hat der Diplomat keine guten Worte über. "Die Kanadier sind gemütliche Menschen. Hier gibt es keinen Konkurrenzkampf unter klugen Köpfen, deswegen suchen viele begabte Bürger ihr Glück in der Ferne. Dort gibt es für sie einfach mehr Möglichkeiten. Das führt dann dazu, dass in Kanada jeder, der nur etwas besser ist als der Durchschnitt - sei es im Theater, Skifahren oder worin auch immer - als Nationalheld gefeiert wird. Diese Leute werden dann in den Himmel gelobt und erhalten gleich einen Orden", ätzt der Diplomat in seinem Abschiedsschreiben.
"Unehrlich, unzuverlässig, gewalttätig, trunksüchtig"
Auch andere Länder bekommen in Berichten der britischen Botschafter ihr Fett weg, beispielsweise Nigeria. "Die politischen Führer entscheiden sich mit schlafwandlerischer Sicherheit immer für die Handlungsoption, die den Interessen des Landes am meisten schadet. Sie schneiden sich ins eigene Fleisch und tun anschließend so, als sei das ein besonders gutes Beispiel für Schönheitschirurgie gewesen", so David Hunt zum Abschied aus dem afrikanischen Land 1969.
Wenig nett auch das Schreiben von Roger Pinsent, der 1967 seinen Posten im mittelamerikanischen Nicaragua räumte. "Der durchschnittliche Nicaraguaner ist einer der unehrlichsten, unzuverlässigsten, gewalttätigsten und trunksüchtigsten Lateinamerikaner", schimpft der Diplomat in unverhohlenem Rassismus.
"Cocktailpartys sind tödlich langweilig"
Und auch für ihre eigenen Kollegen haben die Botschafter oft nur Verachtung übrig. "Wir hetzen abends von Partytermin zu Partytermin. Aber unter uns gesagt sind Cocktailpartys tödlich langweilig", so David Gore-Booth, der 1999 sein Amt als Botschafter in Indien abgab. Übrigens: Die Praxis der Abschlussberichte wurde vor drei Jahren beendet. Vielleicht ein ganz schlauer Schachzug des Ministeriums.











Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.