In 2 Spitälern tätig

Falscher Arzt bestellte Krebsmittel bei „Kollegin“

Jener Hochstapler und Betrüger, der - wie berichtet - mit gefälschten Zeugnissen als Famulant (medizinischer Praktikant, Anm.) in einem Linzer Spital fast im OP assistiert hätte, war äußerst umtriebig: Der 24-Jährige war zudem im LKH Vöcklabruck auf der Unfallstation tätig und täuschte Rettungsorganisationen. Erst eine echte Kollegin, von der er ein Krebsmedikament haben wollte, ließ den falschen Arzt auffliegen.

Der Hauptschulabsolvent (24) arbeitete zunächst ehrenamtlich für das Rote Kreuz am Attersee. „Er war wahnsinnig engagiert, man musste ihn direkt bremsen“, erinnert sich Hausarzt und Unfallchirurg Walter Titze aus Unterach im Interview (siehe unten).

Praktikum beim Roten Kreuz
Die Rettungssanitäterausbildung absolvierte der junge Mann mit Erfolg, machte ein mehrmonatiges Praktikum beim Roten Kreuz Vöcklabruck. „Es gab keinen Grund zur Beanstandung“, sagt Bezirksrettungschef Gerald Schuster. Als außerordentlicher Student begann der Mann im Herbst 2013 ein Medizinstudium in Graz, belegte aber nur ein Semester. In dieser Zeit bewarb er sich als medizinischer Praktikant im LKH Vöcklabruck, wo er im Februar 2014 drei Wochen lang auf der Unfallstation tätig war. „Als Famulant durfte er keine selbstständigen Tätigkeiten ausüben“, betont Gespag-Sprecherin Jutta Oberweger. Als er sich im Juni noch einmal bewarb, wurde er abgewiesen. „Wir haben erfahren, dass er in Graz nicht mehr studiert.“

Urkunden gefälscht
Während der Flüchtlingswelle 2015 bewarb er sich als freiwilliger Sanitäter im ehemaligen Linzer Postverteilerzentrum, wo Tausende Flüchtlinge betreut wurden. Dort wurde er angestellt. „Er war in der Ambulanz - aber einem Arzt unterstellt“, sagt Rotkreuz-Sprecher Christian Hartl. Damals bewarb er sich in der Bezirksstelle Linz-Stadt als Notfall-Sani, wo er eine gefälschte Urkunde vorlegte. Hartl: „Er wurde sofort suspendiert und gesperrt.“ Auch beim Samariterbund Feldkirchen an der Donau fuhr er nach Vorlage eines kopierten Zeugnisses als „Einschuler“ mit, brachte dann aber das Original nicht – der Schwindel flog auf.

In einem Linzer Spital wurde der 24-Jährige dank Fälschungen als Famulant aufgenommen. Als er sich bei einer Ärztin in Rohrbach als Kollege von Walter Titze ausgab und ein Krebsmittel verlangte, flog er auf - weil diese telefonisch bei Titze nachfragte.

„Nicht einsperren, sondern behandeln“
Allgemeinmediziner Walter Titze kennt den Verdächtigen seit vielen Jahren. Er will sich dafür einsetzten, dass er therapiert wird.

„Krone“: Wie konnte der Mann so viele Leute täuschen?
Walter Titze:
Er ist 1,90 Meter groß, hat eine eindrucksvolle Statur, ein selbstbewusstes Auftreten, ein schauspielerisches Talent. Durch den Sanitäterdienst verfügt er über medizinisches Hintergrundwissen. Er hat das nicht schlecht gemacht.

Das Ganze dürfte gröberen psychischen Problemen geschuldet sein.
Davon gehe ich ebenfalls aus. Ich bin daher der Ansicht, der Mann gehört nicht eingesperrt, sondern therapiert.

Jürgen Pachner
Jürgen Pachner

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