Sa, 23. Juni 2018

Weit über dem Schnitt

25.02.2018 06:45

Die Krankenstands-Kaiser bei den Graz-Linien

Die Zahl der Krankenstandstage pro Mitarbeiter ist bei den Graz-Linien doppelt(!) so hoch wie im österreichweiten Schnitt. Sogar in den Büros liegt man weit über dem Österreich-Durchschnitt. Betriebsrat und Führung der Graz-Linien liegen im Clinch – es geht unter anderem um Wunschurlaube der Öffi-Mitarbeiter.

Hier die bemerkenswerte Statistik:

24,63 Tage waren die Mitarbeiter der Graz-Linien 2017 im Schnitt im Krankenstand.

Nur bei 12,5 Tagen lag 2016 der österreichweite Schnitt (laut Statistik Austria). Bei den Krankenständen liegen die Graz-Linien seit 20 Jahren weit über diesem österreichischen Wert.

Bei den Bus- und Bimfahrern lag der Schnitt 2017 bei 23,58 Tagen, im Bereich Infrastruktur (Gleis-, Oberleitungsbau usw.) bei 23,55, in den Werkstätten bei 21,67 und bei Büromitarbeitern auch noch bei 19,55 bzw. 13 (Chefbüros) Tagen. Im Pool jener, die aus Krankheitsgründen keine Öffis mehr lenken dürfen (ca. 50 Mitarbeiter), waren es 53,55 Krankentage.

Für die Graz-Linien gab es dadurch allein im Vorjahr Zusatzkosten (Überstunden gesunder Mitarbeiter usw.) von 2,8 Millionen Euro.

Klage über Wunschurlaube und zu wenig Personal

Der Grazer SP-Chef Michael Ehmann und Holding-Betriebsrats-Boss Horst Schachner haben kürzlich „Gefahr im Verzug!“ gerufen – wir haben berichtet. Die beiden SPler klagen über Personalmangel bei den Graz-Linien, dass Mitarbeiter ihre Wunschurlaube nicht bekämen, dass Mitarbeiter krank arbeiten müssten usw. Sogar Streiks stehen im Raum.

„Auf dem Rücken der Mitarbeiter“

Die Graz-Linien-Vorstandsvorsitzende Barbara Muhr versteht diesen Alarmismus nicht: „80 Prozent der Wunschurlaube sind heuer genehmigt, das Personal wird etwas aufgestockt, wir bieten, davon kann sich gern jeder überzeugen, enorm viel Sozialleistungen. Wir haben 2017 sogar eine Arbeitsgruppe speziell für die Urlaube eingerichtet, gemeinsam mit unserem Betriebsrat.“

Muhr vermutet politische Beweggründe: „Heuer stehen bei uns Betriebsratswahlen an. Es ist schade, dass der Betriebsrat auf dem Rücken der Mitarbeiter Wahlkampf macht. Ich bin stolz auf unsere Mitarbeiter, die leisten täglich tolle Arbeit!“

Quasi-Pragmatisierung

Warum gibt es bei den Graz-Linien so enorm viele Krankenstände? Böse Zungen behaupten, das liege nicht zuletzt an den Definitivstellungen vieler Mitarbeiter, die dadurch praktisch unkündbar sind.

Von 950 Linien-Mitarbeitern (600 sind Bus- und Bimfahrer) sind aktuell 273 definitiv gestellt – bis 2022 sind es 403.

Diese Quasi-Pragmatisierung wurde zwar per 1. Jänner 2012 abgeschafft – wer zuvor eingestellt wurde bekommt die Definitivstellung nach zehn Jahren aber trotzdem.

Und: Offenbar steigt die Zahl der psychischen Erkrankungen der Mitarbeiter (Stichwort „Burnout“).

Muhr hat für die vielen Krankenstände keine Erklärung: „Ja, der Job bei den Graz-Linien ist hart, aber anderswo ja auch!“

Gerald Richter
Gerald Richter

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