Cocooning
Home, sweet home
Doch nur mit „Einfach-zu-Hause-Bleiben“ und es sich dort so richtig gemütlich machen ist dem Wieder-da-Trend „Cocooning“ bei Weitem nicht Genüge getan. Wie bei jedem „In-Trend“ gibt es einige Grundregeln und Must-Haves, wobei sich „Cocooning“ heute nicht mehr nur auf das Wohnen beschränkt.
Der Rückzug ins Privatleben beginnt bei der Haustüre, geht über die Küche, steuert Reisen und gesellschaftliche Kontakte, bestimmt richtiges „Chillen“ und endet bei der „Cocooning“-Internet-Partnersuche.
Am besten ist es doch zu Hause…
Partys bis in die frühen Morgenstunden? Nein, danke. Lieber ein gemütliches Essen in den eigenen vier Wänden oder ein guter DVD-Film. Trampen durch Asien? Viel zu gefährlich! Besser ein entspannender Urlaub auf Balkonien mit einem guten Buch. Mal einen Fallschirmsprung ausprobieren? Nur was für Lebensmüde! Nichts riskieren beim sanften Walking mit anschließender Entspannung im (natürlich hauseigenen!) Whirlpool…
Dank „Cocooning“ sind die noch gestern als Nesthocker, Spießer und Langweiler verpönten Zeitgenossen heute total angesagt! Denn mit dem Begriff „Cocooning“ bezeichnen Trendforscher die Tendenz, sich vermehrt, vor allem in Krisenzeiten, aus der Öffentlichkeit in das häusliche Privatleben zurückziehen.
Erstmal tauchte der Begriff, der aus dem Englischen für „verpuppen“ stammt und ein Stadium der Entwicklung von der Raupe bis zum Schmetterling bezeichnet, in der 80er-Jahren in den USA auf, als ihn die berühmte Trendforscherin Faith Popcorn verwendete. Allerdings war nur der Name neu, das Lebensgefühl selbst wurde vorher als „Cosy Home“ bezeichnet.
Der Aufschwung des „Cocooning“ kam ebenfalls aus den USA und zwar nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Nach einigen Aufs und Abs des auch rasch von der Konsumindustrie vereinnahmten Cocoonings verzeichnen Sozialpsychologen weltweit nach der Wirtschaftskrise eine starke Trendzunahme.
Naturgemäß spielt beim „Cocooning“ die Gestaltung des Zuhauses als sicheren und gemütlichen Rückzugsorts die „Schlüsselrolle“.
„Cocooning“-Einrichtungsregeln
Gefragt ist beim Cocooning nicht das teure und oftmals auch coole Durchstylen der Räume, sondern Gemütlichkeit und Wohlfühlen stehen ganz klar an oberster Stelle.
Das entlastet auch den Geldbeutel, denn nicht der Preis bestimmt das Ergebnis, sondern persönliche Vorlieben und gute Wohnideen.
Die wichtigste Grundregel: Wie es euch gefällt!
Erzeugt werden soll eine Atmosphäre der Vertrautheit, Geborgenheit und Sicherheit. Sanfte Farben an den Wänden, auch wieder Tapeten und viele Pflanzen sind angesagt. Schützende Ecken, superbequeme Kuschelsofas mit weichen Decken, kleine und große Sofakissen mit Fellbezügen oder in Samthüllen, viel Holz und Heizungen mit sichtbarem Feuer sind Eckpfeiler des Cocooning-Wohlfühlkonzeptes.
Stimmungsvolle Gemütlichkeitseffekte für wenig Geld lassen sich auch mit lichtdurchlässigen Schiebevorhängen in zartem Grün, Gelb oder Orange erzielen.
Einen ganz neuen Stellenwert bekommt auch der Essplatz, am besten gleich in der urigen Küche, denn Freunde einladen ist besser als ausgehen. Das Essen kommt nicht vom Italiener ums Eck, sondern wird am besten selbst gekocht. Und wer besonders punkten will, holt Großmutters Kochbuch aus der Schublade.
Teppiche sind gemütlich und stehen deshalb beim Cocooning-Wohntrend hoch im Kurs. Besonders gefragt sind hier die hochflorigen und kuscheligen Teppiche, die es in allen Mustern, Farben und Preisklassen in so gut wie allen Einrichtungshäusern gibt. Wenn man schon Geld investieren will, dann am besten in die Heimkino-Anlage und in das Home-Office.
Ganz wichtiges Wohn-Accessoires für den vor der Tür stehenden Herbst: Gedämpfte Leuchtkörper und viel Kerzenlicht in allen Varianten.
Rückzug oder Flucht?
Leider wird nicht aus jeder Raupe auch tatsächlich ein Schmetterling, und nicht jeder, der sich in seine vier Wände einigelt – so gemütlich sie auch sein mögen! – empfindet die erhoffte Entspannung und den Stressabbau.
Viele Sozialpsychologen warnen mittlerweile weltweit vor den Gefahren des Cocoonings: Soziale Vereinsamung, Abbau der Kontaktfähigkeit, weniger Engagement für die Gemeinschaft, mögliche Angstentwicklungen/-störungen gegenüber der „feindlichen“ Außenwelt.
Auch beim Cocooning gilt es daher, das rechte Maß zu finden und nicht zu übertreiben.
Übrigens auch beim Wohnen. Denn nur zu leicht kann aus der „super-gemütlichen“ Wohnung eine total überladene Wohnhöhle werden, die nicht entspannt, sondern geradezu erdrückt. Innenraumdesigner empfehlen daher, ganz bewusst nur einzelne, gemütliche Rückzugsecken in der Wohnung zu planen.







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