Bau-Abenteuer
Bauen zwischen Gletschern
Nicht nur mit den Naturgewalten heißt es da, fertig zu werden, sondern auch die Zielsetzungen an die neue Berghütte sind mehr als ambitioniert: Eine der größten und vor allem auch technisch sowie architektonisch herausragensten Berghütten soll gebaut werden. Und dabei soll natürlich auch die Bauökologie nicht zu kurz kommen.
Baustelle ohne Straßen, Wasser und Strom
Bauherr ist der Schweizer Alpenclub SAC, der mit der neuen Hütte den zahlreichen Wanderern und Skitourengehern wirklich etwas Besonderes – auch in punkto Komfort und Naturerlebnis – bieten will. Als Projektpartner wurde die international hoch angesehene ETH Zürich gewonnen, die nicht nur das innovative Projekt reizte, sondern auf dieser Extrem-Baustelle auch wertvolle bautechnische Erfahrungen sammeln möchte.
Die größte Herausforderung stellt natürlich der Bauplatz selbst dar: Ein Felsen inmitten des Monte-Rosa-Massivs in eisiger Kälte und enormen Windkräften ausgesetzt, kilometerweit entfernt von jeder Infrastruktur, ohne Straßen, ohne Elektrizität und auch ganz ohne Wasserversorgung.
Wie ein Bergkristall
Das Konzept für die neue Monte-Rosa-Hütte entstand unter der Leitung von Prof. Dr. Meinrad K. Eberele und Prof. Andrea Deplazes an der ETH Zürich. Für frischen Wind sorgten aber nicht nur die Stürme in den Bergwelten, sondern auch insgesamt 33 Studierende an der ETH, die sich im Rahmen ihres Studiums an der Konzeption und Planung beteiligten.
Das Ergebnis all dieser offenen Diskussionen und Konzepte kann sich sehen lassen. Aus all den Entwürfen entschied sich das Projektteam letztlich stimmig für einen "an einen Bergkristall erinnernden Entwurf“.
Für die Detailausarbeitung suchte man dann die Zusammenarbeit mit Fachleuten aus der Industrie, die zum Teil, so wie der Fensterproduzent „Velux“, auch gleich als Sponsor fungierten.
Das Haus als Kraftwerk
In der sensiblen Naturlandschaft, abgeschnitten von jeder Infrastruktur, muss sich das Gebäude selbst zum größten Teil mit Wasser und Energie versorgen können. Alles ist daher auf eine energetische Optimierung ausgerichtet. An der Südseite des Gebäudes wird eine 120 Quadratmeter große Photovoltaikanlage montiert, die über eine Speicherbatterie das Gebäude mit Strom versorgt. Ein 60 Quadratmeter großer thermischer Kollektor soll für ausreichend Warmwasser sorgen. „Alles in allem ist die Monte-Rosa-Hütte zu 90 % energieautark“, so Architekt Daniel Ladner. Die noch benötigten restlichen 10 % werden in einem Blockheizkraftwerk auf Basis von Rapsöl bereitgestellt. Die Klimatisierung erfolgt über eine automatisierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung. Bei der Fensterlösung wurde sowohl auf eine Nutzung der passiven Sonnenenergie als auch auf fantastische Panoramablicke auf das gewaltige Bergmassiv Wert gelegt.
Ein festes Fundament
Zur Abtragung der extremen Windlasten wird die Berghütte mit Hilfe einer kreisförmigen Stahlkonstruktion mit zentrisch liegenden Verstrebungen im Gestein verankert. Auf diese Stahlkonstruktion wird dann eine Holzkonstruktion montiert, die sich nach oben hin verjüngt. Um den Druck der Schneelast zu reduzieren, ist die Dachfläche deutlich geneigt.
Im Inneren des fünfstöckigen Gebäudes sieht man überall deutlich die gemütliche Holzriegelkonstruktion, die Außenhaut dagegen besteht aus rohem Aluminium, dahinter liegt eine 30cm dicke Dämmschicht. Optisches Highlight dieser Fassade: In ihr spiegeln sich das Bergmassiv und die vorüberziehenden Wolken wider. Neben der Form des Gebäudes ist es gerade diese Fassade, die das optische Erscheinungsbild eines Bergkristalls hervorrufen soll.
Mit Hubschrauber zur Baustelle
Mit der Fundierung der Neuen Monte-Rosa-Hütte wurde im Sommer 2008 begonnen; der Stahlkern ist bereits fix verankert. Erst im Mai dieses Jahres werden wegen des Schnees die Arbeiten wieder aufgenommen, die Fertigstellung ist für Herbst 2009 geplant.
Möglich ist diese kurze Bauzeit durch eine weitgehende Vorfertigung der einzelnen Bauelemente. So wurde etwa der Stahlkern im Tal geschweißt und dann per Hubschrauber zur Baustelle transportiert. Auch bei der Holzkonstruktion will man so verfahren. Bei der Entscheidung für die Holzkonstruktion spielten wohl auch Kostengründe eine Rolle: Ein Kubikmeter Beton für diese Baustelle kostet rund 2.170 Euro, bei einer „normalen“ Baustelle nur etwa 120 bis 150 Euro.
Der Bauherr „Schweizer Alpenclub SAC“ ist überzeugt, dass sich die Neue Berghütte als Sehenswürdigkeit der Alpen schon bald nach ihrer Fertigstellung als wahrer Publikumsmagnet erweisen wird.







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