Do, 16. August 2018

"Geliebter Führer"

16.02.2009 14:31

Kim lässt sich zum 67. Geburtstag feiern

Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-il ist zu seinem 67. Geburtstag am Montag mit Lobeshymnen der staatlichen Medien überschüttet worden. Die Parteizeitung "Rodong Sinmun" schrieb: "Genosse Kim Jong-il ist ein großer Politiker, ein im Himmel erzeugter Befehlshaber und ein liebevoller Vater, der das Schicksal unserer Nation und unseres Volkes sichert und erleuchtet." Die Feiern sind die ersten, seit Kim im Sommer des vergangenen Jahres offenbar einen Schlaganfall erlitten hat. Der Diktator selbst ist bei den Festlichkeiten nicht dabei.

Straßenzüge und Brücken in Pjöngjang waren mit der nach Kim benannten Nationalblume Kimjongilia geschmückt. Zu Ehren des seit 1994 regierenden Staatschefs fanden zahlreiche Veranstaltungen statt, darunter eine große Vorführung von Synchronschwimmern (Bild). "Die Schwimmer haben die grenzenlose Ergebenheit des Volkes gegenüber Kim Jong-il großartig veranschaulicht", schrieb die staatliche Nachrichtenagentur KCNA dazu.

Plateauschuhe, toupiertes Haar und Blouson-Anzüge
"Der Kommandant Kim Jong-il hat einen unzerbrechlichen Willen, Mut, herausragende strategische Intelligenz und beherrscht die Kunst der militärischen Führerschaft, die dem höchsten Kommandanten der Revolutionären Streitkräfte würdig ist", so beschreibt ein Text der offiziellen Website von Nordkorea ihren "geliebten Führer" Kim Jong-il zu seinem 67. Geburtstag. Wegen seiner Plateauschuhe, seinem toupierten Haar und den unmodischen Blouson-Anzügen wird der Machthaber des stalinistisch geführten Landes im Westen oft als Witzfigur abgetan.

Experten schätzen ihn allerdings als geschickt und rücksichtslos ein. Kim hat mit einer der größten Armeen Asiens, Gefangenenlagern für Kritiker und einem starken Personenkult seine Herrschaft in Nordkorea zementiert. Die Ausgaben für das Militär, auf das er sich stützt, haben trotz wiederholter Hungersnöte Vorrang.

Diktator seit Monaten von der Bildfläche verschwunden
Der Oberbefehlshaber der Koreanischen Volksarmee ist seit Monaten nicht mehr öffentlich aufgetreten, auch zu den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Staatsgründung im September 2008 war er nicht erschienen. Medienberichten zufolge hat Kim im August einen Gehirnschlag erlitten. Dies hatte die Sorge um die künftige Entwicklung des Staates verstärkt, da Kim bisher keinen seiner drei Söhne als Nachfolger aufgebaut hat.

Nordkorea weist diesbezügliche Meldungen als "Propaganda" zurück und veröffentlicht immer wieder undatierte Aufnahmen, die das Wohlbefinden Kims beweisen sollen."Ich habe vor Freude in die Hände geklatscht, als ich von Kims schlechter Gesundheit erfahren habe. Ich hoffe, dass er bald stirbt, und ich in meine Heimat zurückkehren kann", sagte ein Nordkoreaner, der jetzt im Süden des Landes lebt über den Staatschef.

Nach offizieller Darstellung soll bei Kims Geburt am 16. Februar 1942 in einem anti-japanischen Camp in Korea ein Stern und ein doppelter Regenbogen am Himmel erschienen sein. Nach Ansicht westlicher Experten wurde er dagegen in einem Trainingslager der sowjetischen Armee bei Chabarowsk in Sibirien geboren, wo sein Vater und Vorgänger, der "Ewige Präsident" Kim Il-sung, diente.

Schwedische Frauen, teurer Cognac und Hollywood-Filme
Vom Privatleben des 67-Jährigen weiß man nicht viel. Seine erste Ehefrau Sung Hye-rim, eine frühere Schauspielerin, hielt sich seit 1983 fast ständig in einer psychiatrischen Klinik in Moskau auf, bevor sie sich 1996 in den Westen absetzen konnte. Von ihr hat Kim den ältesten seiner drei Söhne, Jong-nam. Die Mutter der beiden jüngeren Söhne, Jong-chol und Jong-woon, ist die Konkubine Ko Yong-hi, die 2004 an Brustkrebs verstorben sein soll. 2006 soll Kim Jong-il eine Musikerin geheiratet haben. Der Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas gilt als Playboy und soll eine Vorliebe für schwedische Frauen, französischen Cognac und Hollywood-Filme haben.

Im Jahr 2005 erklärte sich das Land zur Atommacht und erzwang damit die "Sechs-Parteien-Gespräche" mit Südkorea, Japan, Russland, China und den USA. 2007 stimmte Kim im Gegenzug für Hilfslieferungen einem Verzicht auf das Atomprogramm zu, doch gerieten die Abrüstungsgespräche seitdem immer wieder ins Stocken. Anfang des Jahres hatte das Land angekündigt, die Beseitigung der Atomwaffen von der Auflösung des "atomaren Schutzschirms" der USA über Südkorea abhängig zu machen. Ende Jänner ließ Kim dann alle Vereinbarungen mit Südkorea für nichtig erklären, mit dem sich das Land formell immer noch im Kriegszustand befindet.

In ehemaliger DDR als "Wirtschaftsexperte" ausgebildet
Kim wurde in der ehemaligen DDR zunächst als "Wirtschaftsexperte" ausgebildet, bevor er 1964 ins Zentralkomitee in Pjöngjang aufgenommen wurde. Später wurde er Leiter der Propagandaabteilung der Partei. 1980 machte ihn sein Vater Kim Il Sung zur "Nummer Zwei". Kim hatte die Nachfolge seines Vaters 1997, drei Jahre nach dessen Tod, angetreten. Er übernahm jedoch nicht seine Ämter, sondern machte sich dessen Personenkult zu eigen und ließ den "Geist" des Übervaters weiterregieren. Lange war kein Nachfolger des "Vorsitzenden des Verteidigungskomitees" und "Generalsekretärs der Partei der Arbeit Nordkoreas" - so zwei seiner offiziellen Titel - in Sicht, nun soll er sich für seinen jüngsten Sohn, Kim Jong-woon, entschieden haben.

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