01.02.2009 18:16 |

Politik skeptisch

Harsche Kritik für Ernennung Wagners

Mit der Ernennung von Reinhard Maria Wagner zum neuen Linzer Weihbischof am Wochenende hat Rom harsche Kritik geerntet. Unzufriedenheit kam nicht nur aus kirchlichen Kreisen, auch die Politik zeigte sich skeptisch. Für ÖVP-Landeshauptmann Josef Pühringer habe Rom ein falsches Bild der Kirche in Oberösterreich.

Generaldechant Franz Wild fürchtet, dass durch die Ernennung von Wagner schwere Zeiten auf die Diözese zukommen werden. Er sei "erschüttert" über diese Entscheidung. Genau wie Wild stellt sich die Plattform "Wir sind Kirche" die Frage, wie jemand, der in vielen Fragen eine derart extreme Position einnehme, zu einer Einheit der Gläubigen beitragen soll. Rom würde mit dieser Entscheidung Spaltungstendenzen verstärken. "Wir sind Kirche" rechnet mit Widerstand der Gläubigen und Kirchenaustritten.

"Rom hat Macht bewiesen, nicht Gespür", lautete auch die Antwort der "Katholischen Aktion Oberösterreich" auf Wagners Ernennung. Rom hätte der oberösterreichischen Kirche keine Mitsprache ermöglicht. Diese sei ein Zeichen dafür, dass Rom die Anliegen der Ortskirche zu wenig ernst nehme. Ebenfalls nicht erfreut zeigten sich am Wochenende Walter Wimmer, Mitglied des bischöflichen Konsistoriums und Hans Padinger, Sprecher des Priesterrates.

Diözesanbischof appelliert an Kirchengemeinde
Diözesanbischof Ludwig Schwarz appellierte an die Kirchengemeinde, den neuen Bischof mit Offenheit aufzunehmen. Durch sein Studium in Rom sei er in der Theologie gut beheimatet, außerdem widme er sich mit großer Liebe vor allem Kindern und Jugendlichen. Er liebe die Kirche und diene mit Hingabe und Engagement. "Ich danke Gott und freue mich darüber, dass ich durch den Papst einen Weihbischof erhalten habe, der für mich und für die Diözese, wie ich es hoffe und wünsche, eine echte Hilfe sein wird."

Rom-treu, Potter-skeptisch
Der in Kirchenkreisen als absolut Rom-treu und erzkonservativ geltende 54-jährige Pfarrer von Windischgarsten wurde am 17. Juli 1954 als Sohn einer Arbeiterfamilie in Wartberg ob der Aist geboren und besuchte dort die Volksschule. Danach absolvierte er das "Collegium Petrinum", wo er 1972 maturierte. Anschließend studierte er in Linz und Rom Philosophie und Theologie. Seine Priesterweihe erfolgte am 10. Oktober 1978 in der italienischen Hauptstadt.

Von 1978 bis 1979 war Wagner Kaplan in Bad Zell, von 1979 bis 1984 in Bad Ischl. 1984 wurde er Kooperator in Marchtrenk und für ein weiteres Studium der katholischen Dogmatik in Rom freigestellt. Das Studium schloss er mit dem Doktorat der Theologie ab. Seit 1988 ist Wagner Pfarrer in Windischgarsten.

Eine der ersten kirchlichen Handy-User
Engagement konnte man ihm auch dort nicht absprechen. Wagner betrieb ein sehr aktives Pfarrblatt, auch das Internet nützte er rasch. Überhaupt ist der neue Weihbischof moderneren Kommunikationsmitteln nicht abgeneigt. Er war einer der ersten kirchlichen Handy-User Anfang der 90er-Jahre.

Satanismus-Vorwurf gegen "Harry Potter"
Überregional bekannt wurde der streitbare und diskussionsfreudige Geistliche erstmals im Jahr 2001, und schuld war Harry Potter. "Da ist Satanismus am Werk", vermutete Pfarrer Wagner nach der Lektüre eines Werkes der Reihe von Joanne Rowling. Lateinische Fluchsprüche, die keiner verstehe und die im Unterbewusstsein weiterwirkten, beängstigten den Wahl-Windischgarstner. "Da bedient man sich einer Sprache, die niemand versteht, weil man damit magische Kräfte mobilisieren möchte und nicht den liebenden Gott."

Seltsame Katrina-Theorien
Das nächste Mal sorgte Wagner für Aufsehen, als er recht seltsam anmutende Theorien zur Hurrikan Katrina-Katastrophe über das Pfarrblatt verkündete: "Es ist wohl kein Zufall, dass in New Orleans alle fünf Abtreibungskliniken sowie Nachtklubs zerstört wurden", formulierte der Pfarrer im Jahr 2005.

Der Verfasser fragt sich auch: "Ist die auffallende Häufung von Naturkatastrophen nur eine Folge der Umweltverschmutzung durch den Menschen, oder mehr noch die Folge einer 'geistigen Umweltverschmutzung.'" In die gleiche Stoßrichtung gehen seine Theorien zur Tsunami-Katastrophe. Es sei vermutlich kein Zufall, dass die Flutwelle zu Weihnachten aufgetreten sei, wenn die Leute aus dem reichen Westen ins arme Thailand flüchteten, um dort die Welt zu genießen, erklärte der neue Weihbischof dereinst als einfacher Pfarrer.

Konservativer Linzer Priesterkreis
Allzu liberale Aspekte sind von Wagner folgerichtig in Linz nicht zu erwarten. Er gehört zum konservativen Linzer Priesterkreis, der beständig Kritik an den liberalen Zuständen in der Diözese Linz unter Bischof Aichern geäußert hatte. Konservative Kurskorrekturen durch Bischof Schwarz hat Wagner begrüßt, etwa die Abschaffung der Taufe durch Laientheologen. Schon vor Jahren stellte er zur Rangordnung in der Kirche in einem Interview klar: "Der Priester soll Priester sein und der gläubige Laie gläubiger Laie." Die Bischofsweihe soll am vierten Fastensonntag, den 22. März um 15.00 Uhr im Linzer Mariendom stattfinden.

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