21.01.2009 17:21 |

Hello, Mr President!

Obamas erste Nacht als neuer US-Präsident

"Heute feiern wir - aber morgen wird gearbeitet!" Mit diesen Worten starteten Barack Obama und die neue First Lady Michelle am Dienstagabend nach der Angelobung des 47-Jährigen als 44. Präsident der Vereinigten Staaten in eine rauschende Ballnacht. Auf unglaublichen zehn offiziellen "Inauguration Balls" ließ sich das Paar zum Ehrentanz blicken - zu Obamas offiziellem "Neighbourhood Ball" mit Staraufgebot durften sogar "normale Bürger". Bei der "Inauguration" des neuen Präsidenten war Obama zuvor eine Welle der Sympathie entgegengeströmt.

Der Präsident trug als Abendgarderobe zum dunklen Anzug eine weiße Fliege, Michelle Obama beeindruckte mit einem traumhaften elfenbeinfarbenen Seiden-Chiffon-Kleid des jungen New Yorker Designers Jason Wu. Das Besondere: Die nur auf einer Schulter gehaltene Robe war über und über mit Kristallen des Tiroler Glitzersteine-Erzeugers Swarovski besetzt. Die neue First Lady hatte damit ihrem Ruf als neue Fashion-Ikone mit Stil, die besonders auf junge - und bis dato meist unbekannte - Designer wie Wu oder Thakoon Panichgul setzt, alle Ehre gemacht.

Beim ersten Tanz des Abends am "Neighbourhood Ball" des Präsidenten, bei dem im Grunde jeder "normale Bürger" aus der Washingtoner "Nachbarschaft" des Präsidenten Zutritt hatte, wurde das Paar von der Sängerin Beyoncé Knowles mit dem Etta-James-Klassiker "At Last" begleitet. Schauspieler Denzel Washington bat das "First Couple" auf die Bühne (siehe Video in der Infobox). Viele Künstler, die auch schon am Sonntag beim Konzert am "Lincoln Memorial" auftraten, sangen beim Präsidentenball, der mehr einem Party-Event glich. Mary J. Blidge, Mariah Carey, Stevie Wonder, Sting, Shakira und sogar Rüpel-Rocker Kid Rock traten auf. Obama und seine Frau küssten sich innig und strahlten bis über beide Ohren. "Sehen Sie sich meine Frau an - ist sie nicht wunderschön?", fragte Obama bei seiner Ansprache auf dem Ball und erntete Riesenapplaus. Auch Vizepräsident Joe Biden und Ehefrau Jill tanzten und schmusten vor den Kameras.

Danach ging's auf unglaubliche neun weitere, mit ziemlicher Sicherheit weniger Party-hafte Bälle, bei denen die Obamas Botschaftern, Senatoren, Kongressabgeordneten und anderen politischen Persönlichkeiten die Ehre erwiesen.

Das war Obamas Amtseinführung
Mit der Vereidigung von Barack Obama als 44. Präsident hat am Dienstagnachmittag in Washington ein neues Kapitel in der Geschichte der USA begonnen. Vor dem Präsidenten des Obersten Gerichtshofs, John Roberts, sagte Obama - aber erst nachdem der Richter ihm den Satz im zweiten Anlauf richtig vorgesagt hatte (siehe Infobox): "Ich gelobe feierlich, dass ich das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten getreulich verwalten und die Verfassung der Vereinigten Staaten nach besten Kräften erhalten, schützen und verteidigen will." In seiner mitreißenden Antrittsrede sagte Obama: "An diesem Tag kommen wir zusammen, denn wir haben die Hoffnung über die Angst gestellt, das gemeinsame Ziel über Uneinigkeit und Zwietracht."

Der in der Verfassung verankerten Eidesformel fügte Obama wie seine Vorgänger den religiösen Zusatz hinzu: "So wahr mir Gott helfe." Bei der Vereidigung legte der 47-Jährige die Hand auf die Bibel seines Amtsvorgängers Abraham Lincoln, der 1863 die Abschaffung der Sklaverei verkündet hatte. Danach stimmte Obama die Amerikaner in einer kraftvollen und mitreißenden Rede angesichts der Kriege in Afghanistan und im Irak und der Wirtschaftskrise auf schwere Zeiten ein. Dennoch ließ er keinen Zweifel daran, dass die Amerikaner die Herausforderungen meistern werden.

"Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind ernsthaft, und sie sind zahlreich", sagte der neue US-Präsident. "Sie werden nicht leicht oder kurzfristig zu meistern sein. Aber wisse, Amerika: Wir werden sie meistern." Zugleich appellierte Obama an die Werte der Gründerväter der Nation. "Die Herausforderungen sind vielleicht neu, auch die Mittel mit denen wir ihnen begegnen, sind vielleicht neu. Aber die Werte, auf denen unser Erfolg fußt - harte Arbeit und Ehrlichkeit, Mut und Fair Play, Toleranz und Neugier, Loyalität und Patriotismus - diese Werte sind alt. Diese Werte sind wahr."

Obamas flammende Antrittsrede im Wortlaut findest du in der Infobox - ein Video mit Ausschnitten der Rede gibt's auf krone.tv.

Börsenkurse stürzten nach Antrittsrede ab
Während die Amerikaner Obamas Antrittsrede am Dienstag eindeutig positiv beurteilten, nahm die Wirtschaft sie weniger gut an. Die US-Börsen - später auch die Aktienmärkte in Asien - weiteten unmittelbar nach der Rede ihre Verluste stärker aus. Die Börsianer an der Wall Street verfolgten die Amtseinführung gespannt auf ihren Bildschirmen: "Die entscheidende Frage ist jetzt, was Obama nun genau zur Rettung der Konjunktur unternimmt - und wie schnell", sagte ein Händler auf dem Parkett in New York.

Der Dow-Jones-Index fiel am Dienstag um 332,13 Punkte oder 4,01 Prozent auf 7.949,09 - den niedrigsten Stand seit dem 20. November. Der Indexverlust war der größte seit dem 1. Dezember und auch der höchste, der je an einem Tag der Amtseinführung eines Präsidenten registriert wurde. Noch tiefer stürzte der Index der Hi-Tech-Börse Nasdaq, der 88,47 Punkte oder 5,78 Prozent auf 1.440,86 verlor. Obama hat in seiner Antrittsrede auf die Risiken der Wertpapiermärkte hingewiesen, als er sagte, "dass der Markt ohne ein wachsames Auge außer Kontrolle geraten kann". 

Ob der Rekordsturz an den Börsen tatsächlich so stark mit Obama zu tun hat, kann aber nicht mit Sicherheit gesagt werden. Vergleichszzahlen für eine derartige Wirtschaftskrise verbunden mit einem Amtswechsel in den USA gibt es im Grunde nicht.

Unter dem Eindruck massiver Existenzsorgen bei internationalen Banken fielen aber auch die Kurse in Asien. Trotz aller Hoffnungen, die auf Obama ruhten, seien Investoren derzeit der Ansicht, dass der neue Präsident kurzfristig wenig tun könne, um der Welt zu helfen, sagte Kirby Daley von Newedge Group in Hongkong. In Japan schloss der Nikkei-Index mit einem Minus von 2 Prozent auf 7.901 Zähler. Auch an den Aktienmärkten in Hongkong, Singapur, India und Südkorea zeigten die Kurse nach unten.

Der Ausverkauf von Bankaktien nahm indes seinen Fortgang: State Street Corp. stürzten am Dienstag um 59 Prozent ab, Citigroup fielen um 20 Prozent und die Papiere der Bank of America verloren 29 Prozent. Die besonders massiv unter Druck stehende Royal Bank of Scotland, die am Dienstag allein einen Jahresverlust von 31 Milliarden meldete, büßte in New York 69 Prozent ihres Wertes ein. Damit wurde ein großer Teil der Erholung wieder aufgezehrt, den die Börse vom 20. November bis 6. Jänner erlebte.

Hunderttausende Menschen bei Zeremonie
An der Vereidigungs-Zeremonie vor dem Westflügel des Kapitols in Washington und an der anschließenden Parade nahmen mehrere Hunderttausend Menschen teil, die Washington in eine unvergleichliche Partyzone verwandelten.

Viele hatten sich schon in der Nacht auf Dienstag auf den Weg gemacht. Die National Mall - eine drei Kilometer lange Parkanlage zwischen Kapitol und Lincoln-Denkmal - füllte sich zum Sonnenaufgang mit Tausenden Menschen. Insgesamt waren bis zu zwei Millionen Besucher in Washington. Damit wurde der bisherige Rekord von 1,2 Millionen Schaulustigen übertroffen, die bei der Amtseinführung von Lyndon B. Johnson 1965 gezählt wurden.

Die Bewohner der Region, in der mehrere Millionen Menschen leben, mussten erhebliche Beeinträchtigungen in Kauf nehmen. Alle Brücken vom Nachbarstaat Virginia stadteinwärts wurden für den Autoverkehr gesperrt und ein Großteil der Innenstadt zur Sicherheitszone erklärt. Zwei U-Bahnhöfe an der National Mall waren die meiste Zeit geschlossen. Das größte Spektakel, das die US-Hauptstadt mit ihren rund 600.000 Einwohnern je gesehen hat, sicherten mehr als 40.000 Soldaten und Polizisten.

Tradition ist wieder da: Obama ging letzte Meter zu Fuß
Der neue US-Präsident hatte seine Fans nach der Angelobung übrigens mit der Aufnahme einer traditionellen, volksnahen Geste überrascht, die Ex-Präsident Bush am Beginn seiner zweiten Amtszeit aus Angst vor Demonstranten als einer der wenigen Präsidenten in der US-Geschichte ausfallen ließ: Auf halbem Weg zwischen Kapitol und Weißem Haus ließ Obama seine Wagenkolonne anhalten, um den Weg zu Fuß fortzusetzen. Begleitet vom tosenden Applaus der Zuschauer ging der neue Präsident einige Minuten Hand in Hand mit seiner Frau Michelle die Pennsylvania Avenue entlang, ehe sie den Rest des Wegs wieder in nd Kaffeetratsch läuteten Angelobungstag ein
Für Obama und seinen Stellvertreter Joe Biden begann der Tag mit einem Gottesdienst in der anglikanischen Kirche St. John's, in der schon jeder Präsident seit dem vierten Staatsoberhaupt James Madison betete. Danach besuchten die Politiker den bisherigen Präsidenten Bush im Weißen Haus, wo Obama und Biden sowie ihre Frauen zur traditionellen Kaffeestunde empfangen wurden. Bush verließ Washington nach der Amtseinführung Obamas, bei der er laut Gesetz dabeisein musste, per Hubschrauber und flog vom Luftwaffenstützpunkt Andrews weiter nach Texas.

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