AIDS verheimlicht

Ersturteil: Haftstrafe für ungeschützte Liebe

Steiermark
21.11.2008 16:57
Während zwei ehemalige Rockmusiker im "Mega-Drogen-Prozess" am Donnerstag in Graz freigesprochen wurden (siehe Storyende), fasste ein Grazer als Ersturteil acht Monate unbedingte Haft aus. Der 39-Jährige hatte ungeschützt mit einer Frau geschlafen - und verschwiegen, dass er HIV-positiv ist. Der Angeklagte geht in Berufung.

Natürlich ist es hart, wenn man plötzlich erfährt, dass man an AIDS erkrankt ist. "Keine Ahnung, wie und von wem ich angesteckt wurde", sagt der 39-Jährige. Frühpensionist ist er seither. Aber keiner sollte es erfahren. Nicht einmal die Frau, mit der er ungeschützt verkehrte. "Sauerei", wettert der Richter.

Für sie (29) war es Liebe - und die empfindet sie auch jetzt noch. "Es stimmt schon", sagt die Frau zum Grazer Richter Erik Nauta leise, "was er getan hat, war ein großer Vertrauensbruch - aber ich mag ihn halt noch immer. Wenn er aus der Haft entlassen wird, bleibe ich seine Partnerin." Menschliche Größe oder Leichtsinn? "Kinder will ich ja keine", sagt sie, "und in Zukunft gibt's nur noch Kondome." Die hat es nicht gegeben, als man sich nach kurzer Bekanntschaft erstmals liebte.

"Soll ich meine Krankheit öffentlich hinausschreien?"
Der Angeklagte beantwortet die Frage des Richters nach dem "Warum" mit einer Gegenfrage: "Soll ich meine Krankheit öffentlich hinausschreien?" Und fügt dann hinzu: "Wenn man es Frauen sagt, dann laufen die doch davon." Und: "Ich wollte sie ja taktisch vorbereiten, aber dann ist's halt passiert."

Frau nicht infiziert
Angesteckt hat er sie zum Glück nicht. Es hätte aber anders kommen können. "Bei AIDS geht es um eine extrem gefährliche Krankheit, mit der man verantwortungsvoller umgehen sollte", sagt der Richter.

Ersturteil: acht Monate unbedingte Haft
"Man darf einen Partner nicht benutzen, um seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Warum haben Sie kein Kondom verwendet?" Schulterzucken, "tut mir ja leid". Urteil: acht Monate unbedingt, nicht rechtskräftig. Berufung!

Freisprüche nach Marathon-Drogen-Prozess
Vier Jahre hat es gedauert, bis die Justiz feststellte, dass zwei steirische Ex-Rockmusiker für Drogentransporte nach Kanada missbraucht worden waren. Mit Plattenverträgen über den Atlantik gelockt, hatten sie als Gefälligkeit drei Koffer für die Einfädlerin des Deals mitgenommen. Inhalt: 60.000 Ecstasy-Pillen. Am Mittwoch gab's in Graz Freisprüche für die Musiker, die von Anwalt Gerald Ruhri verteidigt wurden. Die Frau ("ich hab's aus Liebe für einen kanadischen Freund getan") erhielt 20 Monate bedingt.

von Werner Kopacka, "Steirerkrone" und steirerkrone.at
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