Mo, 20. August 2018

Mumien-Geschäft

06.11.2003 17:09

US-Firma macht Mensch und Maus zur Mumie

Was Nofretete recht war, ist Donna Gray billig. Sie will zur Mumie werden. 60 Jahre alt ist die Amerikanerin und hat damit noch ein ganzes Weilchen Zeit. Aber die Vorbereitungen laufen schon. Gray hat ihre Lebensversicherung einer Firma überschrieben, die im Gegenzug ihren Körper haltbar für die Ewigkeit machen soll.
Summum Mummification heißt das in SaltLake City ansässige Unternehmen, das diesen nach eigenenAngaben weltweit einzigartigen Mumien-Service anbietet. Insgesamtrund 1.400 Menschen haben sich bereits angemeldet, und wie derFirmengründer und -leiter Corky Ra erklärt, ist dieKundschaft international. Sie alle zahlen zu ihren Lebzeiten monatlicheBeiträge für eine Lebensversicherung, deren Nutznießereines Tages Summum sein wird.
 
Sarkophage aus purem Gold
Der Wert der Policen liegt, wie Ra erläutert,zwischen 75.000 und 2,5 Millionen Dollar. Die Kosten pro Mumifizierungbeziffert er auf ein Minimum von 100.000 Dollar - unter Einschlussder einfachsten Ausführung einer "Mummiform", das heißt,eines schlichten bronzenen Sarkophags, und des Kaufs eines Mausoleum-oder Gruftplatzes auf einem Friedhof. Aber das Ganze kann Ra zufolgenoch viel teurer werden, wenn der Sarkophag exklusiv fürden Kunden angefertigt wird - ein Dienst, den Summum ebenfallsanbietet. Wie er berichtet, gibt es Mumien-Anwärter, diesich ihre künftige Behausung mit Gold und Juwelen verzierenund damit mehrere Millionen Dollar kosten lassen.
 
Hollywood-Stars wollen Mumien werden
Und sich das auch leisten können: Nach Summumseigenen Angaben haben neben gewöhnlichen Sterblichen mehrereHollywood-Größen, Politiker und Sportstars Verträgezur Mumifizierung abgeschlossen. Football-Spieler hättenden Wunsch geäußert, sich in athletischer Pose konservierenzu lassen, und ein Talk-Master wolle in alle Ewigkeit ein Mikrofonin seiner Hand halten. Und die Hollywood- Stars? "Das verrateich nicht", sagt Ra. "Dann wüssten Sie genau, um wen es sichhandelt."
 
Ra wurde spirituell erleuchtet
Ra hieß einst Nowell mit Nachnamen und warfrüher einmal - unter anderem - Aerobic-Lehrer, reisenderVertreter, Mormonen-Missionar und Besitzer der ersten Weinkellereiim puritanischen Utah. Nach der Arbeit, so schildert er, pflegteer die Meditation und erlebte eines Tages sein "persönlichesspirituelles Erwachen", eine "Begegnung mit den Geheimnissen derSchöpfung". Als Folge wuchs sein Interesse an der Mumifizierungim Sinne der alten ägyptischen Tradition in dem Glauben,dass die Seele eines Tages in den Körper zurückkehrenwerde.
 
Zum ägyptisch klingenden Ra geworden, begannder heute 59-jährige 1980 in Anlehnung an die antiken Mumifizierungsmethodenmit der Entwicklung eines eigenen Rezeptes, das er nach eigenenAngaben bis 1990 perfektionierte und mehrfach patentieren ließ.Unterstützt wurde und wird er weiterhin von John Chew, demfrüheren Leiter der Abteilung für Leichenkonservierungan der Lynn University in Boca Raton, Florida.
 
Noch hat kein Kunde das Zeitliche gesegnet
Die ganze Sache hat nur einen Haken: Niemand vonSummums zahlender Kundschaft hat bisher das Zeitliche gesegnet.Die Mumien-Anwärter stecken im Schnitt in den noch rechtknackigen Vierzigern. Eine ganze Reihe der Klienten sei sogargerade erst Anfang oder Mitte 20, erzählt Ra. Was ihm zufolgeauch schon etwas aussagt über die Motive für das künftigeMumien-Dasein. Viele Kunden, zumal die Jüngeren, hieltensich im Leben fit und in Form und wollten ihre Körper auchnach dem Ableben "möglichst frisch" erhalten. Andere schrecktenganz einfach vor den herkömmlichen Bestattungsmethoden -Beerdigung oder Krematorium - zurück, und wiederum andereglaubten wie die alten Ägypter an eine Rückkehr derSeele in den Körper.
 
Auch Mäuse, Hunde und Katzenm unterden Kunden
Sind alle Kunden auch noch wohlauf, haben Ra &Co ihre Methode immerhin schon an 30 Toten ausprobieren können."Freunde und Gönner stellten ihre Körper großzügigzur Verfügung", sagt Ra. Darüber hinaus hat Summum bereitsfast 5.000 Tiere konserviert - vom kleinen Fink über dieHaus-Maus bis zum Dobermann. So leistet denn auch die längstverblichene Katze "Oscar" ihrem Herrchen Ra noch heute Gesellschaft- in Bronze gegossen und fit für die Ewigkeit.

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