Mo, 20. August 2018

Vier Kinder tot

27.10.2008 21:29

US-Soldaten töten in syrischem Dorf Terrorchef

Aus Hubschraubern abgesprungene US-Soldaten haben amtlichen syrischen Medien zufolge am Sonntag in einem Dorf an der Grenze zum Irak acht Zivilisten getötet. Wie das staatliche Fernsehen und die Nachrichtenagentur SANA berichteten, verletzten vier US-Hubschrauber gegen 16.45 Uhr Ortszeit den syrischen Luftraum. Die Soldaten griffen demnach ein im Bau befindliches ziviles Gebäude an, schossen auf die Bauarbeiter und töteten acht Menschen. Anschließend hätten die Helikopter Syrien in Richtung Irak verlassen. Ein US-Regierungsvertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte, bestätigte am Montag den Angriff, Moskau verurteilte den Vorfall scharf.

Der syrische Privatfernsehsender Al-Dunia hatte zuvor berichtet, bei dem Angriff auf das Dorf Al-Sukkariya in der Region Abu Kamal seien neun Zivilisten getötet und weitere 14 verletzt worden. Laut SANA wurde der amerikanische Geschäftsträger in Damaskus ins Außenministerium zitiert, um ihm den Protest Syriens gegen den Angriff zu übermitteln.

Vier Kinder unter den Toten
SANA meldete weiter, bei den Opfern handele es sich um Bauarbeiter und die Ehefrau eines Wächters. Ein Arzt in einer nahe gelegenen Klinik hatte zunächst erklärt, es seien sieben Leichen und vier Verletzte in die Klinik gebracht worden, auch vier Kinder seien unter den Toten. "Syrien verurteilt diese Aggression und macht die amerikanischen Streitkräfte für diese Aggression und alle Folgen verantwortlich", hieß es in einer Erklärung der Regierung. Die irakische Regierung wurde aufgefordert, sie müsse verhindern, dass ihr Territorium für Angriffe auf Syrien genutzt werde.

Terrorchef Ziel des US-Angriffes
Bei dem Angriff auf das Dorf haben die USA nach Angaben der eigenen Terrorabwehr den Chef einer Organisation getötet, die ausländische Kämpfer, Waffen und Geld in den benachbarten Irak geschmuggelt hat. Ziel des Angriffs sei das Haus von Abu Ghadjah gewesen, erklärte ein Mitglied der US-Terrorabwehr am Montag in Washington.

Ghadjahs Gruppierung sei die wichtigste Zelle ausländischer Kämpfer gewesen, die den Irak seit der US-Invasion von 2003 mit Anschlägen überzogen hätten. Der Mitarbeiter wollte namentlich nicht genannt werden. Syrien bleibe das wichtigste Einfallstor für Kämpfer aus arabischen Ländern, Nordafrika und andere Selbstmordattentäter und Bombenbauer, hieß es weiter.

Irakische Regierung rechtfertigt sich
Auch der Sprecher der irakischen Regierung, Ali al-Dabbagh, erklärte am Montag, der Angriff habe Aufständischen gegolten, die für grenzüberschreitende Attacken verantwortlich seien. In dem betroffenen Gebiet gebe es Aktivitäten terroristischer Gruppen, die von Syrien aus gegen den Irak operierten. Zuletzt hätten diese Gruppen 13 Polizeirekruten in einem irakischen Grenzdorf getötet. Der Irak habe Syrien aufgefordert, die Täter auszuliefern. Dabbagh machte keine Angaben darüber, wer den Angriff auf syrischem Gebiet ausgeführt hat.

Ehemalige Hochburg der Aufständischen
Das betroffene Gebiet befindet sich nahe der irakischen Grenzstadt Qaim, die als Transitgebiet für Kämpfer, Waffen und Geld für die sunnitischen Aufständischen gilt. Im April 2005 hatten diese die Stadt vorübergehend unter ihre Kontrolle gebracht. Derzeit gilt das Gebiet als "sicher", nachdem sich die Stammesführer in der Provinz Al-Anbar Ende 2006 mit den USA im Kampf gegen die Al-Kaida verbündet hatten.

Die US-Regierung wirft der syrischen Führung unter Präsident Bashar al-Assad seit Jahren vor, sie erlaube Terroristen, über ihre Grenze in den Irak einzudringen. Nach Angaben der irakischen Regierung bemüht sich Syrien jedoch seit einigen Monaten, den Zustrom von Extremisten in das Nachbarland zu unterbinden. Am Donnerstag hatte der Kommandant der US-Truppen im Westirak, Generalmajor John Kelly, angekündigt, dass die Maßnahmen zur Sicherung der syrischen Grenze verstärkt werden sollten. Von dort gelangten immer noch zahlreiche Aufständische in den Irak, sagte Kelly.

Moskau verurteilt US-Angriff scharf
Russland hat den tödlichen Angriff einer mutmaßlichen US-Spezialeinheit in Syrien scharf verurteilt. Unter dem "Motto des Anti-Terror-Kampfes" dürften keine Territorien souveräner Staaten angegriffen werden, sagte der Sprecher des russischen Außenministeriums, Andrej Nesterenko, am Montag nach Angaben der Agentur Interfax. Moskau habe den Angriff mit "großer Besorgnis" zur Kenntnis genommen. 

Solche einseitigen Gewaltakte würden die Spannungen in der Region gefährlich schüren. Syrien hatte die Schuld an dem Angriff nahe der irakischen Grenze, bei dem am Sonntag mindestens sieben Zivilisten starben, den USA zugewiesen. Russland und Syrien verbindet eine militärische Zusammenarbeit.

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