Di, 21. August 2018

Keine Schuld

10.10.2008 19:10

Freispruch für St. Pöltner Stadtgärtner

Einen Freispruch hat es am Freitag am Landesgericht St. Pölten für einen Gärtner der Stadt gegeben, dem die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit einem Verkehrsunfall durch einen umstürzenden Baum fahrlässige Tötung und Körperverletzung unter besonders gefährlichen Umständen vorgeworfen hatte. Der 44-Jährige sei nicht für die Baumkontrolle verantwortlich gewesen, begründete Einzelrichterin Andrea Humer das - nicht rechtskräftige - Urteil.

Der Beschuldigte erledige seine Arbeit gewissenhaft, er habe nicht fahrlässig gehandelt, sondern faktisch sorgfältig kontrolliert. Bei visueller Kontrolle der vitalen Pappel sei die durch den inneren Hohlraum beeinträchtigte Statik des Baumes nicht zu erkennen gewesen. Außerdem verwies Humer darauf, dass das Unglück am 1. März während des Sturmtiefs "Emma" passierte. Vor den orkanartigen Stürmen sei im Radio Tage zuvor und dann halbstündlich gewarnt worden, es wurde geraten, Autofahrten zu vermeiden. Die Privatbeteiligten wurden mit ihren Ansprüchen auf den Zivilrechtsweg verwiesen. Staatsanwältin Christiane Burkheiser gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.

Beschuldigter kein Baumkontrolleur
Der beim Stadtgartenamt der NÖ Landeshauptstadt als Partieführer beschäftigte Beschuldigte hatte sich eingangs nicht schuldig erklärt. Die Staatsanwaltschaft suche ein "Bauernopfer" und wolle seinen Mandanten zum verantwortlichen Gärtner machen, sprach Verteidiger Andreas Reichenbach von einem Elementarereignis mit furchtbaren Folgen. Der Beschuldigte sei nie als Baumkontrolleur beauftragt gewesen. Die Pyramidenpappel, die schon stärkere Stürme überstanden habe, sei vital gewesen und habe frisch ausgetrieben. Das bestätigte auch der von der Stadt bestellte Baumprüfer, der die Beweissicherung nach dem Unfall durchführte. Für Gutachter Eberhard Nossek hingegen war der Baum - "hohl wie eine Bassgeige" - eine "Gefahr im Verzug". Kontroversiell war auch die Sicht der beiden Experten, dass ein Klopftest das gezeigt hätte.

Eine Tote und mehrere Verletzte
Der Baum war am 1. März 2008 während des über Österreich hinwegfegenden orkanartigen Sturmtiefs "Emma" in der Josefstraße in zwei Teile gebrochen und auf zwei Pkw gestürzt. Drei  Insassen eines Cabrios erlitten u.a. schwere Kopfverletzungen, die Freundin des Lenkers starb. Der Lenker eines zweiten Fahrzeugs kam mit leichten Blessuren davon.

Baum nicht im Kataster erfasst
Die Pyramidenpappel gehörte zu jenem Fünftel des Baumbestandes im öffentlichen Gut, das noch nicht im seit 2002 mit Alleebäumen bzw. Bäumen an Hauptverkehrsadern begonnenen Baumkataster erfasst war - dies deshalb, weil der Baum zurückversetzt deutlich entfernt von der Straße stand. 9.300 Bäume von geschätzten 12.000 in St. Pölten sind bereits erfasst und werden Ö-Norm-gemäß jährlichen Sichtkontrollen unterzogen, die dem Prüfer zufolge alle Kriterien berücksichtigen und ausreichend sind. Der Unglücksbaum wäre in der letzten Tranche heuer dran gewesen, in den Kataster aufgenommen zu werden.

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