Luft im Passivhaus

Frischluft mit System

Wohnkrone News
01.08.2008 11:47
Energie vernünftig einsetzen und einsparen, wo immer es auch geht. Das ist derzeit oberstes Gebot für Hausbauer. Und dementsprechend boomt auch die Passivhaus-Bauweise europaweit kräftig. Allerdings nicht allen künftigen Bauherrn ganz geheuer sind die mit einem Passivhaus verbundenen Lüftungssysteme. Denn kräftig Energie sparen und trotzdem rundum wohl fühlen – geht das überhaupt?

Als „passiv“ werden Häuser bezeichnet, bei denen der überwiegende Teil des Wärmebedarfs aus „passiven“ Quellen, wie etwa Sonneneinstrahlung oder abgegebene Wärme von Personen und technischen Geräten, abgedeckt wird. Als Resultat darf man sich dann über einen besonders niedrigen Energieverbrauch und entsprechend niedrige Kosten freuen. Um auch die Lüftungswärmeverluste zu begrenzen, benötigen Passivhäuser eine kontrollierte Wohnraumlüftung.

Mindestens ebenso wichtig wie Energie zu sparen ist natürlich auch, dass man sich in den Innenräumen rund um die Uhr so richtig wohl fühlt. Und dieses Wohlbefinden in geschlossenen Räumen wird im Alltag durch eine Reihe ganz unterschiedlicher Faktoren bestimmt. Und: So gut das Image der Passivhäuser, was Energieverbrauch betrifft, so skeptisch viele Stimmen, was das Wohnklima dann im Alltag betrifft. 

Die Luftqualität macht es aus
Spricht man von einem guten Wohlfühlklima, dann dreht sich bei Passivhäusern meist alles um die thermische Raumqualität. Was aber heißt "Wohlfühlen" denn genau? Kann man das denn überhaupt für alle Bewohner in etwa gleich definieren? Ja, sagen Wissenschaft und Wohnexperten. Denn unabhängig von persönlichen, subjektiven Empfindungen gibt es messbare Daten zu einem Raum-Wohlfühlklima.

So haben z. B. deutsche Passivhaus-Experten festgestellt, dass die thermische Behaglichkeit in Innenräumen im Wesentlichen durch folgende Faktoren geprägt ist: Lufttemperatur, Wärmestrahlung der umgebenden Bauteile, Luftgeschwindigkeit und relative Feuchtigkeit der Luft. Das Produkt all dieser Faktoren ist dann letztendlich dafür verantwortlich, ob Behaglichkeit vorliegt - oder eben nicht.

Kurz gesagt: Alles hängt an der "guten Luft"! In diesem Zusammenhang spielt dann die mechanische Wohnraumlüftung eine große Rolle. Ihr Einbau trägt nach dem Konzept des Passivhauses viel zu einem ausgeglichenen thermischen Raumklima bei.

Frische Luft rund um die Uhr
Allgemein werden Ab- und Zuluftsysteme mit Wärmerückgewinnung heute als „Komfortlüftung“ bezeichnet. Sichergestellt werden soll nicht nur ein angenehmes, sondern auch  ein hygienisch einwandfreies Innenraumklima. Etwa alle 1 bis 4 Stunden wird die Luft im Haus ausgetauscht. Bei diesen geringen Luftvolumenströmen sind weder Luftbewegung, Zugluft noch Geräusche wahrnehmbar. Die frische, gefilterte und vorgewärmte Zugluft wird den Wohn- und Schlafräumen zugeführt, gelangt von dort durch „Überstromöffnungen“ (z. B. in bzw. über den Türen oder mittels unterschnittener Türblätter) in die Flure und wird dann in Küchen, Bädern und WCs wieder abgesaugt. Von dort geht die Abluft durch Kanäle zum Wärmeüberträger und schließlich als „Fortluft“ nach draußen.

„Herzstück“ einer solchen Lüftungsanlage ist die Wärmerückgewinnung mit einem Gegenstrom-Wärmeüberträger. Die Abluft gibt darin 80 bis 95 Prozent ihrer überschüssigen Wärme wieder an die Zuluft zurück, ohne mit dieser vermischt zu werden. Im normalen Betrieb (ohne Heizung) braucht eine solche Anlage für ein Einfamilienhaus ca. 40 bis 50 Watt.

„Gesiebte Luft“ wie im Knast oder gesundes Wohlfühlklima?
Die Vorteile eines solchen Systems liegen auf der Hand: Immer frische Luft und zwar auch nachts und im Winter, unangenehme Gerüche (selbst der hartnäckige Zigarettenrauch!) machen sich erst gar nicht breit und Allergiker können gleich einmal ganz besonders tief durchatmen. Denn die Lüftungsanlagen sind meist mit Filtern versehen, die nicht nur wirksam Staub, Schmutz und Pilzsporen abwehren, sondern auf Wunsch auch mit Spezialfiltern gegen Pollengräser und dergleichen mehr ausgestattet werden können. Fenster öffnen ist bei den Lüftungsanlagen nicht mehr erforderlich.

Und gerade an diesem Punkt scheiden sich die Geister: Denn recht häufig hört man noch immer, dass Fensteröffnen geradezu verboten ist und sich so bei den Bewohnern über kurz oder lang das Gefühl des „Eingesperrtseins“ einstellt. Und obwohl von Fachleuten immer wieder beteuert wird, dass zum einen die Luft durch geöffnete Fenster viel mehr Schmutz und Schadstoffe ins Haus bringt als die „gereinigte Lüftungs-Frischluft“ und zum anderen Fenster auch durchaus nach Lust, Laune und – psychischem - Bedarf aufgerissen werden können, hat gerade dieser Punkt viel zum negativen Image solcher Lüftungssysteme beigetragen.

Zumindest solange man es nicht in der Praxis erprobt. Denn einschlägige Fachstudien aus Deutschland belegten eindeutig den Wohlfühl-Faktor von Komfortlüftungen. Entschied man sich zunächst aus energetischen Gründen für den Einbau, so bewerteten die meisten Nutzer bereits nach einigen Betriebsmonaten den gesteigerten Wohnkomfort deutlich höher als die verringerten Energiekosten. Vor allem die gesteigerte Luftqualität, das Fehlen jeglicher störender Zugererscheinungen und ein angenehmes Temperaturempfinden wurden besonders hervorgehoben.

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