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26.09.2016 - 02:18
Foto: APA/dpa-Zentralbild/Rico Loeb

Schaulustige bejubeln Brand einer Asylunterkunft

21.02.2016, 16:18

Nachdem erst am Donnerstagabend eine fremdenfeindliche Kundgebung vor einem Flüchtlingsheim in der ostdeutschen Ortschaft Clausnitz eskaliert war, ist es in der Nacht auf Sonntag ebenfalls in Sachsen zu einem ähnlichen Vorfall gekommen: Als in einer geplanten Asylunterkunft in der Stadt Bautzen Feuer ausbrach, versammelten sich 20 bis 30 Schaulustige vor dem brennenden Gebäude, klatschten Beifall, riefen rechte Parolen und behinderten noch dazu die Feuerwehrleute bei ihrer Arbeit.

Das Feuer brach um halb vier Uhr nachts im ehemaligen Hotel Husarenhof am Käthe- Kollwitz- Platz in Bautzen aus. Demnächst hätten dort rund 300 Asylwerber untergebracht werden sollen. Die Ursache des Brandes ist noch nicht restlos geklärt, es dürfte sich aber um Brandstiftung handeln, denn Ermittler haben am Sonntagnachmittag Spuren von Brandbeschleunigern entdeckt. Dazu passt auch die Aussage des ehemaligen Betreibers des Hotels, der bis vor drei Wochen selbst in dem Gebäude wohnte und sich laut "Hamburger Morgenpost" nicht vorstellen kann, dass es sich um einen technischen Defekt handelt .

Fest steht jedenfalls, dass die Bautzener Berufsfeuerwehr mit 70 Mann ausrückte, um den Brand zu löschen. Stundenlang bekämpften die Einsatzkräfte die Flammen, die immer wieder vom Wind entfacht wurden, und konnten ein Übergreifen des Feuers auf benachbarte Häuser verhindern. Verletzt wurde bei dem Inferno niemand.

Foto: APA/dpa-Zentralbild/Rico Loeb

"Unverhohlene Freude" bei betrunkenen Schaulustigen

Wie die "Bild" berichtet, schließt die Polizei Brandstiftung und einen fremdenfeindlichen Hintergrund des Vorfalls nicht aus, man ermittle aber "in alle Richtungen".  Im Polizeibericht ist auch die Rede davon, dass sich mehrere Anrainer und betrunkene Schaulustige vor Ort versammelten. "Manche kommentierten das Brandgeschehen mit abfälligen Bemerkungen und unverhohlener Freude", steht in der Mitteilung.

Gegen einen 19- jährigen und zwei 20- jährige Einheimische musste die Polizei Platzverbote aussprechen, weil sie die Arbeit der Feuerwehr massiv behindert hatten. Die beiden 20- Jährigen mussten schließlich sogar festgenommen werden, weil sie sich gegen die Platzverweise wehrten.

Foto: APA/dpa/Christian Essler

Entsetzte Reaktionen aus der Politik

Ein Augenzeuge erzählte, dass viele Leute applaudiert hätten und grölten, "'es macht gar nichts, dass das abfackelt'. Außerdem riefen sie, dass das so besser sei, als wenn dort Asylwerber reinziehen würden." Auch der Bürgermeister von Bautzen, Alexander Ahrens, ist entsetzt und sagte: "Es ist widerwärtig, dass Schaulustige die Feuerwehrleute anpöbelten und behinderten." Und Sachsens Innenminister Markus Ulbig erklärte: "Es ist unerträglich, wie offen und respektlos der Hass auf Ausländer zur Schau getragen wird."

Hässliche Szenen in Clausnitz

Erst am Donnerstag musste die Polizei in Sachsen eine komplette Eskalation verhindern, als in Clausnitz - ebenfalls in Sachsen - zahlreiche wütende Anrainer eines Flüchtlingsheimes einen Tumult auslösten, weil in einem Bus neue Bewohner zu ihrer Unterkunft gebracht worden waren. Nach ihrem umstrittenen Einsatz hat die Polizei mehreren Flüchtlingen eine Mitschuld für die Eskalation gegeben.  Sie hätten aus dem Bus heraus gefilmt und mit eindeutigen Gesten die fremdenfeindlichen Demonstranten provoziert, sagte der Chemnitzer Polizeipräsident. Deshalb seien drei Flüchtlinge von der Polizei gewaltsam aus dem Bus geholt worden.

Unterkunft für Asylwerber in Clausnitz
Foto: APA/AFP/dpa/HENDRIK SCHMIDT

Nach diesem Zwischenfall zeigte sich Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich entsetzt: "Das sind keine Menschen, die so was tun. Das sind Verbrecher. Widerlich und abscheulich ist das", sagte der CDU- Politiker. Die Strafverfolgungsbehörden würden konsequent ermitteln und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen, so der Ministerpräsident. Auch bezüglich der Vorfälle in Bautzen war Tillich "schockiert".

Deutschlands Innenminister Thomas de Maiziere sprach von "inakzeptablen Vorfällen". "In Deutschland darf jeder seine Ängste und Sorgen äußern - das gilt auch für politische Meinungen, die einem nicht gefallen", so der CDU- Politiker am Sonntag in Berlin. "Aber es gibt eine Schwelle des Anstands und des Rechts, die nicht überschritten werden darf - und bei den Geschehnissen in Sachsen wurden diese Schwellen deutlich überschritten."

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21.02.2016, 16:18
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