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23.09.2017 - 14:28
Foto: APA/Osterfestspiele Salzburg/Ruth Waltz / "Krone"

Skandal rund um Osterfestspiele: Bericht liegt vor

06.12.2010, 09:26
Vor zehn Monaten flog die Millionen-Affäre bei den Salzburger Osterfestspielen auf – und nach monatelangen Ermittlungen hat die Polizei ihren "Abschlussbericht" beim Staatsanwalt abgeliefert. Auf 28 Seiten haben die Kriminalisten ihre Ergebnisse zusammengefasst. Zehn Beschuldigte gibt es in diesem Skandal, aber im Visier der Ermittler stehen vor allem der frühere Festspiel-Chef Michael Dewitte und Technik-Experte Klaus K. Ihnen werfen die Fahnder vor, dass sie sich "unrechtmäßig bereichert haben" und empfehlen die "Abschöpfung" ihres Vermögens – doch da dürfte wenig zu holen sein…

Die Kriminalisten Manfred Thrainer, Hans- Jörg Födermayr und Gerhard Rosegger beginnen ihren Bericht an den Staatsanwalt mit einem Paukenschlag: Gleich zu Beginn des 28- seitigen Reports mit der Aktenzahl B5/3235/2010 listen sie die Delikte auf, um die es im Skandal bei den Osterfestspielen geht: Verdacht auf Untreue, schweren gewerbsmäßigen Betrug (jeweils 50.000 Euro übersteigend), Förderungsmissbrauch, Verdacht der unregelmäßigen Bereicherung und "Anregung auf Abschöpfung" (Faksimile).

Monatelang haben die Fahnder recherchiert. Und sie bestätigen die schon bekannten Vorwürfe gegen den gefeuerten früheren Festival- Boss Michael Dewitte: Der smarte Belgier kassierte zwischen Dezember 1997 und Dezember 2009 runde 744.000 Euro mehr, als ihm laut Vertrag zugestanden wären. Davon "rund 628.000 Euro für Osterfestspielpauschalen, Extrapauschalen und Provisionen vertragswidrig und ohne Rechtsgrundlage".

Provisionsgenehmigung vorgetäuscht?

Dabei soll Dewitte auch trickreich gearbeitet haben: Seit 2003 ließ er sich fünf Prozent Provision auszahlen von allen Beträgen, die großzügige Sponsoren dem Festival stifteten – das brachte ihm bis 2009 genau 265.364,84  Euro ein. Offizielle Genehmigung für die Provision gab es offenbar keine: Anwalt A., der am Festival beteiligt war, wäre einverstanden gewesen – aber nur, wenn auch das Land zustimmt. Ex- LH Franz Schausberger als Zeuge: "Wir haben dem nie zugestimmt." Aber Dewitte ließ sich vom (gar nicht zuständigen) damaligen Präsidialchef eine Bestätigung geben und gaukelte damit dem Festival ein Okay zu den Provisionen vor. "Es besteht der dringende Verdacht", dass Dewitte dieses Papier "vorsätzlich" unterschreiben ließ, um "eine Authentizität" vorzutäuschen und damit kassieren zu können, schreiben die Ermittler in ihrem Abschlussbericht.

Konto trotz enormer Einkünfte "die meiste Zeit im Minus"

Trotz der enormen Zusatz- Einkünfte war das Ehepaar Dewitte (auch Gattin Yvette werkte bei den Osterfestspielen) chronisch in Geldnot. Ihr Konto war "die meiste Zeit im Minus" – aber ihre Ausgaben wickelten sie "meist über vorerst drei, dann vier verschiedene Kreditkarten" ab. Sie stiegen laut Ermittlungsbericht durchwegs in Hotels der besten Kategorie ab, rechneten Flugreisen, Tanken, Konsumationen und auch den Kauf von Kunstgegenständen auf diesem Weg ab. Und leisteten sich im November 2009 sogar noch eine teure Schiffsreise.

Die Ermittler vermuten, dass auch die Bank getäuscht wurde, die den Dewittes den Kauf eines Hauses in Elsbethen finanzierte. Dem legte der inzwischen 44- Jährige auch noch eine Bestätigung vor, dass er als Geschäftsführer des "Karajan- Institutes" ein weiteres, fixes Einkommen hatte – was aber nicht stimmte. Ohne das Darlehen, das Dewitte durch diese falsche Bestätigung bekam, wäre aber "die Finanzierung sowie der Umbau und die Einrichtung der Liegenschaft der Familie Dewitte in Elsbethen in Frage gestanden", heißt es dazu trocken im Bericht.

Die Kriminalisten prüften auch die Finanzen von Klaus K., dem früheren Technik- Direktor der Sommer- Festspiele. Auch er wurde gefeuert – weil er jahrelang trotz ausdrücklichen Verbotes nebenbei fürs Osterfestival gearbeitet hatte. Von Juli 1999 bis Jänner 2010 machten seine Honorare 1,960.838,90 Euro aus – neben seinem normalen Gehalt bei den Festspielen, das zuletzt etwa 70.000 Euro netto jährlich betrug. Was die Ermittlungen in seinem Fall erschwerte: Seit 2004 ließ Klaus K. intern die Lieferscheine samt Kopien der Rechnungen vernichten.

Kredite für Finanz- Vorschreibungen aufgenommen

Bei den Abrechnungen war K. nicht zimperlich. So hatte er über einer Firma "Ende 2008 eine Rechnung für die Errichtung der Grundkonstruktion für das Bühnenbild der Oper 'Theodora' gestellt, obwohl dafür keine Gegenleistung erbracht wurde", stellten die Fahnder fest. Der Schaden: Rund 75.000 Schweizer Franken. Und auch für die Strauss- Oper "Elektra" kam eine Rechnung über 59.980 Euro "für einen Hubpodiumsausbau" – dabei wurden diese Arbeiten in der hauseigenen Werkstätte der Festspiele gemacht.

Doch K. betrieb "ganz offensichtlich privat einen sehr hohen finanziellen Aufwand, den er alleine durch sein Einkommen nicht mehr abdecken konnte." Wenn ihm die Finanz für seine Honorare höhere Vorschreibungen schickte, "musste er offensichtlich sogar Bankkredite aufnehmen", stellten die Kriminalisten fest.

Ihre Einschätzung: "Aufgrund der geführten Ermittlungen ergibt sich der Verdacht, dass sich zumindest Dewitte und K. (es gilt  die Unschuldsvermutung) durch ihre Malversationen unrechtmäßig bereichert haben. Daher darf die Durchführung der Abschöpfung angeregt werden." Die Behörde solle also auf ihr (verbliebenes) Vermögen zurückgreifen. Da könnte sie bei den beschlagnahmten Fahrzeugen der zwei beginnen, die auf dem Gelände des Landespolizeikommandos abgestellt sind: Ein Jaguar von Dewitte, ein Jaguar und ein BMW- Motorrad von K. – die Fahrzeuge des einstigen Technik- Chefs sind aber auch als Sicherheiten an eine Bank vergeben.

von Robert Redtenbacher, Kronen Zeitung

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