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22.08.2017 - 23:01
Foto: Wolfgang Weber

"Alte AKWs werden aus purer Gier weiter genutzt"

16.03.2011, 04:12
Der Kernphysiker Dr. Friedrich Steinhäusler hat die Salzburger schon vor der atomaren Tschernobyl-Wolke gewarnt. "Ein Kernübel", so sagt er, "ist die Arroganz der AKW-Betreiber: Alles sei sicher und beherrschbar." Dazu die Gier der Atomlobby, die alte und längst abgeschriebene Werke aus purer Profitgier am Netz lassen will.

"Krone": UN- Generalsekretär Ban Ki- moon sprach in Davos von einer Revolution, die wir brauchen, um die Umwelt zu retten und davon, dass die Welt einen globaler Selbstmordpakt geschlossen hätte.
Dr. Friedrich Steinhäusler: Es ist in der Tat so, dass die alten, gut funktionierenden AKWs zum Sargnagel der Atomlobby werden. Aus reiner Gier wird hier mit alten und längst abgeschriebenen Kernkraftwerken weitergewurstelt, solange bis es zur Katastrophe kommt - siehe Fukushima.

"Krone": In Österreich und Deutschland sind Geigerzähler inzwischen ausverkauft. Wie real ist die Bedrohung aus Japan?
Steinhäusler: Bei uns kann man immer noch das Reaktorunglück von Tschernobyl nachweisen, ebenso die atomaren Waffentests der 60er- und 70er- Jahre. Wenn es in Japan zu einer Kernschmelze mit einer nachfolgenden Explosion kommt und radioaktive Teilchen mit dem Jet- Stream weiträumig verteilt werden, wird man sie irgendwann einmal auch bei uns, etwa am Sonnblick messen können. Aber jedenfalls in nicht in einer gefährlichen Dosierung.

"Krone": Wie viel Strahlung verträgt der Mensch und wie kann man sich schützen?
Steinhäusler:
Jede Strahlendosis setzt einen kleinen biologischen Schaden. Wir haben aber einen Reparaturmechanismus, sonst würden wir nicht überleben. Die Strahlendosis von 1 Milli- Sievert im Jahr gilt als unbedenklich, man sprach zuletzt im Kraftwerk Fukushima vom 400- fachen Wert. Als tödlich gilt eine Dosis ab 5.000 Milli- Sievert, dazwischen gibt es die ganze Bandbreite an Krebserkrankungen. Schützen kann man sich nur, indem man sich der Radioaktivität nicht aussetzt.

"Krone": Auch die immer wieder zitierten Jod- Tabletten helfen dabei nicht?
Steinhäusler: Diese verhindern lediglich, dass die Schilddrüse radioaktives Jod 131 aufnimmt. Sie sind kein Schutz vor Alpha- oder Gamma- Strahlen.

"Krone": Wie wird es in Fukushima weitergehen?
Steinhäusler: Wenn es zu einer Kernschmelze kommt, gelangt das radioaktive Material ins Grundwasser, es kommt zu einer Dampfexplosion, welche den Reaktordruckbehälter sprengen kann. Dann gelangen, wie auch bei Tschernobyl, große Mengen an radioaktivem Material in die Atmosphäre.

"Krone": Gefahr geht aber auch von den Brennstäben aus, die neben dem Kraftwerk gelagert sind?
Steinhäusler: Ja, man muss sich das so vorstellen: Neben dem AKW lagern, etwa wie in einem Schwimmbad die abgebrannten Brennstäbe im Wasser. Verdunstet das, beginnen die Stäbe von selbst zu brennen. Da in den Becken Brennelemente von fünf oder mehr Kraftwerken lagern, droht von dieser Seite nochmals eine gigantische Verseuchung.

"Krone": Das nur sechs Jahre jüngere und baugleiche "Isar 1" gehört also sofort vom Netz?
Steinhäusler: Es ist für uns eine sehr große Bedrohung. Wir haben im Ernstfall vier oder fünf Stunden Zeit, zu reagieren. Das Kraftwerk ist nicht sicher, es wird so wie andere Uralt- Meiler aus purer Gier weiter betrieben.

Kronen Zeitung

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