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30.03.2017 - 07:25
Foto: Markus Wenzel

Schärding: Die Stadt der verlorenen Flüchtlinge

12.03.2016, 16:54

Seit Dezember 2015 wurden von Deutschland mehr als 7000 Asylsuchende ins oberösterreichische Schärding "abgeschoben". Die meisten von ihnen leben nun als U- Boote in Österreich.

Schärding in Oberösterreich. Liebevoll renovierte Häuser aus dem Mittelalter und der Barockzeit. In den Arkaden um den Hauptplatz hübsche Geschäfte und gemütliche Gasthäuser. Gleich vor der Stadt: Idylle pur. Wiesen, Felder, Wälder. Der Inn. Die 5000 Einwohner der Stadtgemeinde an der Grenze zu Bayern leben vom Tourismus, haben Handwerksbetriebe oder arbeiten in einem der großen Unternehmen in der Umgebung.

Bürgermeister Franz Angerer
Foto: Markus Wenzel

"Immer war es hier so beschaulich", sagt Franz Angerer, seit 13 Jahren Bürgermeister von Schärding. "Aber jetzt ist alles ganz anders geworden. Die konfuse Flüchtlingspolitik in Europa hat unseren Ort massiv getroffen."

"Sie wurden bei uns einfach ausgesetzt"

Im Herbst 2015 wurde in der Peripherie ein Zelt errichtet. Eine "Kurzaufnahmestation", vorrangig zum Zweck, Asylsuchende zu registrieren und sie mit Lebensmitteln zu versorgen - vor ihrer geplanten Weiterreise nach Deutschland. "Täglich", so Angerer, "kamen Busse mit Hunderten Personen an, täglich wurden Hunderte Personen mit Bussen abgeholt." Doch viele der Flüchtlinge kehrten schnell wieder nach Schärding zurück.

Foto: Markus Wenzel

Menschen, die Deutschland nicht aufnehmen wollte. Deren Asylanträge es nicht akzeptierte, weil sie über keine oder gefälschte Papiere verfügten. Oder weil sie als verdächtig galten, in ihren Heimatländern Straftaten verübt zu haben. Seit Dezember waren es mehr als 7000 "Abgewiesene". Syrer, Afghanen, Iraker, Marokkaner... Zum Großteil Männer. Frauen und Kinder sind nur wenige dabei gewesen. "Sie wurden", klagt Angerer, "in unserer Gemeinde einfach ausgesetzt. Ohne dass Strategien, ihre Zukunft betreffend, vorgelegen wären."

Was geschah mit ihnen?

"Sie tauchten ins Nichts unter. Und leben nun als U- Boote. Nicht in Schärding, sondern irgendwo anders in Österreich."

Foto: Markus Wenzel

"Was hätten wir mit ihnen machen sollen?", fragt ein Polizeibeamter, der in einem Container vor dem Zelt sitzt, neben einem Scanner für Fingerabdrücke. In den vergangenen Wochen wurde das Gerät täglich nur noch ein paar Mal benutzt. Seit die Balkanroute quasi gesperrt ist und nur noch sehr wenige Asylsuchende nach Österreich kommen, hat sich die Situation in Schärding klarerweise entschärft. "Doch ich glaube leider, dass die Ruhe nur eine vorübergehende ist", sagt Bürgermeister Angerer. "Ich befürchte, dass spätestens im Frühsommer der Flüchtlingsstrom wieder stark zunehmen wird."

Falsche Träume vom "goldenen Europa"

Später Vormittag. Zum ersten Mal klingelt heute das Telefon in dem Polizei- Container neben dem Zelt. Ein bayrischer Kollege ist am anderen Ende der Leitung: "Wir bringen euch gleich einen Afrikaner. Genaue Herkunft unbekannt." Eine halbe Stunde später wird der junge Mann abgeliefert. Er trägt eine Jacke aus dünnem Leinen, er friert, er wirkt ängstlich. Schlepper haben ihn ins vermeintlich "goldene Europa" gebracht.

Gespaltene Meinungen im Ort

Unter den Schärdingern herrschen unterschiedliche Meinungen zur aktuellen Situation im Ort: "Uns stören die Flüchtlinge hier nicht. Wir versuchen, ihnen so gut als möglich zu helfen. Indem wir Kleidung und Lebensmittel für sie kaufen - und sie zu Festen einladen", erzählen zwei Seniorinnen. "Das Problem ist die fehlende Informationspolitik. Die Behörden schweigen, wenn es Zwischenfälle mit Asylanten gibt. Davon erfahren wir dann nur durch Zufall", zeigt sich hingegen ein 29- Jähriger besorgt. Eine 33- Jährige fühlt sich auch nicht mehr so sicher: "Wenn ich am Abend unterwegs bin, achte ich immer darauf, in Begleitung zu sein. Das war früher nicht so. Aber jetzt ist halt ein unbestimmtes Gefühl der Angst in mir."

12.03.2016, 16:54
Martina Prewein, Kronen Zeitung/red
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