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10.12.2016 - 13:23
Doris Wagner schildert in ihrem Buch "Nicht mehr ich" ihr Martyrium innerhalb des Ordens.
Foto: Kronen Zeitung

Nonne missbraucht: Orden bedauert "Fehler"

09.11.2014, 12:00
Nach dem Bekanntwerden jener dramatischen Leidensgeschichte rund um Isolation und sexuellen Missbrauch, die die ehemalige Ordensfrau Doris Wagner literarisch aufgearbeitet hat, liegt nun eine Stellungnahme der betreffenden Kirchengemeinschaft vor: Obwohl Wagner den Orden in ihrem Buch nicht namentlich nannte, hieß es nun seitens "Das Werk", dass man sehr bedauere, "dass sie in einer derartig negativen Weise auf die Jahre in unserer Gemeinschaft zurückblickt". Indes erheben nun weitere Aussteiger schwere Vorwürfe...

Zwar wurde "Das Werk" in dem Buch von Wagner, das sich die heute 30- Jährige - wie berichtet  - von der Seele geschrieben hat, nicht explizit genannt, laut dem Regionalverantwortlichen der Gemeinschaft, Pater Georg Gantioler, sei aus dem Kontext aber leicht zu entnehmen, dass es sich um die geistliche Familie "Das Werk" handle, wie er gegenüber dem ORF erklärte.

Die Ordensniederlassung von "Das Werk" in Bregenz-Thalbach
Foto: ConnieConan

"Das Werk" ist eine 1938 gegründete katholische Gemeinschaft, die seit 2001 vom Vatikan approbiert und als "Familie gottgeweihten Lebens" anerkannt ist. Der Hauptsitz des in zwölf Ländern aktiven Ordens ist seit 1978 das Bregenzer Kloster Thalbach. In Österreich gibt es Niederlassungen in Schoppernau im Bregenzerwald, in Feldkirch, Innsbruck und Wien.

"Positive Dinge" ausgeblendet

In der Stellungnahme heißt es: "Wir bedauern es sehr, dass sie (Anm. Doris Wagner) in einer derartig negativen Weise auf die Jahre in unserer Gemeinschaft zurückblickt und viele positive Dinge, die sie erlebt hat, ausblendet." Der Inhalt des Buches gebe subjektive Darstellungen und Empfindungen der Autorin wieder, Elemente des Gemeinschaftslebens und unserer Lebensordnung seien aus dem Kontext gerissen.

Die Gemeinschaft bedaure sehr, "dass ein Priester der Gemeinschaft eine kurze intime Beziehung mit der damals 24- Jährigen unterhalten hat". Eine diesbezügliche Anzeige wegen Vergewaltigung sei jedoch sowohl in Deutschland als auch in Österreich zurückgewiesen worden. "Der Priester war stets zu rechtlicher, kirchlicher und persönlicher Klärung des Vorfalls und zu persönlicher Buße bereit", so Gantioler. Weil der aber von einvernehmlichem Geschlechtsverkehr sprach, sei es zu keiner Anklage gekommen. Der Priester sei danach in der Kurie im Vatikan an eine zentrale Stelle versetzt worden, obwohl er intern den Missbrauch zugegeben haben soll.

"Das waren Entwicklungsschritte"

Zudem bestätigte Gantioler in der Stellungnahme, dass die Leitung früher persönliche Briefe noch vor dem Adressaten gelesen und abgefangen habe. Auch sei es vorgekommen, dass dem geistlichen Begleiter persönlich Anvertrautes weitererzählt worden sei. "Da sind die Grenzen manchmal fließend gewesen", sagte der "Das Werk"- Sprecher. Heute kämen solche Vorfälle in der geistlichen Familie nicht mehr vor. Explizit als Fehler bezeichnete der Geistliche die Praktiken etwa der Verletzung des Briefgeheimnisses aber nicht. "Man kann das jetzt Fehler nennen. Ich würde sagen, das waren Entwicklungsschritte", so der Geistliche. Diese hätten aus der "pubertären" Gemeinschaft eine "reife" Gemeinschaft gemacht, "auch durch schmerzliche Erfahrungen hindurch".

Der Regionalverantwortliche der Gemeinschaft räumte auch ein, dass es eine "Apostolische Visitation" durch den Vatikan zur Klärung der Vorwürfe gegeben habe. Der abschließende Bericht der Kongregation sei jedoch noch ausständig.

Weitere Ex- Ordensmitglieder erheben Vorwürfe

Zudem wurde nun bekannt, dass zwei weitere ehemalige Mitglieder der direkt dem Vatikan unterstellten katholischen Gemeinschaft schwere Vorwürfe gegen die geistliche Familie erheben. Einer der beiden Aussteiger, ein heute 35- jähriger Brite, lebte laut ORF ab seinem 18. Lebensjahr sechs Jahre lang in der Gemeinschaft in einem ehemaligen Dominikanerinnen- Kloster in Bregenz- Thalbach, in dem derzeit rund 100 Schwestern und 30 Brüder sowie Priester leben sollen. Er sagte, er sei sich zum Schluss vorgekommen wie in einer Sekte, ständig überwacht und sogar von seinem Beichtvater durchleuchtet.

Ein ehemaliger Werkpriester, der nicht namentlich genannt werden will, berichtete von gleich mehreren Missbrauchsfällen seiner ehemaligen Mitbrüder an "Werk"- Schwestern. Er bestätigte, dass Frauen, die Anschuldigungen erhoben, stets selbst als Verführerinnen dargestellt worden seien.

09.11.2014, 12:00
AG/red
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