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27.07.2017 - 19:39

"Mistkübler" Schmidt kann nichts mehr überraschen

24.12.2013, 15:13
Berge von Geschenkpapier, knallvolle Mülltonnen: Die Weihnachtsfeiertage sind für die "Mistkübler" alles andere als friedlich. Klaus Schmidt ist einer von ihnen und weiß nach 23 Jahren Weihnachtstour einiges über das Fest und die Menschen, die es feiern, zu erzählen.

Die Kommandozentrale der MA 48 in der Wiener Einsiedlergasse kurz vor Weihnachten: Müllaufleger Klaus Schmidt (44) rüstet sich für die härteste Tour des Jahres. In Mariahilf ("An die neuen Einbahnen wegen der 'Mahü' haben wir uns erst gewöhnen müssen") wird er am 26. Dezember wieder mehr als 50 Kilo schwere Mülltonnen aus verwinkelten Kellern über Stiegen hinaufziehen und in die orangefarbenen Wagen entleeren.

Das Fernsehpublikum kennt sein Gesicht – bei den "Härtesten Jobs Österreichs" hat er "Seyffenstein" Rudi Roubinek an die Grenzen seiner Kräfte geführt. Im "Krone"- Interview spricht der "Mistkübler" gerne in der Mehrzahl: "Wir" sind Rapid- Fans. "Wir" halten zusammen. "Wir" machen unseren Job auch an den Weihnachtsfeiertagen. Abenteuerlich, was ihm das Christkind so beschert…

"Krone": Herr Schmidt, woran erkennt ein "Mistkübler", dass Weihnachten ist?
Klaus Schmidt: Wenn alle Deckel offen sind und die Sackerln daneben auf dem Boden liegen, dann ist Weihnachten. (lacht) Aber in Wahrheit beginnt das schon ein bis zwei Wochen vorher. Da wird ausgemistet, um Platz zu schaffen für das Neue, für die vielen Geschenke. Die Leute haben ja in den kleinen Wohnungen zum Teil nicht so viel Platz. Fliesen, Möbelteile, Spielzeug, altes Geschirr. Das kommt dann alles in den Mist. Einmal war sogar ein ganzes Klo in der Tonne.

"Krone": Ärgern Sie sich, wenn manche Zeitgenossen die Mülltrennung ignorieren?
Schmidt: Dazu haben wir keine Zeit. Unsere Tour läuft streng nach Fahrplan. Die Leute können die Uhr nach uns stellen.

"Krone": Tun das manche?
Schmidt: Ja, einige warten schon am Fenster. Wenn sie unseren Müllwagen sehen, sagen sie: "Da kommt ja das Karottenballett!" Weihnachten werden wir immer bemitleidet. "Ihr Oarmen müsst's arbeiten an den Feiertagen?" Ich hab das Gefühl, dass wir von der Bevölkerung sehr geschätzt werden.

"Krone": Arbeiten an den Feiertagen: Machen Sie das freiwillig?
Schmidt: Ich bin kinderlos, deshalb übernehme ich immer den Heiligen Abend und den Stefanitag und nehme mir dafür Silvester frei. Seit nunmehr 23 Jahren schon. Ich mag die Weihnachtstour.

"Krone": Wie erleben Sie die Stadt am 24. Dezember?
Schmidt: Meine Tour geht rund um das Apollo Kino, an der Gumpendorfer Kirche vorbei über den Gürtel bis vor den Getreidemarkt. Ich kenne jede Straße, jedes Haus. Am 24. ist wenig Verkehr, es sind fast keine Menschen mehr unterwegs, es wird von Stunde zu Stunde friedlicher. Da tun wir uns mit dem Fahren etwas leichter.

"Krone": Aber nicht mit dem Mist, richtig?
Schmidt: Das ist richtig. Die Müllräume sind am 24. schon voll mit Geschenkpapier und Verpackungsmaterial – das transportieren die Kollegen vom Altpapier am 26. ab. Die Container quellen über. Da gibt's Schachteln, die sind doppelt so groß wie die Tonnen. Für das kleinste Glumpert haben Sie schon mindestens drei Hüllen, dann haben Sie eine Papierverpackung, dann kommt die Schachtel, und dann ist es meistens noch in einem Styropor.

"Krone": Erzählen die Mülltonnen eigentlich Geschichten?
Schmidt: Manchmal, ja. Leider habe ich aber nicht die Zeit, darüber nachzudenken, was in den Kübeln drin ist, was man vielleicht noch brauchen könnte. Nur einmal hab ich etwas rausgenommen.

"Krone": Was war das?
Schmidt: Das war ein kleiner Stofftiger, da hab ich mir überlegt, warum den jemand weggeschmissen hat. Wir haben ihn an unserem Auto befestigt, und er ist lange mit uns mitgefahren.

"Krone": Kann das Christkind Sie noch überraschen?
Schmidt: Nach 23 Jahren schwer… Ich weiß, dass da 550 Tonnen Restmüll zusätzlich anfallen. Manche Tonnen sind bis zu 80 Kilo schwer, die bringe ich dann fast nicht über die Stufen hinauf. Einmal hat's mich echt grissen: Da lag eine Schaufensterpuppe im Müll.

"Krone": Was liegt noch drin?
Schmidt: Bauschutt, Batterien, Glas, alles, was nicht in den Restmüll gehört. Aber es hat sich in den letzten Jahren gebessert.

"Krone": Von Wirtschaftskrise nichts zu spüren?
Schmidt: Absolut nichts, eher im Gegenteil.

"Krone": Herr Schmidt, warum sind Sie eigentlich "Mistkübler" geworden?
Schmidt: Weil es ein sicherer Job ist, mit einem großen Zusammengehörigkeitsgefühl. Wir arbeiten nicht nur von 6 bis 14 Uhr, sondern treffen uns danach auch privat. Wir sind zum Beispiel große Rapid- Fans, die sich jedes Match anschauen, oft Bowling spielen oder kegeln gehen.

"Krone": Ein reiner Herrenklub – wird es irgendwann auch "Mistküblerinnen" geben?
Schmidt: Ich will jetzt keine Frau beleidigen, aber das Mistauflegen ist schon ein knochenharter Männerjob.

"Krone": Wenn Sie einen Weihnachtswunsch frei hätten…?
Schmidt: Ich bin zufrieden. Auch mit unseren Kunden. Es ist schließlich unser Job, dass wir nach dem Fest sauber machen.

Zur Person:

Geboren am 18.8.1969 in Wien. Schmidt will eigentlich Polizist werden, bleibt nach einem Ferialjob bei der MA 48 mit 21 dann aber dort "hängen". In zwei Jahren feiert er sein 25- Jahre- Dienstjubiläum als "Müllaufleger". Da er (verheiratet mit einer Beamtin) kinderlos ist, fährt er seit 23 Jahren die Weihnachtstour am 26. Dezember ab 7 Uhr morgens in Wien- Mariahilf. Sein Zukunftsplan: "Nach 40 ehrlichen Berufsjahren mit 61 in die wohlverdiente Pension gehen."

24.12.2013, 15:13
Conny Bischofberger, Kronen Zeitung/red
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