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21.09.2017 - 22:15
Foto: APA/Guenter R.Artinger

Steuer- Großbetrüger nach Österreich ausgeliefert

15.09.2009, 11:29
Der als Steuer-Großbetrüger verdächtige Werner R. ist nach jahrelangem Tauziehen von Brasilien nach Österreich ausgeliefert worden. Von österreichischen Zielfahndern begleitet, landete der gebürtige Niederösterreicher am Dienstag um 8.15 Uhr am Flughafen in Schwechat, teilte Bundeskriminalamts-Sprecher Alexander Marakovits mit. Der 52-Jährige, der innerhalb von fünf Jahren 116,3 Millionen Euro - damals noch 1,6 Milliarden Schilling - hinterzogen haben soll, sitzt derzeit in der Justizanstalt Wien-Josefstadt hinter Gittern, bestätigte am Dienstag die Staatsanawaltschaft. Wann dem Mann der Prozess gemacht wird, ist noch nicht klar.

Es handelt sich um einen der größten Finanzstraffälle in Österreichs Kriminalgeschichte. Zwischen 1991 und 1995 soll Werner R. dem Finanzamt hohe Summen abgeluchst haben, indem er von Scheinfirmen ausgestellte Rechnungen vorlegte. Über mehrere Geschäftsverflechtungen importierte er Billigprodukte wie Bauholz oder Schotter nach Österreich, "formte" diese in teure Ware wie Edelholz beziehungsweise Marmor "um" und exportierte sie wieder. Mit dafür ausgestellten Belegen forderte er die Erstattung der Umsatzsteuer, eine sogenannte Vorsteuer.

Spitznamen wie "Robin Hood" oder "Superhirn"

Grundlage für den Fall war das Umsatzsteuergesetz, wonach der Verkäufer eines Produkts die Umsatzsteuer (20 Prozent) vom Käufer mitkassieren darf und diese Abgabe dann der Finanz abführen muss. Letzteres soll Werner R. konsequent nicht getan haben. In den Medien wurde R. mit Spitznamen wie "Robin Hood" oder "Superhirn" bezeichnet. Ihm wird auch die Bildung einer kriminellen Organisation vorgeworfen.

Brasilianische Staatsbürgerschaft angenommen

Der Überstellung des mutmaßlichen dreifachen Familienvaters gingen eine langwierige Fahndung und ein mühsames Behördenprozedere voraus. 1995 flüchtete Werner R. nach Brasilien, dort nahm er die brasilianische Staatsbürgerschaft an und heiratete 1996. Er lebte in einem blauen Turm in der Küstenstadt Recife, bewegte sich völlig unbehelligt und fühlte sich durch die Annahme der Nationalität laut dem Bundeskriminalamt geschützt. Immer wieder ärgerte Rydl von Brasilien aus die heimischen Behörden: So verbrannte er einmal 290 Millionen Schilling vor laufender Kamera. 2002 wurde er in Österreich wegen schweren Betruges angeklagt, ein internationaler Haftbefehl wurde erlassen.

Es dauerte, die brasilianischen Behörden davon zu überzeugen, gegen einen Staatsbürger ihres Landes vorzugehen. Ausschlaggebend dürften mehrere Faktoren gewesen sein, wie die Führung einer Scheinehe und das Fortsetzen krimineller Aktivitäten von Brasilien aus. Zuletzt gab es auch dort gegen ihn eine Anklage wegen Geldwäsche, hieß es aus dem BK. Von 2003 bis 2005 wurde der mutmaßliche Steuerhinterzieher schließlich von österreichischen Zielfahndern beobachtet. Am 30. März 2005 klickten dann in einer Maschine am Flughafen der brasilianischen Hauptstadt Brasilia die Handschellen.

Betrüger wollte sich sogar adoptieren lassen

Nach seiner Festnahme schöpfte der 52- Jährige alle Rechtsmittel gegen eine Auslieferung aus. Als ihm zuletzt die brasilianische Staatsbürgerschaft entzogen wurde, versuchte er sogar, sich adoptieren zu lassen, so Marakovits. Nach viereinhalb Jahren U- Haft bewilligte der Oberste Gerichtshof in Brasilien jetzt die Auslieferung nach Österreich.

Ermittlern jedes Jahr Weihnachtsgrüße geschickt

Die Verhaftung von Werner R. dürfte einige Beamte, die mit dem Fall betraut waren, ziemlich erfreuen. Beim Bundeskriminalamt stand er auf der Fahndungsliste weit oben. Ermittler im Finanzministerium, die sich mit dem Fall beschäftigten, sollen jedes Jahr Weihnachtsgrüße von dem Verdächtigen erhalten haben...

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