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11.12.2016 - 07:05

Slash: "Ich hatte es einfach satt, in Bands zu spielen"

19.04.2010, 15:46
Slash, der Kult-Gitarrero von Bands wie Guns 'n' Roses und Velvet Revolver, hat sich auf seinem ersten Solo-Album selbst übertroffen. Für das selbstbetitelte Werk sammelte Saul Hudson fast ein Jahr lang seine besten Gitarrenlicks und heuerte dann eine ganze Armada an Gast-Sängern und Musikern an, darunter klingende Namen wie Ozzy Osbourne, Iggy Pop, Lemmy Kilmister, Chris Cornell oder Pop-Sternchen Fergie. Mit krone.at sprach Slash über die Entstehung der gefeierten Platte und erklärt dabei, warum der Rock 'n' Roll momentan harte Zeiten durchmacht.
krone.at: "Slash" ist dein erstes Album als Solokünstler. Hast du jetzt endgültig genug von Bands?

Slash: Ich hatte es einfach satt, in Bands zu spielen. Jahrelang hab ich nichts anderes gemacht. Diesmal war es Zeit, alleine etwas auf die Beine zu stellen. ICH wollte einmal das letzte Wort haben, das tun, worauf ICH Lust habe und von niemandem dabei angequatscht werden. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass ich bis ans Ende meiner Tage ein Solokünstler sein will, überhaupt nicht. Aber eben dieses eine Mal.

krone.at: Es heißt, du hättest zunächst ganz alleine begonnen, Songs zu schreiben und dich regelrecht verkrochen.
Slash: Ja, ich habe mich einfach weggesperrt und ein paar Wochen lang nur Licks aufgenommen und Demos zusammengestellt. Erst ein Jahr nach der letzten Velvet- Revolver- Tour begann ich damit, Sänger anzuschreiben und ihnen Demos zu schicken.

krone.at: Wie kam es zu dieser großen Zahl an Partnern? Die Liste deiner Gaststars liest sich ja wie ein Filmensemble.
Slash: Die Arbeit an dieser Platte hat sich stellenweise auch wie eine Filmproduktion angefühlt. Ich hatte im Prinzip schon vor, mehrere Sänger einzuladen. Ich hatte auch eine "Besetzungsliste" im Kopf. Es ging mir aber nicht darum, möglichst viele Namen zusammenzubekommen. Ich wollte einfach für jeden Song die passende Stimme. Deswegen singen auf der Platte auch Leute, die ich bis dahin gar nicht persönlich gekannt hatte. Miles Kennedy zum Beispiel und Andrew Stockdale von Wolfmother.

krone.at: War es schwierig, die Leute zusammenzubekommen?
Slash: Ich glaube, bei einigen hatte ich Glück, dass sie Zeit hatten. Bei denen, die ich nicht persönlich kannte, musste ich einfach darauf hoffen, dass sie mich genauso interessant fanden, wie ich sie. (lacht)

krone.at: Deine Sänger kommen teilweise aus sehr unterschiedlichen Genres. Du hast dich zwar früher auch selbst aus der Rockwelt herausbewegt, zum Beispiel bei deiner Zusammenarbeit mit Michael Jackson; aber was verbindet dich mit Fergie oder Cypress Hill?
Slash: Ganz ehrlich? Wir leben alle in L.A.! (lacht) Da läuft man sich irgendwann einmal über den Weg. Fergie lernte ich bei einem Fundraiser kennen, wo ich mit den Black Eyed Peas jammen sollte. Sie spulte mitten im Set ein Rock- Medley ab und ich war total überrascht, wie gut ihre Stimme zu härterer Musik passt. Die Jungs von Cypress Hill hatte ich 2002 durch Matt Sorum kennengelernt. Wir jammten zu "Paradise City" und ich ging bei ein paar ihrer Konzerte in Kalifornien bei ihrem Song "Rockstar" mit auf die Bühne.

krone.at: Hast du einen persönlichen Lieblingssong auf dem Album? Slash: Nein. Simply not. Ich finde sie alle gut bzw. könnte ich mich nie für einen entscheiden. Da wird es den anderen (den Sängern, Anm.) auch nicht anders gehen - abgesehen davon, dass sie alle nur an jeweils einem Song mitgearbeitet haben. Im Ernst: Du machst ein Album des Albums wegen. Es soll als Ganzes gut klingen, und deswegen steckst du in jeden Song die volle Energie hinein. Außerdem ist man so kurz nachdem eine Platte fertiggeworden ist, dermaßen stolz darauf, dass man einfach jeden Song gut findet. Frag mich in ein paar Jahren wieder.

krone.at: Wie hast du über die Lyrics entschieden? Die durften die Sänger ja selbst schreiben.
Slash: Im Prinzip wurde gar nichts entschieden. Ich schrieb die Musik und die Sänger durften schreiben, was sie wollten. Ich überließ ihnen in dieser Hinsicht alle Freiheiten. Ich selbst kann mich am meisten mit dem Lemmy- Song ("Doctor Alibi" von Motörheads Lemmy Kilmister, Anm.) identifizieren. Bei Alkohol und Drogen kennen wir uns ja bekanntlich beide gut aus...

krone.at: Slash und seine Gitarrenkünste kann man derzeit im Internet ersteigern. Du willst damit noch unbekannten jungen Rockbands auf die Sprünge helfen.
Slash: Ja, es ist eine Art Wettbewerb, bei dem wir eine coole junge Rockband finden wollen, mit der ich dann tatsächlich ins Studio gehen werde. Es geht mir aber allgemein darum, Karrieren auf die Sprünge zu helfen. Das Musikbusiness hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Es reicht nicht mehr, wenn man darauf wartet, entdeckt zu werden - es sucht auch gar keiner mehr nach dir. Ich sehe meine Rolle dabei als eine Art Werkzeug, mit dem frustrierte Jungmusiker vielleicht ein paar Türen aufzwängen können, die ihnen bis dato verschlossen geblieben sind. Am Ende des Tages werden wir dann vielleicht doch nur eine Band größer rausbringen - aber hey, jeder Schritt zählt!

krone.at: Das klingt ja fast, als fürchtest du um dein Erbe - den Fortbestand des Rock 'n' Roll.
Slash: Na ja, Erbe... sagen wir es so: Die Rock- 'n'- Roll- Attitüde, die mich damals antörnte und die alle meine Bands vertraten - auch und speziell Guns 'n' Roses -, die ist derzeit bei neuen Gruppen einfach nicht mehr da. Zumindest vermag ich es nicht, sie zu erkennen. Es ist einfach alles zu materialistisch geworden. Sie wollen alle nur Erfolg haben und steinreich sein - und das um jeden Preis. Auf die Wurzeln des Rock 'n' Roll geben die meisten einen Dreck.

krone.at: Wurzeln wie Rebellion und Revolution?
Slash: It's about freedom of speech, freedom of opinion. Der Vorsatz zu fassen, etwas gegen den Status quo zu tun. Anders zu sein, als die anderen. Diese Grundeinstellung fehlt mir. Vielleicht hat es aber auch bloß damit zu tun, dass wir heute im Prinzip schon alles gesehen haben und es momentan vielleicht nichts gibt, wogegen man rebellieren und dabei auch Erfolg haben kann. Ich glaube aber nicht, dass das permanent ist. Es wird vorüber gehen.

krone.at: Ist es in deiner Heimat USA momentan nicht so, dass Musiker - junge wie alte - die aktuelle Regierung eher unterstützen anstatt gegen ein "Establishment" zu rebellieren, was ja mitunter auch Guns 'n' Roses berühmt gemacht hat?
Slash: Kann sein. Die heutigen Kids sind aber einfach smarter, verstehen globale Zusammenhänge besser und verschaffen sich auch über andere Wege Gehör. Auf jeden Fall gibt es heutzutage diese große gesellschaftliche Lücke zwischen Jung und Alt nicht mehr. Früher prallten da in Sachen Vorstellungen und Werte Welten aufeinander. Heute kommt es mir so vor, als kämen Eltern und Teenager in diesen grundsätzlichen Dingen viel besser miteinander klar. Das ist natürlich großartig für die Gesellschaft, aber verdammt schlecht für Rock 'n' Roll. (lacht)

krone.at: Die Vernunft macht es dem Rock 'n' Roll so schwer?
Slash: Irgendwie schon. Aber, wie ich schon sagte, ich glaube nicht, dass dies permanent ist. Im Prinzip gibt es in jedem Jahrzehnt so eine Phase. In den Neunzigern gab es ja auch einen wahnsinnig kreative Zeit, die dann aber einfach wieder aufgehört hat und mit einem Mal vom Kommerzialismus abgelöst wurde. Wenn man weiter zurückblickt, war Rock 'n' Roll am Ende der Siebziger ganz groß, Anfang der Achtziger dann aber kaum. Erst Mitte der Achtziger kamen neue Rockbands mit ein paar richtig guten Platten. Das sind einfach Zeichen der Zeit, von denen man sich aber auch nicht einschüchtern lassen darf.

krone.at: Du gehst im Sommer auf Tour und kommst dabei auch nach Österreich (zum Nova Rock Festival im Juni, Anm.). Wie wird die Tour zum Soloalbum aussehen: Kommst du als Solokünstler mit Begleitmusikern oder wird es sich eher nach einer Band anfühlen, in der eben auch Slash mitspielt?
Slash: Es wird auf jeden Fall letzteres sein. Myles Kennedy, der auch auf dem Album singt, wird Frontmann der Band sein. Es wird aber keine opulente Show, wir wollen uns ausschließlich auf die Musik konzentrieren. Darüber, dass auf den Plakaten diesmal nur mein Name stehen wird, mache ich mir aber keine Gedanken. Solange ich nicht Lead singe, bin ich nicht der Frontmann sondern nach wie vor nur der Gitarrist. Und nein, ich werde niemals Lead singen. (lacht) Um ehrlich zu sein, ich kann singen nicht leiden. Mir fehlt die Persönlichkeit dafür. Ich bin für gewöhnlich nicht sehr gesprächig und schon gar nicht der Typ Musiker, der seine Gefühle raushängen lassen kann. Ich kann mir nicht vorstellen, auch nur ein paar Zeilen über etwas zu schreiben, das mir wichtig ist, geschweige denn mich in die Mitte einer Bühne zu stellen und das Ganze vorzusingen. Wenn du's so haben willst: Ich singe durch meine Gitarre.

Interview: Christoph Andert

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