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04.12.2016 - 07:30

Scarlett Johansson singt Waits

18.05.2008, 14:17
Dass sie etwas für schräge Typen übrig hat, weiß man von Scarlett Johansson schon seit ihrer hingebungsvollen Karaokeszene mit Billy Murray in "Lost in Translation". Zuletzt war sie dann Muse für Stadtneurotiker Woody Allen. Mit ihrem ersten Album als Sängerin offenbart die 23-Jährige ein Faible für einen weiteren Sonderling des Showbusiness: Tom Waits. "Anywhere I Lay My Head" heißt der Longplayer, auf dem die nach Scarlett O'Hara getaufte Schauspielerin mit überraschend tiefer Singstimme zehn ihrer Waits-Favourites und eine Eigenkompositon darbringt.

"Anywhere I Lay My Head" klingt wie eine auf CD gebannte Karaoke- Session mit hochwertiger Musikuntermalung. Kein Wunder: Nick Zinner von den Yeah- Yeah- Yeahs gitarriert und kein Geringerer als David Bowie steuerte Gastvocals bei zwei Songs bei.

Für den geräuschvollen und dichten Sound des Albums, der sich schon allein aus strategischen Gründen vom Geschramme der Waits- Originale absetzen muss, zeichnet aber in erster Linie Produzent Dave Sitek verantwortlich. Die Hollywood- Mimin hatte ja zuerst ihren Plattenvertrag mit Rhino Records in der Tasche und sich dann nach langer Suche für den "TV On The Radio"- Frontmann entschieden, weil er ihr den Sound von "Tinkerbell auf Hustensaft" versprach. Das Ergebnis ist also musikalisch so weit wie möglich dem Original entrückt. Weil Waits es hasst, nachgespielt zu werden, gute Coverversionen seiner Songs hingegen liebt und Sitek während der Recordingsessions nach eigenen Angaben von Albträumen geplagt wurde, in denen Waits ihn mit einem Hammer erschlug, weil er die Platte nicht gut fand.

Zusätzlich zum Hustensaft muss sich die Peter- Pan- Fee auf "Anywhere I Lay My Head" beim Singen aber noch ein paar Züge Schwefelhexafluorid reingepfiffen haben. Von dem extrem schweren Gas bekommt man nämlich den umgekehrten Helium- Effekt, also eine Brummstimme (Warnung an Experimentierfreudige: Um das Gas aus den Lungen zu bekommen braucht's einen Handstand, dazwischen läuft man Gefahr narkotisiert zu werden bzw. zu ersticken). Fräulein Johansson überrascht mit dieser tiefen, sonoren Singstimme, die etwa Debbie Harry sehr ähnlich klingt. Etwas besseres, als Songs des brummigen Krächz- Meisters Waits, hätte die amerikanische Actrice mit dänischer Doppelstaatsbürgerschaft daher gar nicht wählen können. Auch Waits poetische Lyrics passen zu Johansson, die im wirklichen Leben mindestens so wiff sein soll, wie die von ihr verkörperte Figur der Charlotte in "Lost in Translation".

Vor einer wabernden, geräuschvollen Soundkulisse aus Synthesizern, Samplefetzen, in Waits- Manier angezerrten Drums und sparsam dosierten Gitarren fällt es daher nicht auf, dass sie etwas Mühe hat, den Ton zu halten. Im Gegenteil, Produzent Dave Sitek zelebriert die kleinen Fehler seines Schützlings, so scheppert auf "I Wish I Was In New Orleans" nur eine Spieluhr zu den gedubbten Vocals. Bei "Fannin Street" (mit sachter Bowie- Unterstützung) und "No One Knows I'm Gone" klingt Miss Johansson, als würde sie einem kleinen Mädchen ein Schlaflied summen. Brummige Unterstützung bekommt sie von Dave Sitek bei "Who Are You". Wirklich nach Waits ist nur "Green Grass" geraten, das den gemächlich marschierenden Beat des Meisters mit Vibraphon und Daumenklavier in Szene setzt. Lust auf mehr macht die Eigenkomposition "Song For Jo", die mit Lo- Fi- Drums und Akustikgitarre die sumpfige Stimmung der Platte mitträgt. Das Debüt? Gelungen!

8,5 von 10 Hustensaft- Tinkerbells

Von Christoph Andert

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