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25.03.2017 - 17:07
Foto: Mano Cornuta, Pascal Riesinger

Rammelhof: "Viele Dinge machen uns wütend!"

08.09.2015, 17:00
Es ist noch kein Jahr her, als das heimische Musikerkollektiv von Rammelhof mit dem Song "Wladimir (Put Put Putin)" weit über die Landesgrenzen hinaus für Aufregung sorgte und internationale Medien auf sich aufmerksam machte. Mittlerweile haben sich General Geri, Gina der Gino, Wehrmann Schrüll, Urgos Brutalos und Rekrut Nikolaiew vom PR-Wunder zur Fixkonstante gespielt. Am 11. September erscheint nun das heiß ersehnte Debütalbum "Die ganze Welt ist ein Rammelhof!", dazu gibt es noch drei exklusive Live-Shows im Wiener Rabenhof-Theater. Grund genug, um uns bei General Geri über Neues und Allfälliges zu erkunden.

"Krone": Völlig unfreiwillig habt ihr es im Laufe der letzten Monate zu einem künstlerischen PR- Wunder geschafft, indem das Video zu eurem satirischen Politsong "Wladimir (Put Put Putin)" trotz Sprachbarriere zu einer Art Hymne für die ukrainische Bevölkerung wurde, bis zu 200.000 Klicks pro Tag lukrierte und schlussendlich von YouTube wegen Sittenverstoß entfernt wurde. Wie lang hat es gebraucht, all diese Vorkommnisse zu realisieren und was denkt ihr jetzt – mit einigen Monaten Abstand vom Trubel – darüber?
General Geri: Das war wirklich eine absolut irre Sache! Dass ein österreichischer Dialekt- Song in der Ukraine und auch Russland dermaßen einschlägt, hätten wir uns nie und nimmer gedacht! Wir haben mit dem Song und dem Video anscheinend den Nerv der Ukrainer getroffen. Übrigens wurde der Song nicht wegen Sittenverstoß, sondern wegen der Russian Cyber Army für ein paar Tage offline genommen. Nach einer Prüfung durch YouTube war klar, dass das Video absolut okay ist und deshalb kann man das Video weiterhin auf YouTube bewundern. Nachträglich gesehen war es eine gute Sache diesen Song zu machen, weil wir dadurch auf die Probleme und das Leid der Menschen in den umkämpften Gebieten in der Ukraine hingewiesen haben. Obwohl wir natürlich auch sehr viel einstecken mussten. Es gab zahlreiche Drohungen im Internet gegen uns, aber wir haben den Rummel gut überstanden.

"Krone": Was bei eurem großen Durchbruchssong ein bisschen untergegangen ist, ist auch die Kritik an Obama, Merkel und Co. – die großen Politgranden, die lenken und denken. Stört euch das ein bisschen, dass dieser Teil der Botschaft schlussendlich nicht so stark mitschwang?
General Geri: Ja das stört uns schon! Der Song "Wladimir" wurde teilweise missverstanden. Wer sich den Text genau durchliest wird merken, dass das kein Anti- Putin- Song ist, sondern dass wir auf ein anderes Problem hinweisen wollten: Nämlich die Sehnsucht vieler Menschen nach einer starken Führung. Und da haben wir den Herrn Putin als prominentes Beispiel herangezogen. Im Refrain werden aber auch Merkel und Obama erwähnt.

"Krone": Nachdem ihr international für so viel Aufsehen gesorgt habt – warum gibt's keinen englischen Song von euch? Wäre es nicht interessant, in dieser Form am Erfolg anknüpfen zu wollen?
General Geri: Das ist so eine Sache mit dem Erfolg: Je mehr man ihn will, desto weniger wird's meistens was. Wir haben uns beim Song "Wladimir" auf gut österreichisch gesagt "nix gschissn" und einfach einen lustigen Song und ein irres Video gemacht, und ich denke, dass gerade deswegen der Song eine enorme Wirkung hat. Wir sind halt eine österreichische Dialekt- Band und wenn wir jetzt plötzlich englisch singen würden, dann wäre das einfach nicht mehr Rammelhof.

"Krone": Mit dem Song habt ihr dann auch den FM4- Protestsongcontest 2015 gewonnen. Was bedeutet euch diese Auszeichnung, welchen Stellenwert hat sie für euch?
General Geri: Der Sieg beim Protestsongcontest bedeutet uns sehr viel! Es gibt doch schon so viele oberflächliche und verlogene Casting- Shows, wo die Künstler missbraucht werden. Der Protestsongcontest ist ein Bewerb wo es wirklich noch um eine Botschaft geht. Das was den Rock'n'Roll eigentlich ausmacht.

"Krone": Kommen wir jetzt zu euch – ihr habt euch Pseudonyme und eine Bundesheer- Vergangenheit gegeben. Worin liegt in diesem Bereich die Faszination für euch? Warum stellt sich Rammelhof genau in dieser Art und Weise dar?
General Geri: Wir sind keine oberflächliche Bussi- Bussi- Band, sondern wir wollen mit unseren Songs auch Dinge ansprechen, die aus unserer Sicht schief laufen. Musikalische Gewalt ist unser Motto und das passt irgendwie zum militärischen Look.

"Krone": So mancher bezeichnet euch als "spitzere EAV". Würdet ihr dem zustimmen? Sind eure Texte wirklich spitzer und in gewissen Teilen auch provokativer als die von EAV- Songschreiber Thomas Spitzer?
General Geri: Mit der EAV verglichen zu werden fassen wir als großes Kompliment auf! Ich denke unsere Texte sind teilweise doch ein bisschen "brutaler und direkter" als die von der EAV, wobei es auch sehr viele Gemeinsamkeiten gibt. Im Grunde geht es uns darum, die Leute mit guter Musik zu unterhalten, aber auch zum Nachdenken zu bewegen.

"Krone": Rammelhof ist ein kleiner Ort im Waldviertel in der Nähe von Allentsteig. Inwieweit hat sich eure Bekanntheit, euer Erfolg auf den Ort selbst ausgewirkt? Habt ihr eigentlich eine besondere Beziehung oder einen Kontakt zu den dortigen Ortschefs?
General Geri: Es gibt im Waldviertel zwei Ortschaften mit den Namen Rammelhof. Eines in der Nähe von Allentsteig und eines 30 Kilometer westlich von Zwettl in Niederösterreich, genau an der Grenze zu Oberösterreich. Und zu diesem Rammelhof haben wir tatsächlich eine starke persönliche Beziehung. Daher kommt auch der Bandname. Aus Angst vor diplomatischen Verwicklungen mit Russland nach dem medialen Trubel ausgelöst durch "Wladimir" wollte Erwin Pröll die Ortschaft an Oberösterreich abgeben, aber Beppi Pühringer hat sich mit Händen und Füßen gewehrt und so wird Rammelhof möglicherweise zum eigenständigen und zehnten Bundesland Österreichs!

"Krone": Was hat es eigentlich mit dem Panzer auf sich, der überall bei euch zu entdecken ist?
General Geri: Wir lieben militärische Fahrzeuge und es war klar, dass wir als Band einen Panzer brauchen! Die Hypo Alpe Adria hat uns dieses Fahrzeug finanziert. Damals hat die Bank ja sehr großzügig Kredite vergeben und so konnten wir uns den Panzer leisten.

"Krone": In Kürze erscheint nun endlich euer Debütalbum mit dem klingenden Namen "Die ganze Welt ist ein Rammelhof". Warum denn eigentlich und wie ist das zu verstehen?
General Geri: Die Sexualität ist ein zentraler Bestandteil vieler Lebewesen auf der ganzen Welt. Und deswegen ist die ganze Welt einfach ein Rammelhof!

"Krone": Was schon nach dem ersten Hördurchlauf auffällt ist, dass ihr nicht viel von sinnlosen Texten und Füllmaterial haltet, sondern gerne Themen und Botschaften wiedergebt, mit der sich jedermann auseinandersetzen kann. Fließt da viel eigene Wut, eigenes Unbehagen ein?
General Geri: Ja auf jeden Fall! Wir sind über viele Dinge sehr wütend und das hört man auch in unseren Song- Texten. Die Liste der "Wappler", die viele Probleme verursachen, ist leider sehr sehr lang!

"Krone": Manche Songs scheinen auch direkt miteinander verbunden zu sein. So prangert ihr etwa in "Wladimir (Put Put Putin)" als auch in "NSA" fehlendes Demokratiebewusstsein an. Wie steht es darum bei uns in Österreich? Ängstigen euch Umfragen und Studien bei den Einwohnern, in denen oft die "starke Hand" gewünscht wird?
General Geri: Ja, das war der Grund, warum wir "Wladimir" geschrieben haben. Nach vielen Gesprächen mit verschiedensten Leuten hört man immer wieder den Satz: "Eine gemäßigte Diktatur wär auch bei uns nicht schlecht". Und das macht uns Angst! Diese Leute wissen nicht, wie es in einer Diktatur so ist.

"Krone": Ein heißes Thema ist auch eure zweite Single "Hackln", in der ihr die Probleme des kapitalistischen Wirtschaftssystems aufwerft. Ist der Song eine Ode an die Freizeit, das Entspannen und Zurücklehnen? Ist uns das überhaupt möglich in Zeiten, wo es mehr Menschen als Jobs gibt und man oft nur mehr als Berufsmaschine funktionieren muss?
General Geri: Bei "Hackln" geht es in erster Linie um die Ungerechtigkeiten im Steuersystem: Arbeit wird wesentlich höher besteuert als Vermögen. Und weiters geht es auch um die Ausbeutung, die viele Firmen betreiben. Das Überangebot an Arbeitskräften wird rücksichtslos ausgenutzt: Die Leute müssen für Dumping- Löhne schuften und können Ihre Familien trotzdem nicht ernähren. Und das stinkt uns gewaltig!

"Krone": Entwickelt sich die Gesellschaft in der Work/Life- Balance mittlerweile wieder in die richtige Richtung? Immerhin wird doch gerne von der "Generation Z" gesprochen, die keine enge Bindung mehr zu einzelnen Unternehmen aufbaut und lieber weniger verdient, dafür aber mehr Freizeit genießt.
General Geri: Es gibt leider nur wenige "Hackler", die sich eine vernünftige Work/Life- Balance leisten können. Die meisten müssen hart schuften, um finanziell halbwegs über die Runden zu kommen. Aber es gibt auch viele positive Beispiele bei uns in Österreich, wo Firmen kapiert haben, dass nur zufriedene Mitarbeiter auch eine gute Leistung abliefern können.

"Krone": Anschließen will ich zu diesem Thema den Song "Da Papa wird's richten". Habt ihr da auch persönliche Erfahrungen damit gemacht? Seht ihr bei manchen jungen Menschen gar fehlenden Ehrgeiz, sich selbst etwas aufbauen zu wollen, etwas erreichen zu wollen? Wird ihnen das "zum Papa gehen" zu leicht gemacht?
General Geri: Beim diesem Song geht's eigentlich um ganz was anderes: Nämlich um die gierigen Investment- Banker, die die Wirtschaftskrise der letzten Jahre verursacht haben und in keinster Weise zur Rechenschaft gezogen werden! Der Song ist aus der Sicht eines Investment- Bankers gesungen, der dem "Sepp" das hart verdiente Geld aus der Nase zieht, dann in einem Hedgefonds versenkt und dann keine Verantwortung übernehmen will, weil "da Papa wird's schon richten"! Der Papa ist in diesem Fall der Staat, also wir Steuerzahler! Die Textzeile "owa leider hat's der Lindwurm gfressn" zeigt, dass beim Textschreiben die Hypo Alpe Adria eine wichtige Rolle gespielt hat. Wie hier die Steuerzahler betrogen und verarscht wurden und werden, ist einfach beispiellos!

"Krone": Die Themenpalette ist extrem reichhaltig – neben Politischem und Gesellschaftskritischem gibt es dann am Ende auch noch einen Song namens "Geburt", wo eben selbige in verschiedenen Facetten beleuchtet wird. Ziemlich eigenartiges Songthema oder nicht?
General Geri: Ja in der Tat, aber wir sind halt eine Band, die auch ungewöhnliche Themen behandelt. Wobei "Die Geburt" jeden von uns betrifft - ob jetzt als Mutter, Vater oder Baby, das sich durch eine enge Ritze ins Freie quetschen muss.

"Krone": Was ist eigentlich der Grund, dass man in Österreich vor allem mit Dialekt und bissigem Humor so viel Erfolg hat?
General Geri: Dialekt und bissiger Humor ist einfach geil! Die Menschen lieben das und wenn das Ganze in gute Musik verpackt ist, dann kann man hier viel erreichen.

"Krone": EAV, Alkbottle, Drahdiwaberl, Rotzpippn, Turbobier – im weitesten Sinne könnte man auch Rammelhof in diese Riege einreihen. In welchen Bereichen ähnelt ihr solchen Bands und wo schert ihr völlig aus der Schiene aus?
General Geri: Ja, wir sehen uns da tatsächlich auf einer Linie mit diesen Bands. Die ziehen alle ihr Ding kompromisslos durch und sie lieben den österreichischen Dialekt. Auch bei uns trifft das zu. Was uns unterscheidet ist jedoch die Tatsache, dass wir eine fesche Sängerin haben! (lacht)

"Krone": Wie wollt ihr denn, dass die Band Rammelhof von den Menschen wahrgenommen wird? Fürchtet ihr, dass eure kritischen Themen hinter der humorig angehauchten Fassade ins Hintertreffen geraten?
General Geri: Wir wollen keine "Finger zeig"- Band sein, sondern wir wollen die Leute mit guter Musik unterhalten. Und eben nebenbei auch ein paar kritische Themen rüberbringen. Nach dem Besuch eines Rammelhof- Konzerts soll jeder sagen: "Was für kranke Säcke sind das nur? Die schauen wir uns wieder an!"

"Krone": In Kürze gibt's dann auch "Putin's Nightmare - Die Rammelhof- Show" im Wiener Rabenhof- Theater zu sehen. Was genau kann man sich davon erwarten und fühlt ihr euch in so einem Rahmen anders als live auf der Bühne?
General Geri: Das wird eine absolut irre und geile Live- Show! Eigentlich ein typisches Rammelhof- Konzert mit einer fetten Show und außerdem kommt Herr Putin persönlich zur Show und ich denke, so etwas hat's noch nie gegeben! Also unbedingt hinkommen!

"Krone": Wie geht's in näherer Zukunft mit Rammelhof weiter? Was sind eure näheren Ziele und glaubt ihr, ihr werdet weiterhin so stark vom Erfolg beglückt?
General Geri: Wir werden auf jeden Fall weiterhin Vollgas geben und unser Ding durchziehen! Und in ein paar Jahren werden wir am Rock- Olymp stehen!

"Putin's Nightmare - Die Rammelhof- Show" kann insgesamt dreimal im Wiener Rabenhof- Theater bewundert werden. Premiere ist am 15. September, weitere Vorstellungen gibt es am 25. September und am 3. Oktober. Tickets erhalten Sie unter 01/960 96 999 oder im "Krone"- Ticketshop .

08.09.2015, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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