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04.12.2016 - 01:25
Foto: SPV/Steamhammer

Kyle Gass: "Ich bin hier, um die Leute zu rocken"

08.05.2015, 17:00
Mit Mitte 50 noch eine Quasi-Solokarriere zu starten, kann man mutig oder wahnsinnig nennen. Bei Kyle Gass, der musikalischeren Hälfe des legendären Rock-Kabarett-Duos Tenacious D, sind die Sorgen aber unbegründet, denn mit seiner Kyle Gass Band geht er auf dem Debütalbum eigenständig genug vor, ohne aber die humoristische Note seines Hauptprojekts außen vor zu lassen. Wir haben den sympathischen Musiker zur Seite genommen, um über das zeitweilige Schattendasein hinter Jack Black, Frauen in Rockbands und Tiger mordende Republikaner zu sprechen - natürlich nicht ohne eine gehörige Dosis Ironie zwischen den Zeilen.

"Krone": Kyle, unter dem Banner Kyle Gass Band hast du unlängst dein Debütalbum veröffentlicht. Wer ist denn nun "die größte Band der Welt"? Tenacious D oder KGB?
Kyle Gass: Puh, es wäre vermessen hier meine Meinung abzugeben, denn das müssen schon die Leute da draußen entscheiden. Das sind zwei verschiedene Geschmacksrichtungen, so wie Vanille und Erdbeere. Mit Tenacious D sind wir schon lange sehr erfolgreich unterwegs, insofern ist die Frage wohl zu einem Teil beantwortet. Aber hey – wir werden sehen.

"Krone": Wo sind denn die größten Unterschiede zwischen den beiden Bands verortet?
Gass: Es liegt hauptsächlich am Arbeitsprozess. Bei The D nehmen Jack und ich die Songs meist zusammen in einem Raum auf. Bei KGB singe ich die Lead- Vocals und kann die Songs entweder alleine oder mit den anderen Jungs schreiben. Es ist mehr ein Teamprojekt. Die größten Ähnlichkeiten gibt es aber mit Sicherheit beim Humor – der ist für beide Bands unheimlich wichtig. KGB sind sicher auch keine ernsthafte Band.

"Krone": Ich finde schon, dass KGB musikalisch etwas ernsthafter klingen.
Gass: Ach? Tatsächlich? KGB – wir sind übrigens kein russischer Geheimdienst, das ist nur ein Akronym. Ich bin kein Fan von Wladimir Putin und schätze nicht, was er macht. (lacht) Zurück zum Thema – vielleicht hast du recht. Es liegt vielleicht daran, dass wir bei KGB mehr Classic- Rock- Riffs haben, aber die Texte sind von Humor durchzogen.

"Krone": Der letzte Track auf dem Album, das siebenminütige Opus "Gypsy Scroll", hat aber eine erstaunliche kompositorische Reife.
Gass: (lacht) Ich weiß schon, was du meinst. "Gypsy Scroll" ist ein bisschen augenzwinkernd zu beobachten. Es war sicher nicht unsere Intention, den Song ernst klingen zu lassen – ich kann aber auch damit leben, wenn dem so wäre.

"Krone": Bist du verantwortlich für alle KGB- Texte?
Gass: Um Gottes Willen, nein. Wir spielen uns den Ball gegenseitig zu und schauen, dass alles möglichst im Team passiert. Ich wollte kein Soloprojekt mit Mietmusikern machen. Es sind lauter Leute aus meinem Freundeskreis dabei, die auch bei Sasquatch spielen und mit uns schon seit Jahren unterwegs oder befreundet sind. Mit unserem Bassisten habe ich schon seit Urzeiten Kontakt, aber es hatte nie gepasst. Jetzt war die Möglichkeit da, endlich auch zusammenzuarbeiten. Die Freundschaft, aber eher auch die Musikalität sind entscheidende Punkte, um eine erfolgreiche Band zu haben. Hast du schon in Bands gespielt?

"Krone": Ich war immer schon zu schlecht, um in Bands zu spielen.
Gass: (lacht) Punk Rock schaffen alle. Aber für mich ist Freundschaft in einer Band wichtig, schließlich musst du verdammt viel Zeit mit den anderen verbringen.

"Krone": Du bist bei KGB jedenfalls der Hauptprotagonist. Fürchtest du, dass sich am Ende alles zu stark auf dich zentriert?
Gass: Das ist tendenziell möglich. Jack kennt das ja schon von Tenacious D, schließlich ist er ein großer Filmstar. Die Presse wirft sich immer auf die berühmte Hälfte eines Duos, insofern konnte ich diesen Prozess schon länger beobachten. Ich wollte die Band nicht "Kyle Gass & Soundso" benennen. Das war kein Thema. Bei KGB werde ich viel mehr Lead- Vocals singen und muss nicht mehr die ganze Zeit Gitarre spielen. Ich werde auch wieder auf die Flöte zurückgreifen. Für mich ist das lustig und angenehm, denn es gibt auch Songs, in denen ich gar nicht viel zu tun habe. Da muss ich nur herumtanzen – ich mag das, diese Basketball- Team- Atmosphäre. Die besten Teams spielen sich die Bälle immer zu.

"Krone": Du bist ja dafür verantwortlich, dass die Flöte eigentlich wieder ein respektiertes Hard- Rock- Instrument wurde.
Gass: (lacht) Ist das so? Man respektiert mich dafür? Es ist jedenfalls ziemlich einzigartig und daher auch witzig. Ich habe die Flöte zu Hause schon immer aus Spaß gespielt und irgendwann habe ich das halt aufgenommen und auf die Bühne projiziert. Es geht nicht immer nur um die teuersten Instrumente, die Musik kann auch von so profanen Sachen wie eben dieser Flöte kommen. Ich kaufe auch oft Aufnahmegeräte um fünf Dollar und verschenke sie dann ans Publikum. Für mich muss Musik immer auch ein bisschen Spiel sein.

"Krone": Wie viel Seele deines alten Nebenprojekts Trainwreck steckt in der KGB?
Gass: Zweifellos eine ganze Menge. Ich denke, KGB würde es ohne Trainwreck überhaupt nicht geben. Gitarrist John Konesky ist das letzte Mitglied, dass die Sache von Trainwreck zu KGB überlebt hat und wir haben auf allen Ebenen wirklich viel gelernt über die Jahre. Wir sind mittlerweile ziemlich selbstsicher und ich denke, die Leute werden diese Verbindung auch fühlen. Natürlich habe ich die Band zusammengesucht, aber als Team sind wir einfach lustig und großartig. Ihr werdet es sehen. Ich liebe es einfach, die Leute zu rocken und zu spielen. Selbst wenn nur eine Handvoll zusehen oder wir einfach nur proben – es macht einfach Spaß.

"Krone": Ist es noch zeitgemäß, die Leute zu rocken, wenn man sich die Mainstream- Charts mit all den Electro- und R&B- Songs so ansieht?
Gass: Ich habe keine Ahnung, ich kümmere mich nicht darum. Wenn du 100.000 Kids auf ein Feld stellst, kann es schon passiert, dass du von dem einen oder anderen furchtbare Musik aus dem iPod dröhnen hörst. Das ist mir aber egal. Ich bin da wohl altmodisch. Ich bevorzuge echte Instrumente, Melodien und griffige Hooks. Wie heißen die Typen mit den Masken noch mal schnell?

"Krone": Slipknot? Murderdolls?
Gass: Nein, die mit den Helmen.

"Krone": Daft Punk.
Gass: Ja genau, die meine ich. Die mag ich zum Beispiel extrem gerne, obwohl sie außerhalb meines üblichen Interessensfeldes liegen. Ich denke, wenn sich jemand auskennt und weiß, was er tut, dann schafft er es mit allen Arten von Musik, gut zu klingen.

"Krone": Meiner Meinung nach hast du auf dem KGB- Album einen gewissen Kid- Rock- Vibe.
Gass: Kid Rock? Er ist Republikaner. (lacht) Aber er mag es zu rocken, insofern hinkt der Vergleich vielleicht gar nicht.

"Krone": Ich glaube auch nicht, dass man dich in näherer Zukunft auf Fotos mit ermordeten Tigern sieht.
Gass: (lacht) Ich würde nicht behaupten, dass wir wirklich große Kid- Rock- Fans wären, aber ich bin natürlich offen für seine Songs. Bei Tenacious D haben wir ihn auch mal getroffen, er ist eigentlich ein ziemlich netter Kerl, ich kann nur mit seiner politischen Einstellung nichts anfangen. Republikaner sind einfach die Feinde.

"Krone": Damit kann man wohl auch Kooperationen von dir mit Ted Nugent ausschließen.
Gass: Darauf kannst du Gift nehmen. Ich weiß gar nicht, was ich zu dem sonst noch sagen soll. Du hast eigentlich eh schon den Großteil der republikanischen Musiker benannt. Meat Loaf ist auch Republikaner. Damit hast du wohl nicht gerechnet was? (lacht)

"Krone": Tatsächlich nicht. Kommen wir noch einmal zum Humor zurück – ist der in KGB anders als bei Tenacious D?
Gass: Wahrscheinlich ist das schon so, aber ich habe das bislang nicht wirklich analysiert. Möglicherweise. Das ist doch eine schöne Herausforderung für die Hörer. Beide rocken, aber bei The D haben wir mehr Akustikgitarren, sind wir mehr auf Heavy- Metal- Folk. Die Kyle Gass Band ist eher eine traditionellere Gitarrenrockband.

"Krone": Ein Song auf dem Album nennt sich "Bro Ho". Was ist für dich die perfekte "Bro Ho"?
Gass: Das ist ja ganz logisch. Sie kann alles. Sie näht deine Jeans, sorgt sich um dich, kocht dir das Abendessen und spielt mit dir Videospiele. Sie ist eben ein "Bro" und eine "Ho".

"Krone": Aber dann brauchst du ja keine männlichen Freunde mehr.
Gass: So weit würde ich jetzt nicht gehen – das ist gefährliches Gebiet. (lacht)

"Krone": Interessant ist ja, dass du mit Tenacious D in den USA schon ewig erfolgreich bist, der große Durchbruch in Europa aber 2012 mit eurem letzten Album "Rize Of The Fenix" kam. Hohe Chartplatzierungen, Headliner- Slots bei Festivals, viel mediales Interesse.
Gass: Wir haben eigentlich von Anfang an gedacht, dass die Sprachbarriere das größte Problem sein wird. Deshalb haben wir erst auch nur in Großbritannien gespielt. Irgendwann haben wir realisiert, dass die Menschen vielleicht nicht jedes Detail unseres Humors verstehen, aber das große Ganze durchaus gut finden. Da haben wir dann angefangen, in ganz Europa zu touren. Mittlerweile hat sich das fast schon so gedreht, dass wir hier erfolgreicher als zu Hause sind. Ihr Leute seid hier wohl auch ein bisschen klüger als wir Amis. (lacht)

"Krone": Hat sich Jack eigentlich dein KGB- Album schon angehört? Was sagt er dazu?
Gass: Natürlich. Er hat die CD als Erster bekommen. Er ist wirklich eifersüchtig und ganz und gar nicht begeistert über… nein, Scherz. (lacht) Er unterstützt dies Projekt wirklich gut und macht ja selber unendlich viele Projekte. Es ist Teil des Geschäfts und Spaßes. Ein Mitgrund, dass ich KGB gegründet habe, war auch, dass ich mehr live spielen will. Jack hat viele Filmprojekte und eine Familie mit zwei Kindern – so kann ich die Pausen mit Tenacious D nun für mich sinnvoller füllen. Ich muss aufpassen, wie ich das formuliere. Ich will ja auch nicht zu viel touren.

"Krone": Wenn du an Songs arbeitest, wie entscheidest du, welcher Song für welche Band geeignet ist?
Gass: Das ist eine sehr gute Frage, die ich wirklich kaum beantworten kann. Am einfachsten zu erklären ist es damit: Bei Tenacious D müssen wirklich Jack und ich gemeinsam in einem Raum sein. Es gab schon Momente, wo ich mit Riffs ankam, aber da ich die anfangs alleine schrieb, wusste ich wirklich nicht, ob sie dann Tenacious- D-kompatibel sein würden. Eigentlich habe ich auch nicht genug Songs, um mir diesbezüglich so viele Gedanken machen zu müssen.

"Krone": Bei Tenacious D sind Witz und gute Laune auf der Bühne essenziell. Wie zwingt ihr euch dazu, wenn ihr mal einen richtig beschissenen Tag habt?
Gass: Da muss dann natürlich das Schauspiel einsetzen. Im Prinzip ist das Konzert an sich aber immer der beste Teil des Tages. Es ist einfach großartig, sich für ein oder zwei Stunden auf die Bühne zu stellen, und wir haben einfach Riesenglück, dass das so viele Leute interessiert. Das muss man auch mal genießen. Wenn du die Leute siehst, gibst du automatisch dein Bestes, das ist dann gar nicht so schwer.

"Krone": Kriegen Jack und du euch backstage auch mal in die Haare, nachdem ihr euch doch rund um die Uhr zusammen bewegt?
Gass: (lacht) Mit Sicherheit sogar, aber jedes Mal, wenns hinten kracht und wir uns mal uneinig oder einfach nur genervt sind, wird die darauffolgende Show besonders gut. Das war bislang immer so und ich habe keine Ahnung, warum das so ist. Im Prinzip kommen wir aber gut miteinander aus. Das ist nicht so oft der Fall, dass es Wirbel gibt.

"Krone": Gäbe es theoretisch Platz für ein drittes fixes The- D-Mitglied? Möglicherweise eine Frau?
Gass: Bei Tenacious D? Bist du wahnsinnig? Der Mann spricht in fremden Zungen, unfassbar. (lacht) Nein, das wäre wirklich absolut unrealistisch.

"Krone": Was ist das große Geheimnis der guten Beziehung zwischen dir und Jack?
Gass: Ich denke, ich bin einfach ein guter Vermittler von Ideen und erschaffe die richtige Stimmung und Umgebung für Jack. Er ist ein hervorragender Musiker und Schauspieler und ich sehe mich eher als Unterstützer von ihm. Wir wollen beide gute Songs schreiben und wetteifern auch noch in anderen Bereichen. Das tut uns aber gut und ist wichtig. Wir haben aber nur drei Alben in 20 Jahren zustande gebracht. (lacht) Die Schnellsten sind wir sicher nicht.

"Krone": Aber ihr arbeitet doch gerade wieder an neuem Material.
Gass: Ja, aber wir haben wirklich erst angefangen und da fehlt noch viel. Wir haben aber schon ein paar Titel, was ja nicht so unwichtig ist für den Anfang. Schauen wir mal, was passiert. Ich bin jedenfalls sehr stolz auf das, was wir bislang erreicht haben.

"Krone": Ein sehr sonderbares Markenzeichen der KGB ist übrigens das T- Shirt mit den Socken in den Flip- Flops. Was hat es mit dieser modischen Besonderheit auf sich?
Gass: Ich würde es nicht zwingend als Mode bezeichnen. Für mich ist das einfach praktisch und angenehm, auch wenn ich dadurch an den Füßen schon auch viel schwitze. (lacht)

Die Kyle Gass Band ist am Samstag, 9. Mai, live in der Wiener Szene zu sehen. Karten sind noch an der Abendkassa erhältlich.

08.05.2015, 17:00
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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