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03.12.2016 - 22:05
Foto: Reinhard Holl

Die zwei von "Wennst amoi no so ham kummst..."

16.01.2016, 17:00

Dem Song "Ham kummst" entkommt man zurzeit nicht, keine Skihütte funktioniert derzeit ohne den Hit des österreichischen Popduos Seiler & Speer. Doch hinter den beiden steckt mehr als ein Partysong, wie sie uns im ausführlichen Interview erklärten.

Mit einem Sommerhit konnte 2015 nicht aufwarten, dafür gibt es jetzt einen richtigen Winter- Ohrwurm - und dafür haben wir ausnahmsweise nicht die amerikanischen Hitschmieden gebraucht, der kommt ehrlich und handgemacht mitten aus dem niederösterreichischen Bad Vöslau. Von Skihütte bis Schickimicki- Lokal, "Ham kummst" aus der Feder des Pop- Duos Seiler & Speer, diesem verkaterten Wehschrei eines Säufers, der von seiner Frau rausgeschmissen wurde, entkommt zurzeit niemand.

Kabarett- & Musikkunst

Schon seit Monaten wächst die Fanbase von Kabarettist Christopher Seiler und Filmemacher Bernhard Speer. Zuerst durch ihre satirische Web- Serie "Horvathslos": Ihr Anti- Held Anton Horvath wurde zum riesigen YouTube- Hit. "Die Serie ist eine Persiflage auf die Reality- Dokus, in denen man Leute von der Straße hernimmt und zum Deppen macht. Und die glauben dann, sie sind Stars. Für mich ist das moderne Sklaverei", erklärt Seiler im "Krone"- Interview. Den wirklich großen Durchbruch schaffte das Kreativ- Duo mit seiner Musik - und spätestens seit "Ham kummst" spielen die beiden in einer Liga mit der "Neuen Österreichischen Welle", wie es die "Süddeutsche" so treffend bezeichnete.

Der Hype um die beiden ist so groß wie um Wanda und Bilderbuch. Immerhin verdrängten Seiler & Speer sogar Chartskönigin Adele vom Thron - während in ganz Europa ihr "Hello" an die Spitze kletterte, prostete man in Österreich dem amüsanten Abgesang auf eine durchzechte Nacht auf Platz eins zu. "Das war ein bisschen wie David gegen Goliath", lacht Seiler. "Die große Major- Label- Industrie gegen uns Kleine. Das hat uns schon gefreut. Noch mehr freut uns aber, dass nun auch unser Album Nummer eins in den Charts ist."

Retter des Austropop

Wirklich verwundern tut sie ihr Erfolg aber nicht, denn die Zeit ist sichtlich reif für würdige Nachfolger des großen Austropop- Erbes von Danzer, Ludwig Hirsch, Ambros & Co. "Das ist ein Erbe, das wir gerne annehmen", stellen sie sich der Herausforderung. "Das Verlangen nach heimischer Musik war auch in den vergangenen Jahren da, aber es braucht halt Bands, die polarisieren. Bei Musikern, die es allen recht machen wollen und nur Songs zum Drüberstreuen machen, bleibt der Erfolg halt aus. Wir haben kein Image kreiert, waren immer authentisch", erklärt sich Seiler den großen Erfolg. "Es gab Auftritte von uns, da waren wir sternhagelvoll. Es ist aber gut gegangen, weil wir eh funktioniert haben. Das ist ehrlich - und das wollen die Menschen, wir sind eh den ganzen Tag von Plastikklischees umgeben. Wenn alles aus Plastik ist, sticht etwas aus Holz heraus."

Das gefällt auch den alten Granden der Branche - bei ihrem ausverkauften Konzert im Wiener Gasometer wurde u. a. Horst Chmela gesichtet, und auch Wolfgang Ambros outete sich als Fan. "Wir treten sogar gemeinsam mit ihm bei seinem Open- Air in Purkersdorf auf, er hat uns gefragt, ob wir zwei Songs mit ihm singen - ihm taugt, was wir machen", erzählt Seiler nicht ohne Stolz. "Und sein Sohn Matthias ist bei uns Schlagzeuger, aber das war nicht geplant", lacht Speer.

Humor mit viel Tiefgang

Dass zurzeit kein Après- Ski- Besäufnis ohne sie auskommt, ist dabei ein kleiner Wermutstropfen für die beiden. "Wir sind sicher keine Partymusiker, das ist nicht unsere Welt. Wir werden auch garantiert nicht in Lederhosen im Bierzelt auftreten", sind sie sich einig. "Für uns war die Melancholie in unserer Musik immer schon sehr wichtig, bei ,Ham kummst' ist nur das Video humoristisch, der Song an sich ist ja eigentlich tieftraurig. Viele ignorieren total, dass der Protagonist zugrunde geht. Aber das Thema Alkohol wird in Österreich ja immer mit Humor gesehen, dabei ist es eine ernste Angelegenheit, eine ernste Sucht. Aber bei uns wird's mit einer gewissen Romantik verklärt. Jeder weiß, dass Alkohol schädlich ist - aber irgendwie versinkt man darin, wie in Selbstmitleid."

Jetzt springt auch noch Deutschland auf den Erfolgszug auf. "Das wundert uns wirklich, dafür haben wir überhaupt nichts gemacht. Wir werden sogar in Norddeutschland im Radio gespielt - keine Ahnung, ob die uns verstehen. Aber eines ist sicher: Wir werden garantiert nicht auf Hochdeutsch singen."

16.01.2016, 17:00
Franziska Trost, Kronen Zeitung
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