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27.07.2017 - 01:02

Bryan Adams im Interview

12.03.2008, 22:01
Ein Klassiker kehrt zurück. Drei Jahre nach „Roomservice“ meldet sich Bryan Adams mit neuer Platte und neu entdecktem Rocksound wieder. Sein elftes Album nennt er schlicht „11“ und serviert darauf exakt 11 feine Songs. krone.at besuchte Bryan Adams in seinem Heim in England.

Bryan Adams hat für Pomp nicht viel übrig. Das Büro neben seinem kleinen Londoner Haus im Kultviertel Chelsea hat er schlicht, aber elegant eingerichtet. Auf einem gemütlichen, weißen Sofa wird er heute mehrere Interviews geben, davor steht ein massiver Tisch mit einem Überzug, der aussieht, als wäre er aus einem Dutzend abgetragener Lederjacken gemacht. Auf dem Klo - wenn man schon mal bei Bryan Adams ist... - hängen ein paar Bilder seiner Fotoshootings für die Tierschutzorganisation PeTA. "Nichts großes", sagt er später. Die wichtigen Bilder habe er im Haus oder bei Ausstellungen.

Für seine Gäste holt eine Schüssel Chips, den Kaffee macht er selbst. Total bodenständig. Nur draußen vor der Tür erkennt man den Superstar hinter dem so bescheiden wirkenden Sänger: Da parkt nämlich neben einem Mini auch ein dicker Jaguar.

So geradlinig und schnörkellos wie seine Möbel ist auch seine Musik. Auf Experimente verzichtet Adams auf seinem neuen Album, eher kehrt er wieder zu seinen rockigen Wurzeln zurück, spielte neben seinen alten Kumpanen Keith Scott (git) und Mickey Curry (dr) mit ausgewählten Musikern wie dem Slide- Gitarristen Collin Cripps und nahm einen Song ("Mysterious Ways") fast zur Gänze in einem Hotel in Dublin auf. Bei den restlichen Stücken auf "11" wurden wie beim Vorgänger "Rommservices" zumindest die Demos in Hotels aufgenommen und danach im Studio verfeinert.

Anfang März spielt Bryan Dams 11 exklusive Solo- Konzerte in 11 ausgewählten Städten. Am 16. März auch in Wien, Tickets gibt es nur über eine Verlosung von Hitradio Ö3.

11 klingt organischer als die Alben davor, war das ein Wunsch?

BA: Ich hatte eigentlich vor, bei 11 ein rein akustisches Album zu machen. Die Songs habe ich wieder in Hotelzimmern und während der Tour aufgenommen. Als wir gerade in Nebraska spielten und mich die karge Landschaft in dieser Gegend übermannte, entschied ich mich wieder anders. Ich wollte jetzt doch ein Album machen, das Fans von mir erwarten, ein Rock- Album. Das einzige Relikt der akustischen Songs ist "Walk On By". Der passte irgendwie sehr gut zu den anderen Songs, wenn aber alle anderen auch so klingen würden, wäre es nicht Bryan Adams.

Deine neue Single heißt "I thought I’d seen everything" – auf deinen Tourneen hast du wirklich fast schon alles gesehen. Was überrascht dich noch?

BA: Wenn du durch fremde Länder reist, enden die Überraschungen eigentlich nie. Du entdeckst immer neue Dinge. Was mich dennoch überrascht ist, dass es mir immer noch Spaß macht, diese Strapazen auf mich zu nehmen. Ich werde im März elf Shows in elf Städten in elf Tagen spielen – es wird anstrengend werden, aber ich kann nicht anders. Es macht mir einfach Spaß.

Ist 11 nun eine magische Nummer?

BA: Jein. Es passte diesmal einfach. Für die nächsten paar Wochen wird mich die elf aber mit Sicherheit als magische Zahl begleiten.

Ist es für dich schon zur Gewohnheit geworden, in Hotelzimmern aufzunehmen?

BA: Ja, es sieht so aus, nicht? Manchmal geht es einfach nicht anders. Zwischen den Konzerten hast du oft so viel Freizeit, aber eben nicht genug, um größeren Dinge zu unternehmen. Als tust du das, was dir am sinnvollsten erscheint: Du bleibst in deinem Hotelzimmer und schreibst Songs!

Hast du schon Vorlieben für bestimmte Hotels entwickelt?

BA: Nein, nicht wirklich. Sie klingen irgendwie alle gleich. Dank der modernen Tontechnik ist es schon längst nicht mehr notwendig, alles in einem Studio aufzunehmen.

Im Song "Tonight We Left The Stars" singst du "We were young and we were foolish", eine Zeile, die in vielen Bryan- Adams- Songs vorkommt. Vermisst du die alten Zeiten?

BA: Nein, mit Sicherheit nicht. Aber sie haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich jetzt bin. Ich werde oft gefragt, ob ich in jungen Jahren wirklich so ein wilder Typ war. Ja, wer war als junger Mensch nicht wild!? Das bringt die Jugend mit sich. Ich mag es, über diese Zeiten zu philosophieren, aber ich weine ihnen nicht nach. Ich lebe für den Moment.

Spürst du das auch in deinen Songs?

BA: Ja, aber es entsteht intuitiv. Du musst in der Gegenwart leben und konzentriert sein, um Songs zu schreiben. Speziell dann, wenn du es schon so lange machst. In "Walk On By" zum Beispiel geht es um Konzentration: "Don’t look over your shoulder, keep your head up high..."

In vielen deiner Songs geht’s um Frauen und Liebe. Sprichst du dabei aus Erfahrung oder bist du "nur" ein guter Geschichtenerzähler?

BA: Mmmh, das ist eine gute Frage. (lacht) Manchmal basieren meine Songs auf Erfahrungen, manchmal ist es Poesie, manchmal inspirieren mich andere Menschen. Zu "Flower Grown Wild" inspirierte mich eine Pornodarstellerin, die Selbstmord beging.

Du hast dir abseits der Musik auch als Fotograf einen Ruf erarbeitet. Was ist der Unterschied zwischen dem Fotograf Bryan Adams und dem Musiker?

BA: Das musst du Bryan Adams fragen! (lacht)

Naja, ich sag mal: Du machst oft Schwarz- Weiß- Fotos, dein neues Album klingt hingegen sehr farbenfroh…

BA: Mmmh. Darüber denke ich eigentlich nicht nach, aber meine Herangehensweise für beide Felder ist unterschiedlich. Beim Fotografieren arbeitet dein Kopf ganz anders, als beim Songwriting. Ein Song entsteht bei mir über eine sehr lange Zeit, für "I Thought I’d Seen Everything" habe ich über zwei Jahre gebraucht. Songs passieren nicht über Nacht, es ist harte Arbeit – die große Schwierigkeit daran ist aber, dass man es dem Song nicht anmerkt darf, dass ich ihn hundertmal überarbeitet habe. Für ein Foto brauchst du weniger als eine Sekunde.

Wenn du einen deiner alten Hits aus der Geschichte nehmen könntest und ihn heute als neuen Song, den niemand zuvor gehört hat, rausbringen könntest, welchen würdest du auswählen?

BA: Das würde ich gar nicht tun wollen! Und zwar, weil ich glaube, dass viele dieser Songs heute keine Hits wären. "Cuts Like A Knife" würde 2008 nicht funktionieren. Es war damals ein Hit und wurde mit der Zeit ein Klassiker. Aber ein Song passt nur in eine bestimmte Zeit. Nehmen wir "Summer of 69": Dieser Song wurde erst nach zehn Jahren ein Hit, in Holland kam er 1993 heraus und wurde Nummer eins! Ich war geschockt, als mich mein Manager damals anrief und mir das mitteilte.

Fühlst du dich nach all diesen Jahren schon als Klassiker?

BA: Naja, ich würde mir diese Frage nicht selbst stellen. Aber in der Rockmusik gibt es nur eine begrenzte Auswahl an Akkorden, die wirklich gut zusammenpassen, und schön langsam wird’s eng. (lacht) 25 Jahre sind schon eine lange Zeit, aber ich konzentriere mich viel lieber auf die Gegenwart und die Zukunft. Es gibt immer Neues zu entdecken und zu tun.

Also hast du keine Probleme damit, in zwei Jahren 50 zu werden?

BA: Nein, überhaupt nicht! Was soll ich auch dagegen tun? Ich kann nur weitermachen. Und seit Mick Jagger das Pensionsalter eines Rockmusikers konstant nach oben schiebt, gibt es auch keine Regeln mehr. Ich glaube, ich werde noch mit 80 Songs schreiben müssen. Ich kann eine Idee nicht unbearbeitet lassen, vor allem dann, wenn ich spüre, dass aus ihr etwas werden könnte.

Als wir "Cuts Like A Knife" machten, schrieb ich für ein ganzes Jahr durch, und die besten Songs kamen dann aufs Album – das war’s. Wir gingen anderthalb Jahre auf Tour, dann schrieben wir wieder Songs und die besten 10 kamen aufs nächste Album. So arbeite ich nicht mehr, so kann ich jetzt nicht mehr arbeiten. Ich brauche die Abwechslung, muss zwischendurch mal fotografieren oder auch gar nichts tun.

Du lebst hier allein, wird es jemals den Familienmenschen Bryan Adams geben?

BA: Vielleicht, dazu brauche ich aber eine Frau, die mit mir mithalten kann. Sie ist da draußen, ich muss sie nur noch finden. (lacht)


Interview: Christoph Andert

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