Die Kroaten, die auch das WM-Finale 2009 im eigenen Land gegen die Franzosen verloren hatten, müssen hingegen weiterhin auf ihren ersten EM-Titel warten. Auch bei der vergangenen EM 2008 hatten sie sich aufgrund einer Finalniederlage gegen Dänemark mit Silber begnügen müssen. Zu den besten Spielern im Finale wurden nach Schlusspfiff bei den Franzosen der rechte Flügelspieler Luc Abalo bzw. bei den Kroaten Goalie Mirko Alilovic gewählt.
Kroatien gegen Frankreich, das war so etwas wie das Traumfinale zwischen zwei der absoluten Topfavoriten dieses Turniers. Das zeigte auch die Tatsache, dass mit den Franzosen Nikola Karabatic und Abalo sowie den Kroaten Manuel Strlek und Igor Vori vier der sieben Spieler des EM-All-Star-Teams im Endspiel auf dem Parkett standen.
Tausende kroatische Fans in der Stadthalle
Beide Teams sind ohne Niederlage ins Finale vorgedrungen. Die Franzosen gingen als Favoriten ins Endspiel, auch wenn auf den Rängen der Wiener Stadthalle, auf denen auch das auf Platz neun gelandete ÖHB-Team Platz nahm, ganz klar die Tausenden Kroaten das Sagen hatten. Mit der fanatischen Unterstützung im Rücken machten die Kroaten den Franzosen das Leben von Anfang an schwer.
Nach zehn Minuten betrug die Führung Kroatiens erstmals zwei Tore (4:2), in der 28. Minute lag Kroatien sogar 12:9 in Front. Bis dahin hatten die Franzosen vor allem ihre Not, den kroatischen Schlussmann Alilovic zu überwinden. Doch kurz vor der Pause startete Frankreich durch, innerhalb von 84 Sekunden stellten Karabtic mit zwei Toren und Daniel Narcisse den Pausenstand von 12:12 her.
Zweiter EM-Titel für die "Blauen" nach 2006
Die Pause bremste den französischen Angriffswirbel nicht. Bis zur 38. Minute schossen sich Karabatic und Co. 17:13 in Front, der Widerstand Kroatiens war aber nicht gebrochen. Als Balic mit einem herrlichen Heber auf 18:19 verkürzte (48.), war die Partie wieder offen. Doch im Gegenzug sah Vedran Mataija aufgrund einer eher harmlosen Attacke gegen Karabatic die Rote Karte, Frankreich nützte die Überzahl, um auf 21:18 davonzuziehen (51.). Der zweite EM-Titel nach 2006 war danach nicht mehr in Gefahr, die Schlussminuten wurden zum Triumphmarsch für die "Blauen".
Island eroberte Bronze
Die Isländer, die in der Vorrunde in Linz gegen Österreich 37:37 (Bericht in der Infobox) gespielt hatten, besiegten im Spiel um Platz drei in der Wiener Stadthalle Polen 29:26 (18:10) und holten sich EM-Bronze. Für den Olympia-Zweiten 2008, war es die erste EM-Medaille, die bisher beste Platzierung war ein vierter Rang 2002 gewesen.
Die Partie schien bereits zur Pause vorentschieden, da Island nach 30 Minuten 18:10 führte. Doch die Polen kamen mit einem Zwischensprint zwischen der 35. und 42. Minute von 12:20 auf 18:20 heran. Island hielt den Vorsprung jedoch im Finish bei stets zumindest einem Treffer und sicherte sich Rang drei.
Höchstes Lob für Gastgeber Österreich
Der europäische Handball-Verband (EHF) hat die EM 2010 in Österreich in allerhöchsten Tönen gelobt. "Wir sind mehr als zufrieden. Dieses Turnier hatte in allen Bereichen einen extrem hohen Standard. Österreich hat einen fantastischen Job gemacht", erklärte Tor Lian, der Präsident der EHF, in der Wiener Stadthalle und fügt mit einem Lächeln hinzu: "Wäre Juan Antonio Samaranch (Ex-IOC-Präsident, Anm.) hier, würde er sagen: 'The best games ever'." Der nächste EM-Gastgeber Serbien (2012) müsse hart arbeiten, um diesen Level zu erreichen.
EHF-Vizepräsident Jean Brihault sah das Turnier als Meilenstein für den Handballsport. "Wir haben von EM zu EM Schritte nach vorne gemacht. Mit diesem Turnier in Österreich haben wir jetzt endgültig die Reife erlangt", meinte Brihault.
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