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Wie schaut's mit der EURO 2016 aus, Herr Schöpf?

31.12.2015, 09:01

Er würde es sicher nie zugeben, dazu ist er viel zu bescheiden - und doch wäre der 1. FC Nürnberg ohne IHN, Alessandro Schöpf, kein Aufstiegsaspirant in Deutschlands Zweiter Liga. Seine Tore und Assists sind so alltäglich geworden, dass man sich bereits Sorgen macht, wenn er ein paar Partien hindurch nicht "anschreibt" - doch so etwas ist abgesehen von einer Schwächephase im Frühjahr die Ausnahme. Mit sportkrone.at hat der 21- Jährige nun über die Last auf seinen Schultern, den Hype um seine Person in Nürnberg und den Sensationslauf seines Teamkollegen Guido Burgstaller gesprochen. Wie er seine Chancen auf eine Einberufung in den ÖFB- Teamkader für die EURO 2016 sieht, ist auch nicht unerwähnt geblieben.

sportkrone.at: Auf einen tollen Herbst 2014 ist eine maue Frühjahrssaison 2015 gefolgt - und kaum beginnen die Blätter im Herbst 2015 von den Bäumen zu fallen zeigt die Formkurve von Alessandro Schöpf wieder steil nach oben. Wie weit könntest du in deiner Karriere schon sein, wenn es die Jahreszeiten Frühjahr, Sommer und Winter nicht gäbe?
Alessandro Schöpf: (lacht) Wie weit ich sein "könnte", darüber mache ich mir keine Gedanken. Aber natürlich, im Fußball ist es so: Manchmal gibt es Zeiten, in denen es besser läuft, und manchmal Zeiten, in denen es weniger gut läuft. Am Anfang ist es für mich gut gelaufen. Aber für die Mannschaft weniger, wir sind immer wieder unten in den Strudel reingekommen. Aber im Frühjahr, Sommer konnte ich nicht an die gezeigten Leistungen anknüpfen. Da konnte ich dem Team mit Toren und Vorlagen nicht sehr helfen. Deshalb freut es mich natürlich umso mehr, dass wir jetzt als Mannschaft Erfolg haben und ich ihr persönlich auch helfen kann.

Hier im Video sehen Sie Teil 1 des sportkrone.at-Interviews mit Alessandro Schöpf!

Video: krone.tv

sportkrone.at: Vier Tore und ein Assist nach den ersten zehn Partien, in denen man dir keine gute Form nachgesagt hat, klingen für einen Offensiven nicht so übel, wenn man bedenkt, dass du für einen damaligen Mittelständler aufgelaufen bist. War das Krisengerede übertrieben? Wie siehst du deine Performance in den vergangenen Monaten?
Schöpf: Ich glaube, wichtig ist im Fußball, dass wir als Mannschaft Erfolg haben. Und wenn wir als Mannschaft Erfolg haben, dann kommt der persönliche Erfolg noch oben drauf. Momentan funktioniert jeder Einzelne in unserem System sehr, sehr gut - und generell auch das, was wir auf dem Platz zeigen. Dass ich persönlich der Mannschaft jetzt wieder mit Toren und mit Vorlagen helfen kann, das ist für mich natürlich etwas Schönes und ich hoffe, dass die Leistungen auf diesem Niveau bleiben.

sportkrone.at: Würdest du selber sagen, dass du dich in einer Krise befunden hast, wie es geheißen hat?
Schöpf: "Krise" ist ein zu starkes Wort. Vielleicht habe ich mir selber zu viel Druck gemacht. Am Anfang ist es eben sehr gut gelaufen und ich wollte, dass es so weiter geht. Dass ich weiter Tore mache und vorlege. So ist es leider nicht passiert. Im Fußball ist es manchmal so, dass man selber nicht weiß, wie man Tore macht. Oft hat man einfach eine Serie, wo alles läuft, wo alles aufgeht. In der Phase war's bei mir eher andersrum. Natürlich ist es umso schöner, dass es jetzt wieder klappt mit Toren und Vorlagen.

sportkrone.at: "Mittelständler" und "1. FC Nürnberg",  das sind zwei Begriffe, die dem sie miteinander kombiniert Aussprechenden hier in Nürnberg eher böse Blicke und Ärger einbringen können. Wann kann sich der "Club" endlich dauerhaft aus dem Mittelmaß der zweiten Liga, in dem er heuer lange war, befreien?
Schöpf: Wichtig war in den letzten Wochen auf jeden Fall, dass man eine Entwicklung gesehen hat, auch innerhalb der Mannschaft. Ob wir uns festsetzen können da oben, das wird man in den nächsten Wochen und Monaten sehen. Nach der Winterpause hoffen wir natürlich, dass wir in der Rückrunde nochmal angreifen können.

sportkrone.at: Wollen wir die Zukunft mal einigermaßen rosig sehen: Was kann Alessandro Schöpf beim geplanten Sturm auf die Bundesliga beitragen?
Schöpf: Dass ich auf dem Platz meine Leistungen abrufe. Dass ich für die Mannschaft da bin, sei es in der Defensive oder in der Offensive. Aber wichtig ist, glaube ich, dass wir als Mannschaft kompakt stehen, dass wir uns gegenseitig helfen und dass wir uns einfach auch nebeneinander wohlfühlen. Dass wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft sind, dass wir selbstbewusst auftreten. Dann bin ich optimistisch, dass wir in der Rückrunde noch sehr viel Spaß gemeinsam haben werden.

Hier im Video sehen Sie Teil 2 des sportkrone.at-Interviews mit Alessandro Schöpf!

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sportkrone.at: Wie steht’s eigentlich um die Hackordnung in der Österreicher- Riege beim "Club"? Immerhin hast du mit Guido Burgstaller  und Georg Margreitter gleich zwei Landsleute in der Mannschaft?
Schöpf: Wichtig ist, dass wir uns alle drei gut verstehen. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb. Es war sehr wichtig für uns, dass "Burgi" im Winter zu uns gekommen ist. Er hat sehr viele Tore gemacht und auch vorgelegt, er ist einer, der auch vorne weggeht. Und Georg hat hinten eine Stabilisierung reingebracht, die vorher vielleicht noch nicht so da war, auch er ist ein sehr wichtiger Spieler für uns.

sportkrone.at: Wie sehr hat sich die Last der Verantwortung, die hier beim "Club" auf deinen gerade einmal 21- jährigen Schultern liegt, durch den Höhenflug von Burgstaller verringert?
Schöpf: Jeder, der am Platz steht, hat ein bisschen Verantwortung, muss Verantwortung übernehmen. Als "Burgi" gekommen ist, ist es für uns alle aber einfacher geworden, weil mit ihm auch auf einmal einer da war, der die Tore gemacht hat - der wichtige Tore für uns gemacht hat! Und er ist auch einer, der sehr viel für die Mannschaft arbeitet - das ist sehr wichtig.

sportkrone.at: In Nürnberg ist deine Verpflichtung der Startschuss zum Aufbau einer "Ösi- Fraktion" gewesen - in einer großen "Ösi- Fraktion" hast du schon bei den Bayern- Junioren gewirkt. Wie groß ist die Wehmut, dass es nicht zu mehr als einem Kurzbesuch auf der Ersatzbank bei einem Liga- Spiel der "echten Bayern" gereicht hat?
Schöpf: Naja, "Wehmut"... Der FC Bayern ist eine Weltklasse- Mannschaft mit sehr, sehr viel Qualität im Kader. Dass es da nicht immer einfach ist für einen jungen Spieler, ist auch logisch. Natürlich wär's ein Traum gewesen, wenn ich auch mal oben spielen hätte dürfen, aber nichtsdestotrotz glaube ich, dass ich einen guten Weg gewählt und mich jetzt weiterentwickelt habe. Natürlich hoffe ich, dass es in Zukunft auch weiterhin vorangeht.

sportkrone.at: Im Bayern- II- Kader der Saison 2013/14 hast du mit dem nunmehrigen Grödiger Christian Derflinger, dem Karlsruher Ylli Sallahi, dem St. Pöltner Oliver Markoutz und dem Austrianer Kevin Friesenbichler gespielt. Verfolgst du deren Karrieren auch nach eurer Trennung noch? Manche sind ja doch vergleichsweise außer Tritt gekommen…
Schöpf: Natürlich hat man noch Kontakt zu den alten Kollegen. Mit "Friesi" (Anm. Kevin Friesenbichler) spiele ich noch dazu in der Nationalmannschaft zusammen. Mit ihnen stehe ich immer wieder im Austausch und ich verfolge auch ihre Werdegänge - mich würd's freuen, wenn ich in Zukunft noch einiges von ihnen höre.

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sportkrone.at: Ist der Werdegang eines David Alaba,  der vor deiner Nase beim FC Bayern von der U19 ausgehend zu einem Star in der 1. Mannschaft geworden ist, eher Ansporn oder Hemmnis für dich gewesen?
Schöpf: Nein, er ist natürlich ein Riesenvorbild für mich gewesen! Der Weg, den er gemacht hat, der ist natürlich hervorragend. Auch, was die Ausleihe nach Hoffenheim anbelangt, wo er viel Spielpraxis bekommen hat - da ist er gereift und mit Selbstvertrauen zurückgekommen. Dass er dann bei so einem Weltklasseverein so Fuß gefasst hat, ist unglaublich. Das schafft nicht jeder, ist ja logisch! Ich stehe mit ihm immer noch in Verbindung, wir schreiben uns sehr oft und natürlich schätzen wir uns gegenseitig, weil er auch vom Menschlichen her er ein sehr guter Typ ist.

sportkrone.at: Hat’s den Kontakt auch damals gegeben, als er schon bei den Bayern- Profis war und du noch bei den Junioren bzw. bei Bayern II?
Schöpf: Ja, natürlich! Ich bin mit 15 ins Internat des FC Bayern gekommen und er ist über mir im Zimmer gewesen. Er war damals eine wichtige Person für mich, weil er mich als erster gut aufgenommen hat, und einfach sehr herzlich zu mir gewesen ist. Natürlich hat mir das dann auch alles einfacher gemacht.

sportkrone.at: Wie auch immer man deine aktuelle Stellung beim 1. FC Nürnberg beurteilen mag, im ÖFB- U21- Team bist du bei Coach Werner Gregoritsch  gesetzt, wie man nur gesetzt sein kann - drei Tore und vier Assists machen dich neben Michi Gregoritsch außerdem zum zweitbesten Scorer: Was wäre das U21- Team ohne dich?
Schöpf: (lacht) Wie’s ohne mich ausschauen würde, das weiß ich nicht, weil ich ja immer gespielt habe. Aber auch ohne mich hätten wir eine sehr gute Mannschaft - es sind viele gute Spieler dabei. Dass wir eine gute Mannschaft haben, das wissen wir auch - und daher ist es natürlich ein großes Ziel für uns, zur WM zu fahren. Das ist natürlich noch ein weiter Weg, den wir vor uns haben, aber ich glaube auf alle Fälle, dass es machbar ist.

sportkrone.at: Wie groß schätzt du selbst die Chance ein, im Juni 2017 mit deinen ÖFB- Teamkameraden in Polen erstmals überhaupt bei einer U21- EM- Endrunde aufzulaufen?
Schöpf: Wir haben eine große Chance! Mit der Niederlage gegen Deutschland letztens wird’s zwar ein bisschen schwieriger, noch den Gruppensieg zu schaffen, aber ja, auch die vier besten Zweiten spielen noch im Play- off um die letzten zwei Tickets. Und das wollen wir auf jeden Fall schaffen: unter die vier besten Zweiten kommen und dann auch unseren Play- off- Gegner schlagen.

sportkrone.at: Ach ja, im Jahr davor findet ja auch irgendwo irgendein angeblich nicht unwichtiger Bewerb statt. Wie schaut's damit aus?
Schöpf: Das ist für mich ein bisschen weit hergeholt. Ich will natürlich hier beim Verein meine Leistungen zeigen - und das ist das, was ich beeinflussen kann. Natürlich will ich auch beim U21- Team der Mannschaft helfen, will gut spielen. Der Rest? Das muss der Teamchef Marcel Koller  entscheiden.

(Das Interview wurde Mitte Dezember geführt.)

31.12.2015, 09:01
Hannes Maierhofer (in Nürnberg)
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