Do, 19. April 2018

BAWAG-Prozess

21.08.2007 18:35

Widersprüche bei "Uni-Bonds"

Massiv einander widersprechende Aussagen zu den verlustreichen Investments der BAWAG, den 430 Mio. Euro umfassenden "Uni-Bonds" im Jahr 2000, prägten den 18. Verhandlungstag im BAWAG-Prozess. Nicht der erfolglose Investmentbanker Wolfgang Flöttl, sondern der erfolgreiche Investmentbanker Kaveh Alamouti sollte nach Aussage von Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner die neuen Investments der BAWAG, die so genannten "Uni-Bonds", managen.

Tatsächlich hatte aber wieder Flöttl die Gelder verwaltet und fast alles - 415 Mio. Euro - im Jahr 2000 verspekuliert. Die übrigen BAWAG-Vorstände und auch der damalige Aufsichtsratspräsident Günter Weninger fühlten sich von Elsner darüber getäuscht oder  nicht informiert.

Er sei damals davon ausgegangen, dass Alamouti - formell unter dem Dach von Flöttls Firma - die insgesamt 430 Mio. Euro tatsächlich verwalte, sagte Elsner. Die Gelder sollten von Alamouti in sieben Fonds mit unterschiedlichen Risikoklassen investiert werden. Flöttl widersprach Elsner, er habe alles alleine gemanagt, dies habe Elsner auch gewusst. Abgestufte Risikoklassen seien damals nicht vereinbart worden.

Die Ex-BAWAG-Vorstände Hubert Kreuch und Josef Schwarzecker beteuerten, ihnen sei Alamouti als neuer Manager der Investments präsentiert worden. Dass der in London lebende Alamouti damals gar keine Konzession dazu hatte, hätten sie erst viel später erfahren. Hätten sie damals von Flöttls führender Rolle gewusst, hätten sie den neuen Veranlagungen mit dem erfolglosen Spekulanten nicht zugestimmt.

Die Idee zum Einsatz von Alamouti als neuen Investmentmanager der BAWAG sei von Flöttl gekommen, so Elsner, er habe Alamouti dann im Herbst 1999 in London einmal getroffen. "Flöttl hat gesagt, man könnte neu investieren". Die erhofften Gewinne sollten zur Überwindung des Schadens der BAWAG durch die Flöttl-Geschäfte von 1998 beitragen. Da Alamouti aber 1999 noch nicht über eine eigene Konzession zur Vermögensverwaltung verfügt habe, sollte er sich zunächst innerhalb von Flöttls Struktur bewegen.

Eklatante Widersprüche tauchten auch wieder zwischen Ex-BAWAG-Aufsichtsratspräsident Weninger und Elsner auf. Über die Neuinvestments in den Uni-Bonds habe er Weninger voll informiert, behauptete Elsner. Der gesamte Aufsichtsrat sei aber nicht über die Uni-Bonds informiert worden, Fragen habe auch niemand gestellt. Weninger widersprach entschieden, Elsner habe ihn nie in die Uni-Bonds eingeweiht.

Im Sommer 1999 habe sich abgezeichnet, dass auch die nach dem ersten Totalverlust getätigten Veranlagungen der BAWAG wieder nicht erfolgreich waren, sagte Flöttl aus. Daraufhin sei in Gesprächen zwischen Elsner und ihm die Idee zu neuen Investments geboren worden, die so genannten "Uni-Bonds". Die Konstruktion ist laut Flöttl auf Wunsch der BAWAG erfolgt. Zunächst habe er das Kapital der BAWAG vorsichtig investiert, im März 2000 habe ihn Elsner jedoch zu einer aggressiveren Anlagestrategie gedrängt.

Laut Elsner-Nachfolger als BAWAG-Chef, Johann Zwettler, kam die Idee zu den Uni-Bonds von Elsner. Alamouti sollte federführend einen neuen Fonds, eben die Uni-Bonds, gestionieren und dabei entscheidend mitwirken, so Zwettler. Die Auflage dabei sei gewesen, in verschiedene Risikokategorien zu investieren. Dies unterstrich auch Ex-BAWAG-Vorstand Christian Büttner: Er sei ebenfalls von verschiedenen Strategien und Risikoläufen ausgegangen.

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