Do, 18. Jänner 2018

BAWAG-Prozess

03.08.2007 09:23

Bei harten Fragen wird Elsner immer übel

Wie ein Stier, der in die Kampfarena einläuft, damit ist der Auftritt Helmut Elsners am 12. Tag im BAWAG-Prozess vergleichbar. Empört über Aussagen Wolfgang Flöttls, schimpft er: "Das ist totaler Blödsinn." Doch dann konfrontiert ihn die Richterin mit harten Fragen und belastenden Vorwürfen. Worauf der frühere Bankchef prompt um eine Pause bittet: "Mir ist übel"...

Richterin Claudia Bandion-Ortner bittet sofort den im Saal anwesenden Gutachter Günter Steurer um eine Expertise. Was dieser auch macht. Nach zehn Minuten gibt er grünes Licht, der Prozess kann fortgesetzt werden. Und es wartet starker Tobak auf Helmut Elsner. Es geht um die geheime Vorstandssitzung der BAWAG am 26. Oktober 1998, bei der Folgendes beschlossen wurde:

Investmentbanker Wolfgang Flöttl bekommt nach Verlusten von 639 Millionen Dollar sofort wieder 250 Millionen neues "Spielkapital". Und dazu noch 80 Millionen Kredit für die Aufrechterhaltung seiner Firmen.

  • Der Generaldirektors-Sohn muss freilich als Gegengewicht zu den Verlusten seine Vermögenswerte der BAWAG übergeben. Wozu er nur "unter Drohungen Elsners" bereit gewesen wäre, hatte Wolfgang Flöttl erklärt.
  • Was Helmut Elsner bestreitet: "Diese Aussage ist grotesk. Was hätte ich für einen Druck ausüben sollen? Hätte ich Flöttl auffliegen lassen, wäre ich mitgefallen. Ich werde mich doch nicht selbst in die Luft sprengen."

Die Richterin lässt Elsner Dampf ablassen und stellt konkrete Fragen: Wer hat die im Vorstandsprotokoll vermerkte "Bewertung" der Flöttl-Firmen mit 200 bis 400 Millionen Dollar vorgenommen? Elsner sagt, Flöttl selbst wäre es gewesen: "Er hat mir damals erzählt, dass ein Investmenthaus ähnlicher Größe um diesen Betrag verkauft worden ist."

Wozu zu bemerken ist: Flöttl gibt einen viel niedrigeren Wert an, beschuldigt Elsner, dass er die "Bewertung" in die Höhe getrieben habe, um die Geschäfte fortsetzen zu können. Der Staatsanwalt nennt als Grund: Elsner wollte sich seinen Posten erhalten.

Doch der Angesprochene stellt sein Licht unter den Scheffel: "Wenn alles bekannt geworden wäre, wäre mir das egal gewesen. Ich war damals 63 Jahre alt. Ich hätte in Pension gehen können."

"Flöttl hat mir Werte der Bilder genannt"
Die Richterin will weiters wissen, warum die riesige Gemäldesammlung Flöttls mit Bildern von Picasso, Monet und van Gogh so großzügig bewertet worden ist. Elsner schiebt wieder alles auf Flöttl: "Er hat mir den Wert genannt. Außerdem war in den Jahren 1998 bis 2000 der Kunstmarkt am Boden. Man konnte annehmen, dass die Werte steigen werden. Ein Picasso, den wir um 40 Millionen verkauft haben, erzielte später 140 Millionen."

In diesen Größenordnungen, so lernt der Zuhörer, ist also alles relativ. Klare Fakten gibt es nur zu einem Haus Wolfgang Flöttls auf den Bermudas. Auf einer Halbinsel gelegen, wurde es ebenfalls den Vermögenswerten des Investmentbankers beigefügt. Doch die BAWAG konnte damit zunächst nichts anfangen. Flöttl: "Ich habe Herrn Elsner erklärt, dass laut Gesetz ein Verkauf unmöglich ist. Er wollte aber unbedingt, dass die Liegenschaft aufgelistet wird." Vom Verkaufserlös viele Jahre später bekam die BAWAG übrigens keinen Cent...

Richterin Bandion-Ortner würde "zu gerne" einen Lokalaugenschein durchführen. Fortsetzung Montag.

Von Peter Grotter und Gabriella Gödel

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