So, 27. Mai 2018

Asyl-Dolmetscher:

26.11.2017 13:30

"Aussagen von Kollegen korrigiert - wenn nötig"

Seit drei Jahrzehnten lebt Ahmad Saba (Name geändert) in Österreich. Der 52-Jährige kam als Student aus dem Iran nach Wien. Heute übersetzt er unter anderem für das Bundesasylamt. Im "Krone"-Gespräch erzählt er von offensichtlichen Gotteskriegern, einem Scharia-Professor und der Einstellungen gegenüber Frauen ...

"95 Prozent der Afghanen, die nach Österreich kommen, haben bereits jahrelang im Iran gelebt", so Ahmad Saba. Unter ihnen seien Dschihadkämpfer, denen man ihre Gesinnung schon optisch ansehe. Während allein einreisende Männer sofort ihren Asylbescheid erhalten, werden schutzsuchende Frauen, die alleine sind, abgewiesen, wie vor Kurzem eine zweifachen Mutter. In der Steiermark wurde vor einiger Zeit sogar ein Scharia-Professor freudig aufgenommen.

200 Euro pro Auftrag
Der Job des Dolmetschers ist attraktiv. Ahmad zeigt eine Honorarnote: 200 Euro. "Viele Kollegen bekommen zwei bis drei Aufträge am Tag, obwohl sie kaum Deutsch können und die Aussagen des Klienten - wenn nötig - korrigieren", kritisiert er.

Ein Ehepaar habe sogar einen positiven Bescheid erhalten, obwohl der Geburtsort nicht eruierbar war. Was den gebürtigen Iraner noch stört: "Österreichische Frauen werden von diesen Männern als minderwertig angesehen, ihre eigenen als Gebärmaschinen, damit das Geld stimmt."

Innenministerium: "Abenteuerlich falsch"
Im Innenministerium wies man die Darstellung am Sonntag entschieden zurück: "Die Behauptungen sind abenteuerlich falsch", so Sprecher Karl-Heinz Grundböck. Ein Blick in die monatlich aktualisierte Entscheidungsstatistik zeige einen Anteil von 44 Prozent positiver Entscheidungen für Afghanen, womit man im EU-Schnitt liege. Weiters wurde auf die Qualitätssicherung verwiesen, die "gerade wegen des hohen Anspruchs an Dolmetscher" vom Bundesasylamt gemeinsam mit dem UNHCR erarbeitet worden sei. Es kämen "grundsätzlich Dolmetscher zum Einsatz, die gerichtlich beeidet sind". Wenn jemand den Ansprüchen nicht gerecht wird, werde die Zusammenarbeit beendet.

Martina Münzer, Kronen Zeitung/krone.at

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