Sa, 18. November 2017

„Hölle“ in Indien

09.11.2017 15:35

Schock-Foto: Mob zündet Baby-Elefanten an

"Die Hölle ist hier": Ein mit diesem Titel versehenes Foto zeigt ungeschönt, wie brutal Menschen mit Tieren umgehen. Zu sehen ist auf der Aufnahme, die mit einem internationalen Preis ausgezeichnet wurde, wie eine Elefantenkuh und ihr Junges von Dorfbewohnern in Indien buchstäblich in Brand gesetzt werden. Jährlich sterben in dem Land 350 Menschen bei Zwischenfällen mit Dickhäutern, die wiederum von den Menschen immer öfter gezielt getötet werden - obwohl sie als "stark gefährdet" gelten.

Es ist ein wahrlich schmerzhaft anzusehendes Foto, mit dem der westbengalische Fotograf Biplib Hazra den ersten Preis beim Fotowettbewerb der Sanctuary Nature Foundation gewonnen hat: Eine Elefantenkuh und ihr Kalb rennen um ihr Leben. An den Hinterbeinen des Jungtiers sind züngelnde Flammen zusehen, das Maul hat es vor Schreck weit aufgerissen. Bewohner eines Dorfes hatten die beiden Dickhäuter mit Feuerwerkskörpern und brennenden Teerklumpen beworfen. Das Teer an ihren Sohlen können die Tiere nicht gezielt löschen. Sie werden zumindest schwere Verbrennungen davontragen.

Fotograf Hazra erinnert sich noch genau, wie das Kalb bei seiner Flucht geschrien habe. Hazra sagte der Zeitung "Indian Express", die beiden Elefanten hätten den Angriff des Mobs zumindest überlebt. In Bankura, einem Distrikt von Westbengalen, sei diese Art von Angriffen zur Belustigung oder zur Vergrämung der Elefanten Routine - ebenso wie in vielen anderen Elefantengebieten in Indien, hieß es in der Begründung des Fotowettbewerbs der Sanctuary Nature Foundation für den ersten Preis.

Lebensraum schrumpft
Indien ist die Heimat von etwa 30.000 asiatischen Elefanten - das sind rund 70 Prozent der weltweiten Population der Spezies. Doch der natürliche Lebensraum der wilden Elefanten - die auf der Suche nach Nahrung riesige Gebiete von bis zu 800 Quadratkilometern durchstreifen - wird durch Abholzung und Bebauung immer weiter eingeschränkt. Laut Fotograf Hazra würden die Menschen die uralten Wanderwege der Elefanten immer weiter bebauen.

Umgekehrt würden viele Bauern durch die von Elefanten verursachten Schäden große Teile ihrer Ernte verlieren. Hinzu kommt, dass Angaben der Regierung zufolge in Indien jedes Jahr rund 350 Menschen von Elefanten getötet werden. Oft wollten die Menschen die Elefanten nicht töten, sondern nur vertreiben, heißt es dazu in indischen Medien.

Auch Hazra weiß um die Probleme der Bevölkerung in Zusammenhang mit den wilden Elefanten, sprach aber auch von Vorfällen mit einem "ignoranten, wütenden Mob", der Herden "nur zum Spaß" angreifen würde. Er sieht die Hauptschuld für das unnötige Quälen der Dickhäuter vor allem bei der Regierung, die untätig zusehen würde. "Für diese klugen, sanften und geselligen Tiere, die seit Jahrhunderten auf ihrer Route hin- und herwandern, ist die Hölle hier und jetzt", so der Fotograf.

Harald Dragan
Redakteur
Harald Dragan
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