So, 19. November 2017

Silberstein-Krimi

03.10.2017 18:54

SPÖ betrieb „Hetz“-Seiten nach Rauswurf weiter

"Wir haben die Zusammenarbeit mit Herrn Silberstein am 14. August eingestellt. Sowohl Silberstein als auch alle seine Mitarbeiter wurden damals von der Kampagne abgezogen. Wir wissen nicht, wie die Seiten nach dem Silberstein-Rauswurf weitergeführt wurden." So nahm Christian Kern (SPÖ) am Sonntag Stellung zu den "Dirty Campaigning"-Vorwürfen gegen seine Partei. Dass die Aussagen des Kanzlers nicht der Wahrheit entsprechen, will jetzt der "profil" aufdeckt haben. Dem Nachrichtenmagazin liegen Informationen vor, dass die Anti-Kurz-Seiten auf Facebook auch nach dem Silberstein-Rauswurf von denselben Leuten - darunter ein SPÖ-Mitarbeiter - weitergeführt wurden wie zuvor. Der umstrittene SPÖ-Mitarbeiter wurde mittlerweile suspendiert.

Nach den Darstellungen Kerns habe es auf den "Hetz"-Seiten gegen ÖVP-Chef Sebastian Kurz, die von Ex-SPÖ-Berater Tal Silberstein und seinem Team betrieben wurden, eine "massive Beschleunigung des Tons und der antisemitischen Propaganda" gegeben. "Wir müssen Licht in die Sache bringen und noch deutlich tiefer graben", so Kern am Sonntag.

Nach Silberstein-Aus: SPÖ-Mitarbeiter wusste über alles Bescheid
Doch laut "profil" habe es - entgegen den Aussagen Kerns - nach der Verhaftung Silbersteins keine "massive Beschleunigung des Tons" auf den Facebook-Seiten gegeben. Dies würde eine Analyse des Medienwissenschafters und Plagiatsexperten Stefan Weber belegen, die dieser für die Tageszeitung "Die Presse" erstellte. Über die Fortführung der Aktivitäten hätte demnach derselbe SPÖ-Mitarbeiter Bescheid gewusst, der schon zuvor über das "Dirty-Campaigning" gegen Kurz Kenntnis hatte.

Video: Kern zur Causa Silberstein:

Silberstein-Mitarbeiter aus Israel verließen Österreich
Zur Erinnerung: Silbersteins "Dirty-Campaigning"-Spezialeinheit soll sich aus einer geringen Zahl israelischer und österreichischer Spezialisten zusammengesetzt haben. Nach Silbersteins Verhaftung sollen zwar die Israelis Österreich verlassen haben, die verbliebenen österreichischen Teammitglieder sollen das "Dirty Campaigning" allerdings fortgesetzt haben. Der naheliegende Grund laut "profil": Eine Einstellung der Aktivitäten hätte sofort einen Hinweis auf die Urheberschaft der SPÖ geliefert.

SPö-Mitarbeiter im Krankenstand suspendiert
Die SPÖ hat am Dienstag jenen Mitarbeiter, der nach dem Aus für Silberstein die "Dirty-Campaigning"-Seiten gegen Kurz beliefert haben soll, suspendiert. Dieser hatte in der SPÖ-Kampagne die Agenden Silbersteins nach dessen Rauswurf übernommen. Kurios: Der Mitarbeiter befindet sich aktuell noch im Krankenstand, er soll sich beide Arme gebrochen haben.

Alt-Bundeskanzler Vranitzky: "Es geht mir nicht gut"
Indes zeigte sich Altkanzler Franz Vranitzky (SPÖ) in der "Tiroler Tageszeitung" betrübt über die ganze Affäre: "Das ist alles sehr schlimm. Es geht mir nicht gut." Jetzt gehe es um eine Art Schadensbegrenzung. Die SPÖ hat am Dienstag unterdessen rechtliche Schritte wegen der "Dirty-Campaiging"-Affäre eingeleitet. Stoßrichtung der Sozialdemokraten ist, herauszufinden, wer tatsächlich hinter den Facebook-Seiten steht.

Kern & Co. befeuern Verschwörungstheorie
Zuletzt hatte die SPÖ in den Raum gestellt, dass die Facebook-Seiten, die sichtlich vor allem Kurz schädigen sollten, nach Silbersteins Entlassung wegen dessen vorübergehender Festnahme im August von anderer Seite weiter betrieben worden sein könnten. Kern war in den vergangenen Tagen nicht der einzige SPÖ-Politiker, der eine Verschwörungstheorie befeuerte, die aus einem Agententhriller im Kalten Krieg stammen könnte. "Es würde mich nicht wundern, wenn die ÖVP da die Finger im Spiel hätte", legte Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl nach. Zur Rolle von Kern erklärte Silberstein am Dienstag dem Magazin "News", "der Kanzler hatte nicht einmal das entfernteste Wissen oder die entfernteste Information darüber". Die Lesart der Sozialdemokraten: Silberstein habe ohne Wissen der Parteispitze eigenständig eine "Parallelstruktur" geschaffen.

Franz Hollauf
Redakteur
Franz Hollauf
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