Sa, 18. November 2017

Frau an Spitze

31.07.2017 23:04

Mit dieser Deutschen will Salzburg abheben

Mit der Bestellung von Bettina Ganghofer als neue Direktorin schreibt Salzburg Geschichte: Erstmals leitet in Österreich eine Frau die Geschicke eines Flughafens. Die Deutsche ist mit der Materie bestens vertraut, gilt als knallharte Strategin. Der Zeitpunkt ihres Antritts ist allerdings alles andere als dankbar.

Der Vertrag ist bereits unter Dach und Fach: Am 16. Oktober wird Bettina Ganghofer (53) ihren ersten Arbeitstag als neue Chefin des Salzburger Flughafens antreten. Noch bis Ende Dezember beratend zur Seite gestellt wird ihr Vorgänger Roland Hermann (67) in einer Doppelspitze. Am Montag stellte sich die neue Chefin erstmals ihren Mitarbeitern vor: Aufgewachsen am Tegernsee (Bayern), machte sie 1985 eine Ausbildung zur Luftverkehrskauffrau, anschließend arbeitete sie im Marketing und Controlling, bevor sie knapp sechs Jahre in Shanghai in der Geschäftsführung eines Joint Ventures der Lufthansa Cargo tätig war. 2009 wechselte sie von dort zur Mitteldeutschen Flughafen AG an die Flughäfen Leipzig und Dresden, zuletzt als Vorstandsbeauftragte. "Ich sehe Flughäfen in erster Linie als Infrastruktur-Dienstleister", erklärte Ganghofer. "Und ich kenne das Portfolio aus allen Blickwinkeln." Trotzdem wird sie gleich zum Antritt heftige Turbulenzen meistern müssen:

Der Fluglärm-Streit mit dem bayrischen Nachbarn spitzt sich zu. Dort stehen Wahlen vor der Tür, gut möglich, dass sich der Ton weiter verschärft. Mit einer Durchführungsverordnung könnten die Deutschen den Flughafen im schlimmsten Fall sogar lahm legen. Mögliche Lösung: Ganghofer könnte ihre früheren Kontakte nutzen und vermittelnd tätig werden. Sie selbst sagt: "Es wird eine große Aufgabe, wie wir den Dialog in Zukunft hier führen. Wir müssen jetzt beobachten, warum die Kompromisse bislang gescheitert sind. "

Ärger droht außerdem, weil Air Berlin im Moment immer wieder mit Verspätungen kämpft. Experten raten inzwischen schon, keine Buchungen mehr sechs Monaten Vorlauf zu tätigen. Würde die wichtige Airline weg fallen, müssten die Anbindungen schnell ersetzt werden. Ganghofer: "Sollte dieser Fall eintreten, werden wir Alternativen anbieten. "

Die Fluggastzahlen sind leicht rückläufig (1,7 Mio.), das Geschäft muss angekurbelt werden. Parallel dazu muss Ganghofer neue Airlines für Salzburg gewinnen: "Ich werde den Bedarf genau analysieren." Ihr letzter Einsatzort Dresden ist von der Größe her mit Salzburg vergleichbar. Anbindungen zu allen zentralen Punkten waren ihr dort ein Anliegen.

Anna Dobler, Kronen Zeitung

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