Fr, 15. Dezember 2017

Keine Anklage

19.07.2017 17:48

Saudi-Arabien: Frau nach Minirock-Video enthaftet

Jene Frau, die in einem Clip mit Minirock und knappem Top bekleidet durch die saudi-arabische Stadt Ushaiger gehend zu sehen war und die damit für Aufregung sorgte, ist am Dienstag von der Polizei verhaftet und verhört worden. Nach mehrstündigen Befragungen wurde die Frau, der vorgeworfen wird, gegen die Kleidervorschriften des konservativen arabischen Landes verstoßen zu haben, aber wieder freigelassen.

"Die saudische Polizei entließ am Dienstagabend eine Frau, die für einige Stunden befragt worden war", heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme des Informationsministeriums in der Hauptstadt Riad. Sie hatte demnach ausgesagt, sie habe Ushaiger in männlicher Begleitung besucht und das Video sei ohne ihr Wissen veröffentlicht worden. Eine Anklage werde nicht erhoben, hieß es weiter.

Video verbreitete sich in sozialen Medien
Das nur wenige Sekunden lange Video hatte sich rasant in sozialen Medien verbreitet - dabei ist die Aufnahme in dem Clip reichlich unspektakulär. Eine junge Frau geht in Minirock, bauchfreiem Top und ohne Kopftuch eine menschenleere Straße entlang - sie dreht sich kurz zur Kamera um und zeigt ihr unverhülltes Gesicht. Der Skandal daran: Im ultrakonservativen Saudi-Arabien müssen sich Frauen komplett verhüllen. Die strengen Kleidungsvorschriften schreiben lange Gewänder und bedeckte Haare vor.

Das Filmchen löste viele Reaktionen zwischen Ablehnung und Jubel aus. Das Staatsfernsehen hatte daraufhin am Dienstag berichtetet, die Frau sei in Gewahrsam genommen worden. Die junge Frau, ein saudi-arabisches Model, war von der Stadtverwaltung in Riad gesucht worden, nachdem das Video dort bekannt geworden war.

Auch Teilen des Clips ist in Saudi-Arabien strafbar
Die Behörden überprüfen nun auch Profile, auf denen das Video in sozialen Medien geteilt wurde - die User könnten sich eines "Informationsverbrechens" schuldig gemacht haben. Damit ist die Verbreitung von Inhalten gemeint, die nicht der Moralvorstellung des konservativen Landes entsprechen.

Im Internet lösten die Aufnahmen hitzige Debatten aus. So wurde im Kurzbotschaftendienst Twitter zugunsten der Beschuldigten argumentiert, dass an westliche Frauen andere Maßstäbe angelegt würden. Die Frau und die Tochter von US-Präsident Donald Trump, Melania und Ivanka, etwa hätten sich bei ihrem Staatsbesuch im Mai nicht verhüllen müssen.

 krone.at
Redaktion
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