Sa, 25. November 2017

Themenunterricht

30.05.2017 10:41

Finnland will die Schulfächer komplett abschaffen

Das finnische Schulsystem gilt als weltweit führend - nicht zuletzt wegen der wiederholten Spitzenplätze bei den PISA-Studien der vergangenen Jahre. Jetzt diskutieren finnische Bildungsexperten über eine neue Reform: Die traditionellen Schulfächer sollen bis 2020 komplett abgeschafft werden. Stattdessen sollen nur noch Themengebiete unterrichtet werden - "Phänomene", wie es die Finnen nennen. Dadurch sollen Schüler bei dem, was sie lernen, einen Bezug zum echten Leben herstellen können. Das Konzept wird derzeit von der Regierung begutachtet.

PBL oder "Phänomen-Unterricht" lautet der Fachbegriff für diese Lernform. "Im 21. Jahrhundert wird es immer wichtiger, 'Fake News' von Fakten zu unterscheiden. Und das kann eben derjenige am besten, der die eigene Beobachtung schult. Ziel ist es, dass die Schüler ihre Schule als kritische Geister verlassen", hob eine finnische Professorin an der Universität Helsinki gegenüber der britischen BBC die Bedeutung von PBL hervor. Die Abschaffung der Fächer soll aber nicht an allen Schulen flächendeckend umgesetzt werden, sondern zunächst nur für ältere Schüler ab 16 Jahren.

Schulmanagerin: "Aktuelles Schulsystem ist veraltet"
Mit dem neuen Unterrichtssystem will man die Schüler besser auf das Berufsleben vorbereiten. "Das aktuelle Schulsystem ist veraltet", sagte eine Schulmanagerin aus Helsinki dem britischen "Independent". Dadurch falle vielen Schülern der Einstieg ins Arbeitsleben schwer.

An einigen Schulen sind solche Testphasen bereits angelaufen: In einer Berufsschule arbeiteten Schüler laut BBC etwa am Thema "Gastronomie" - sie erstellten Abrechnungen, übten Sprachen für den Umgang mit Kunden und schrieben Briefe. Eine Gymnasiumsklasse setzte sich derweil mit der EU auseinander: Schüler büffelten die Geschichte von Mitgliedsstaaten, diskutierten über Politik und übten die Sprachen einzelner Länder.

Gruppenarbeit statt Frontalunterricht
Die Umstellung zum themenbasierten Lernen betrifft auch die Lehrer: Diese sollen ihre Stunden fortan im Team planen. Und der Unterricht soll nicht mehr frontal stattfinden, sondern in Gruppen, in denen Schüler ein Problem bearbeiten. "Viele Lehrer stellten sich anfangs quer", so die Schulmanagerin aus Helsinki. "Wenn sie sich dann aber erst an die neue Methode gewöhnt haben, wollen sie nicht mehr zurück." Bis heute habe man bereits 70 Prozent der Lehrer für den neuen Ansatz ausgebildet.

Finnland ist seit Jahren auf Platz eins der PISA-Studie. Deshalb hat die Veränderung im finnischen Schulsystem Gewicht: Andere Länder haben bereits Interesse an dem neuen Modell angemeldet.

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Redaktion
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