Do, 23. November 2017

„Hau ab!“

28.05.2017 19:02

Auftritt im Bierzelt: Pfeifkonzert für Merkel

Ein Wahlkampfauftritt von Angela Merkel und dem bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer ist am Sonntag von einem Pfeifkonzert begleitet worden. Neben Buhrufen waren in einem bayrischen Bierzelt in München auch immer wieder "Merkel muss weg", "Wir sind das Volk"- und "Hau ab"-Sprechchöre zu vernehmen.

Die Trillerpfeifen und "Merkel muss weg"-Rufe von etwa zwei Dutzend Demonstranten übertönen die Szenerie, während die CDU-Chefin, Seehofer und weitere CSU-Politiker tapfer in die Kameras lächelten. Einige der Merkel-Gegner hatten am Rande des Festplatzes für die AfD geworben. Der stellvertretende CSU-Generalsekretär Markus Blume kritisierte die Demoinstranten scharf: "Die wollen die Alternative sein und wissen gar nicht, was Bayern und Deutschland ist."

Seehofer an Merkel: "Der bayrische Löwe braucht viel gutes Futter"
In ihren Reden erklärten Merkel und Seehofer ihren Zwist Anfang Februar für beendet, doch sei dieser und andere Streitigkeiten allen noch in guter Erinnerung. So erntete Seehofer Heiterkeit, als er in seiner Rede der Kanzlerin versicherte: "Liebe Angela, Bayern sind prinzipiell ein friedfertiges Volk." Der bayerische Löwe brauche nur viel gutes Futter. "Dann ist er sehr pflegeleicht", fügte Seehofer hinzu und dankte Merkel für die Einigung beim Länderfinanzausgleich, die den Nettozahler Bayern um 1,3 Milliarden Euro entlaste. Seehofer lobte Merkels internationale politische Rolle und bezeichnete ihren Bierzeltauftritt als Bürgerverbundenheit und bilanzierte: "Du vertrittst unser Vaterland ganz hervorragend."

Merkel: "Hole mir Rat bei Franz Josef Strauß"
Merkel kokettierte ebenfalls mit dem gegenseitigen Spannungsverhältnis, als sie ankündigte, sich in ihrer Rede auf ein "altes Schlachtross, ein Urgestein bayerischer Politik" zu berufen. "Horst Seehofer guckt ganz gespannt, was jetzt kommt", sagte sie und setzte nach einer Kunstpause hinzu: "Ich glaube, wenn ich sage, ich hole mir Rat bei Franz Josef Strauß, dann bin ich auf der richtigen Seite." Dafür war Merkel der Applaus des Publikums sicher. Der 1988 gestorbene CSU-Übervater zieht bei Unionsanhängern in Bayern immer noch. "Dankbar rückwärts, mutig vorwärts, gläubig aufwärts", sei Strauß' Motto, an dem sie sich orientieren wolle, sagte Merkel.

"Europa muss sein Schicksal selbst in die Hand nehmen"
Die CDU-Chefin, die bei der Bundestagswahl am 24. September den Grundstein für ihre vierte Kanzlerschaft legen will, versprach ihren Zuhörern wirtschaftlichen Wohlstand und innere Sicherheit und lobte Bayern dafür als Vorbild. Dann kam sie auf die Flüchtlingskrise zu sprechen, die die Unionsanhänger vor allem in Bayern gespalten hatte. "Vor allen Dingen bleibt bestehen, dass gerade die Menschen in Bayern unglaubliche Hilfsbereitschaft gezeigt haben", rief Merkel ihren Zuhörern zu.

Beifall erhielt Merkel auch für ihre Forderung, Europa müsse sein Schicksal in die eigene Hand nehmen und selbst für seine Zukunft kämpfen: "Die Zeiten, in denen wir uns auf andere verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei."

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