Do, 14. Dezember 2017

Appell an Besitzer

23.05.2017 07:16

Koch des Jahrhunderts: "Belebt mein Gastein"

Eckart Witzigmann, der Koch des Jahrhunderts und Patron des Hangar 7, ist Ehrenbürger von Bad Gastein. Der Verfall des Zentrums bewegt ihn. "Belebt mein Gastein!" appelliert er in einem "Krone"-Interview an die Besitzer, die seit vielen Jahren wertvolle historische Gebäude verfallen lassen. "Ich habe Herzweh!"

Aus dem "Wildbad Gastein" im Mittelalter entwickelte sich der mondäne Kurort, die Thermalquellen versprachen Heilung und gekrönte Häupter aus aller Welt reisten mit der Tauernbahn an. Politische Gipfeltreffen in den prunkvollen Hotels veränderten Europa. Doch die Blütezeit ging vorüber. Mit gewagten Investitionen versuchte Bürgermeister Anton Kerschbaumer in seiner zehnjährigen Amtszeit in den 1980er Jahren eine Gewaltkur: Das Felsenbad und Sportgastein entstanden, die historische Wandelhalle aus der Monarchie fiel dem neuen Kongresszentrum zum Opfer und am Ende war der Ort pleite und musste sogar unter Kuratel gestellt werden. Dann kamen die Glücksritter und schließlich die Spekulanten. Die nach Bad Gastein 1982 eingeflogene Liza Minelli sang noch "Happy New Year".Dem sich selbst als "Investor" bezeichnenden Franz Duval aus Wien gelang es innerhalb weniger Jahre das gesamte Zentrum in seinen Besitz zu bekommen.

Hotel Straubinger - Haus Austria - K&K Postgebäude - Badeschloss - Kongresszentrum: Trotz der Auflagen des Denkmalschutzes verfielen die leer gemachten Häuser, die Landeschefs Gabi Burgstaller und Wilfried Haslauer scheiterten am Starrsinn der Familie. Nach dem Tod des Vaters übernahm Philippe Duval den Besitz.Gespenstische Ruhe in der einstigen NobelweltEs änderte sich nichts. Wo einst die Wiener Traditionshäuser Braun am Graben oder Adlmüller Kärntnerstraße residierten, sperren Bauzäune das Areal ab.  "Es hat sich nichts geändert," bilanziert Bürgermeister Gerhard Steinbauer enttäuscht.

Mit dem Tretroller für den Vater unterwegs
"Ich bin bekennender Gasteiner," sagt Professor Dr. h.c. Eckart Witzigmann, als ihn die "Krone" am Montag zum Interview bat. "Deshalb habe ich Herzweh, wenn ich das sehe. Ein Jammer. Mein Appell an die Besitzer lautet daher: Belebt mein Gastein. Macht Schluss mit der Spekulation und den Verzögerungen!" Witzigmann erzählt uns seine Familiengeschichte: Aus einer Familie, die eine Bäckerei sowie Konditorei in Hohenems in Vorarlberg betrieb, stammte der Vater Alois Witzigmann.  Er wurde Schneidermeister und erfand die berühmte "Skikeilhose," ein Vorläufer des modernen Sportdress. Die Familie übersiedelte ins Gasteinertal, wo der Vater ein prominentes Publikum fand: "Mit dem Tretroller" lieferte der junge Eckart die Anzüge und Hosen über die steilen Gassen und Wege zu den mondänen Hotels.

Trinkgeld gab es immer. Sie wohnten an der Böcksteiner Straße am oberen Plateau. Da kam die spontane Idee, Koch zu werden. Während 2017 in der österreichischen Gastronomie tausende Stellen offen sind und Krisen-Sitzungen einberufen werden, war es damals schwierig, einen Job zu finden. Doch der Direktor vom Hotel Straubinger war Kunde bei Schneidermeister Witzigmann und so bekam der Sohn mit Vorzug seine Lehrstelle. Drei Jahre lang bildete Diplomküchenmeister Ludwig Scheibenpflug den stets fröhlichen Burschen aus, alle zwei Monate wechselte er die Station, denn er sollte alles durchmachen. 1959 ging er weg aus dem Tal. Der Aufstieg zum Titel "Koch des Jahrhunderts" (1994) erregte Aufsehen in Europa. Witzigmann führte die französische Nouvelle Cuisine ein, er bekam für seine Münchener Lokale "Tantris" und "Aubergine" die meisten "Sterne". Heute ist er Patron vom Hangar 7-Restaurant und verfolgt bei seinen Aufenthalten das Drama um das Zentrum von Gastein aus kurzer Distanz.

Hans Peter Hasenöhrl

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